Finanzen

Weltgrößter Staatsfonds warnt Investoren vor den Folgen der wachsenden Inflation

Norwegens Ölfonds erwartet eine anhaltend hohe Inflation und warnt Anleger vor den Folgen. Damit widerspricht er zahlreichen staatlichen Instituten und Ökonomen.
01.02.2022 09:00
Lesezeit: 2 min
Weltgrößter Staatsfonds warnt Investoren vor den Folgen der wachsenden Inflation
Norwegens Ölfonds will diesmal besser auf den Crash vorbereitet sein als in der Vergangenheit. (Foto: dpa) Foto: Carina Johansen

Der größte Staatsfonds der Welt hat davor gewarnt, dass Anlegern über Jahre hin niedrige Renditen drohen, wenn die weltweit grassierende Inflation andauert. In den großen Industrieländern sind die Verbraucherpreise derzeit so hoch wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr, insbesondere in den USA, wo das Inflationsrate im Dezember 7 Prozent erreichte.

Nach Ansicht von Nicolai Tangen, dem Chef des norwegischen Ölfonds, könnte die Inflation "stärker sein als allgemein erwartet", da die Welt sowohl eine hohe Nachfrage als auch eine anhaltende Unterbrechung der Lieferketten erlebt. "Wir sehen das auf breiter Front, an immer mehr Orten", sagte er der Financial Times.

"Ikea hat die Preise um 9 Prozent erhöht, die Lebensmittelpreise sind gestiegen, die Frachtraten sind weiterhin sehr hoch, die LKW-Tarife, Metalle, Rohstoffe, Energie, Gas", so der ehemalige Hedge-Fonds-Manager weiter. Und auch bei den Löhnen gebe es Anzeichen für Erhöhungen. "Wie wird sich das auswirken? - Es trifft Anleihen und Aktien zur gleichen Zeit. In den nächsten Jahren wird es beide treffen."

Der norwegische Ölfonds ist der weltgrößte Staatsfonds. Mit einem verwalteten Vermögen im Wert von 1,3 Billionen Dollar besitzt er den Gegenwert von 1,5 Prozent jedes einzelnen börsennotierten Unternehmens der Welt. Im Zuge des Höhenflugs an den internationalen Börsen erzielte der Fonds im letzten Jahr massive Gewinne.

Andere Ökonomen haben zuletzt Zweifel daran geäußert, dass der Inflationsanstieg länger anhalten wird. Einige von ihnen argumentieren, dass die Corona-Krise nur einen vorübergehenden Schock für die Versorgungsketten verursacht hat, der mit einer starken wirtschaftlichen Erholung zusammenfiel, die sich aber mit der Zeit abschwächen werde.

Auch die am Markt gemessenen Inflationserwartungen deuten darauf hin, dass die Anleger keine galoppierende Inflation erwarten. Laut der Zehnjahres-Breakeven-Rate, einem gängigen Maß für die Inflationserwartungen, wird sich die Inflation gegenüber dem heutigen Stand auf etwa 2,5 Prozent abschwächen. Die zweijährige Messgröße deutete darauf hin, dass die Inflation in naher Zukunft knapp über 3 Prozent liegen wird.

Doch Tangen verweist auf andere Faktoren. So würden etwa mehr Menschen in den Ruhestand gehen oder ihren Arbeitsplatz verlassen, was für einen dauerhaften Anstieg der Inflation spreche. Tatsächlich haben sowohl Anleihen als auch Aktien das laufende Jahr 2022 mit einem Rückschlag begonnen, und die längerfristigen Erwartungen der Anleger für die wichtigsten Kapitalmärkte werden immer düsterer.

AQR Capital Management, eine quantitative Investmentgruppe, schätzt, dass ein klassisches ausgewogenes Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen in den nächsten fünf bis zehn Jahren nach Inflation nur 2 Prozent pro Jahr abwerfen wird. Das ist weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Rendite von rund 5 Prozent, die im vergangenen Jahrhundert erzielt wurde.

Großinvestoren haben versucht, die Renditen mit "alternativen" Anlagestrategien, einschließlich Hedgefonds, Risikokapital und Immobilien, zu steigern. Ihr verwaltetes Vermögen wuchs im vergangenen Jahr auf 13,3 Milliarden Dollar, so der Datenanbieter Preqin, der für die Branche der alternativen Anlagen bis Ende 2026 einen Anstieg auf 23,2 Milliarden Dollar prognostiziert.

Das Mandat von Tangens Ölfonds, der bei der norwegischen Zentralbank angesiedelt ist, umfasst hingegen nur Aktien, Anleihen und Immobilien. Mit einem Anstieg von 14,5 Prozent verzeichnete der Fonds im vergangenen Jahr sein bisher viertstärkstes Ergebnis. Seit der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 ist er stetig gewachsen.

Doch Tangen warnte, dass dies bald ein Ende haben könnte. "Mit extrem niedrigen Zinsen und einem sehr hohen Aktienmarkt sowie einer zunehmenden - und mancherorts sogar beschleunigten - Inflation könnten wir eine lange Zeit mit niedrigen Renditen erleben." In der Vergangenheit habe der Fonds "in Aufwärtsmärkten eine Outperformance und in Abwärtsmärkten eine Underperformance erzielt", sagte er.

Der ehemalige Gründer des in London ansässigen Hedgefonds AKO Capital, der im September 2020 die Leitung von Norwegens Staatsfonds übernommen hat, will dieses Problem der Vergangenheit nun durch "viele kleinere Änderungen" lösen, unter anderem durch den Einsatz von Wirtschaftsprüfern. Diese sollen dabei helfen, Unternehmen zu finden, die im Portfolio untergewichtet werden sollen.

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