Politik

Gericht erlaubt Auslieferung von Julian Assange in die USA

Mit einer gerichtlichen Niederlage schwinden die Hoffnungen auf eine baldige Freilassung des Wikileaks-Gründers. Stattdessen droht die Auslieferung in die USA.
10.12.2021 14:05
Aktualisiert: 10.12.2021 14:05
Lesezeit: 1 min
Gericht erlaubt Auslieferung von Julian Assange in die USA
Ein Teilnehmer der Demo «Journalismus ist kein Verbrechen - Freiheit für Julian Assange» stehen mit einer Maske des Wikileaks-Gründers Julian Assange im Hemd am Pariser Platz. (Foto: dpa) Foto: Fabian Sommer

Schwerer Rückschlag für Julian Assange: Ein Berufungsgericht in London hat das Auslieferungsverbot für den Wikileaks-Gründer an die USA aufgehoben. Das teilte ein Richter am Londoner High Court am Freitag mit. Assange muss nun damit rechnen, doch noch an die Vereinigten Staaten ausgeliefert zu werden. Seine Verlobte Stella Moris kündigte an, man wolle Berufung gegen das Urteil einlegen. «Wir werden diese Entscheidung zum frühestmöglichen Punkt anfechten», sagte sie.

Einem früheren Urteil zufolge war die Auslieferung des 50-Jährigen unter Berücksichtigung seines psychischen und gesundheitlichen Zustands und die zu erwartenden Haftbedingungen in den USA untersagt worden. Washington hatte diese Entscheidung jedoch angefochten - und bekam Recht. Die von den USA in der Zwischenzeit gegebenen Zusicherungen seien ausreichend, um die Sorgen um Assanges Gesundheit auszuräumen, sagte der Richter am Freitag. Assanges Angehörige beschreiben seinen Gesundheitszustand seit Monaten als schlecht und besorgniserregend. Der 50-Jährige sitzt seit mehr als zwei Jahren im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh.

Die US-Justiz will Assange wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Dem gebürtigen Australier drohen dort bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft. Vorgeworfen wird ihm, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht zu haben. Er habe damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht. Seine Unterstützer sehen in ihm hingegen einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht brachte.

Der Fall werde nun an das erstinstanzliche Gericht zurückgegeben mit der Weisung, die Entscheidung über die Auslieferung der britischen Innenministerin zu überlassen, so der Richter weiter.

Dutzende Anhänger des Wikileaks-Gründers, die sich vor dem Gerichtsgebäude in London versammelt hatten, zeigten sich enttäuscht und empört. Viele skandierten «Schande, Schande» und verurteilten die britische Justiz. «Wir werden kämpfen», sagte Assanges Verlobte Moris in einer emotionalen Stellungnahme vor dem Gerichtsgebäude und fügte hinzu: «Julian verkörpert die Fundamente dessen, was es bedeutet, in einer freien Gesellschaft zu leben und was es bedeutet, Pressefreiheit zu haben (..)».

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) sprach von einer «Schande für die Pressefreiheit». Der Bundesvorsitzende Frank Überall sagte, es sei ein furchtbares Urteil, «das den gesundheitlich und psychisch stark angeschlagenen Julian Assange besonders hart trifft». Es habe «eine verheerende Signalwirkung auf alle Whistleblower, deren Informationen und Insiderkenntnisse an die Öffentlichkeit gehören».

Auch die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) bei Verdi zeigte sich fassungslos. «Es ist kaum zu glauben, dass die Vereinigten Staaten nun doch noch mit ihrem ungeheuerlichen Unterfangen durchkommen könnten und Julian Assange der politischen Verfolgung ausgesetzt wird», sagte die Bundesgeschäftsführerin Monique Hofmann.

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