Politik

Baerbock droht Russland, Ukraine beschuldigt Deutschland und Moskau wartet ab

In der Dreiecksbeziehung zwischen Deutschland, der Ukraine und Russland bleibt es turbulent.
14.12.2021 14:16
Aktualisiert: 14.12.2021 14:16
Lesezeit: 1 min
Baerbock droht Russland, Ukraine beschuldigt Deutschland und Moskau wartet ab
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin, spricht mit Reportern vor einem Treffen der „Stockholm Initiative“ zur nuklearen Abrüstung. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock macht keinen Hehl aus ihrer kritischen Haltung gegenüber dem Kreml. Im Gespräch mit dem „ZDF“ sagte sie, dass Deutschland hinter der Ukraine stehe. Ein Agieren Russlands werde „harte diplomatische und wirtschaftliche Konsequenzen“ haben.

Wie die Unterstützung für die Ukraine aussehen soll, bleibt unklar. Denn kürzlich hatte der ukrainische Oleksii Reznikov behauptet, dass die Bundesregierung die Lieferung von NATO-Waffen an die Ukraine „blockiert“ habe. Die Bundesregierung dementierte diesen Vorwurf nicht.

Deutschlands Zurückhaltung im Ukraine-Konflikt dürfte mit dem Pipelineprojekt Nord Stream 2 zusammenhängen. Dazu meint Baerbock, dass für europäische Energieprojekte auch europäisches Recht gelten müsse. „Das bedeutet, dass nach jetzigem Stand diese Pipeline so nicht genehmigt werden kann, weil sie eben die Vorgaben des europäischen Energierechts nicht erfüllt und die Sicherheitsfragen ohnehin noch im Raum stehen“, so Baerbock.

Die „Volksstimme“ führt dazu aus: „Annalena Baerbock bleibt sich treu: Lange vor dem Amtsantritt als Außenministerin hat sie sich gegen Nord Stream 2 positioniert. Gleiches erklärt sie nun im Kreis ihrer westlichen Nachbarn - neben den Bedenken wegen des EU-Rechts mit dem russischen Truppenaufmarsch nahe der ukrainischen Grenze untersetzt. Die meisten Verbündeten klatschen Beifall, von Polen bis hin zu den USA will niemand die Pipeline. Deutschland an der Spitze der Verhinderer? Das kann weder gut für das Land sein, noch für die Kanzlerpartei SPD. Der Strang ist ein sozialdemokratisches Projekt, in der GroKo fortgeführt. Großer Nutznießer wäre das SPD-geführte Mecklenburg-Vorpommern. Kanzler Olaf Scholz hält sich zurück. Er will einen Ampel-Konflikt verhindern. Den wird es aber geben müssen, sonst wird Scholz in der Außenpolitik die Butter vom Brot genommen. Und aufgemerkt: Österreich will die Pipeline ausdrücklich. Sie ist schließlich für die EU gedacht.“

Hinzu kommt, dass Russland der wichtigste Gaslieferant Europas ist, weshalb einige EU-Staaten nicht bereit sind, einen Disput mit Russland einzugehen.

Deutschland sitzt – wie immer – zwischen zwei oder allen Stühlen. Egal, wie sich die Bundesregierung im Ukraine-Konflikt und beim Streit um Nord Stream 2 entscheidet. In jedem Fall wird sie sich Feinde machen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wird der XRP-Preis manipuliert? Hinter der Klage der US-Börsenaufsicht deutet sich ein langfristiger Plan von AMT DeFi an

Die Diskussionen rund um die Preisentwicklung von XRP reißen seit Langem nicht ab. Insbesondere nach der Klage der US-Börsenaufsicht...

DWN
Politik
Politik Trump setzt sich durch: Wie die Abstimmung im US-Senat den Kongress spaltet
16.01.2026

Donald Trump demonstriert erneut, wie eng seine Machtbasis im US-Kongress weiterhin ist, selbst bei umstrittenen außenpolitischen Fragen....

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Eberswalder Wurst: Fleischriese Tönnies macht Traditionsbetrieb dicht – warnendes Lehrstück für andere Unternehmen
16.01.2026

Mit der Schließung der Eberswalder Wurstwerke verschwindet ein weiterer DDR-Traditionsbetrieb. Das Werk im brandenburgischen Britz wird im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kakaopreis rutscht ab: Ursachen und Folgen für Märkte und Industrie
16.01.2026

Der Kakaomarkt reagiert auf spürbare Veränderungen bei Nachfrage und Verarbeitung. Signalisiert der jüngste Rückgang des Kakaopreises...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche-Aktie: Absatzkrise in China – Porsche verkauft deutlich weniger Fahrzeuge
16.01.2026

Porsche spürt die anhaltende Marktschwäche in China deutlich: Der Absatz ging 2025 um rund ein Viertel auf 41.900 Fahrzeuge zurück....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise verschärft sich: Gaspreise in Europa innerhalb einer Woche um 20 Prozent gestiegen
16.01.2026

Europas Gasmarkt erlebt einen kräftigen Preissprung: In nur einer Woche stiegen die Kosten für Erdgas um rund 20 Prozent und erreichten...

DWN
Panorama
Panorama Urlaubspläne 2026: Deutsche halten trotz Wirtschaftskrise fest
16.01.2026

Die Reiselust der Deutschen bleibt ungebrochen: Rund zwei Drittel der Bevölkerung planen für 2026 eine Urlaubsreise. Dennoch ist die Zahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stromversorgung nach Kohleausstieg: Braucht Deutschland Gaskraftwerke?
16.01.2026

Die Debatte um neue Gaskraftwerke in Deutschland wird intensiver. Die Regierung sieht sie als zentral für die Versorgungssicherheit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Institut warnt: Handelspolitik der USA trifft Deutschland langfristig
16.01.2026

Ein Jahr nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump belasten dessen Strafzölle die deutsche Wirtschaft weiterhin deutlich. Nach...