Finanzen

Globale Geldmenge bei 1,4 Billiarden Dollar, Goldpreis müsste bei 100.000 Dollar liegen

Dem „Visual Capitalist“ zufolge liegt die wahre Geldmenge, die weltweit im Umlauf ist, bei 1,4 Billiarden US-Dollar. Demzufolge müsste der Goldpreis bei einer Neubewertung bei über 100.000 US-Dollar liegen. Doch Goldanleger sollten sich nicht zu früh freuen. Denn ein explosiver Goldpreis-Boom geht immer einher mit zerstörerischen gesellschaftlichen Umbrüchen. Dann ist sogar eine staatliche Goldbeschlagnahme denkbar.
29.03.2022 20:15
Aktualisiert: 29.03.2022 20:15
Lesezeit: 3 min
Globale Geldmenge bei 1,4 Billiarden Dollar, Goldpreis müsste bei 100.000 Dollar liegen
Ein-Kilogramm Goldbarren im Lager der Goldverarbeitungsfirma Argor-Heraeus in Mendrisio, Tessin, Schweiz. (Foto: dpa) Foto: Karl Mathis

Im März 2021 verabschiedete der US-Kongress ein Konjunkturpaket in Höhe von 2,2 Billionen Dollar, während die US-Notenbank Fed ankündigte, dass sie eine unbegrenzte Menge an US-Staatsanleihen kaufen wird, um die „Blasenwirtschaft“ vor einem totalen Zusammenbruch zu schützen. Das Weiße Haus und die Wall Street haben diese Maßnahmen als „wesentlich“, „überragend“ und „historisch“ beschrieben, aber in Wirklichkeit werden sie sich als großer Fehler erweisen und den Anfang vom Ende des US-Dollars und des Fiatgeld-Systems einleiten, schreibt „Medium.com“.

Doch die Frage, die Experten umtreibt, ist, was mit dem Goldpreis passiert, wenn der US-Dollar im Verlauf einer Phase der Hyperinflation wertlos wird und zu Papier-Müll verkommt.

Die größten Goldbefürworter gehen davon aus, dass die Edelmetall-Preise mindestens fünfstellig steigen werden. Vor einem Jahrzehnt verbreitete Mike Maloney eine 20.000-US-Dollar-Prognose. Damals war die M2-Geldmenge etwa über 60 Prozent niedriger als heute.

James Rickards , ein bekannter Goldspekulant, Kommentator und Autor, geht davon aus, dass der Goldpreis über 50.000 US-Dollar pro Unze erreichen wird.

Wenn das Fiat-Währungssystem endgültig zusammenbricht, glaubt Rickards, dass die Behörden keine andere Wahl haben werden, als zu einem 40-Prozent-Goldstandard zurückzukehren und das gesamte Finanzsystem zu retten, indem der Goldpreis auf etwa 40 Prozent des US-Dollar-Angebots neu bewertet wird.

Dem weitverbreiteten Mythos zufolge haben die US-Regierung und die Fed die totale Kontrolle über das globale Dollarangebot. Allerdings sind es die Megabanken wie JPMorgan oder Goldman Sachs, die den größten Teil der Geldversorgung über Offshore-Dollar-Märkte wie das Eurodollar-System schaffen.

The „Visual Capitalist“ berechnete im Jahr, dass sich die wahre weltweite Geldmenge auf 1,4 Billiarde US-Dollar belaufe. Wenn man der Goldpreisberechnung diese wahre Geldmenge zugrundlegen würde, müsste der Goldpreis im Rahmen einer Neubewertung bei über 100.000 US-Dollar pro Unze liegen. „Medium.com“ führt aus: „Aber wenn Sie Gold besitzen, seien Sie nicht zu sehr aufgeregt. Wenn das glänzende Metall Ihnen mehr als 100.000 US-Dollar pro Unze einbringt, wird dies mit einem totalen gesellschaftlichen Zusammenbruch zusammenfallen. Wenn Reservewährungen zusammenbrechen, fallen Imperien und die Welt wird zu einem dunkleren Ort zum Leben. Ein Währungscrash wurde Hitlers Aufstieg und dem Untergang des antiken Roms zugeschrieben und hat Regierungen dazu veranlasst, Edelmetalle zu beschlagnahmen. Vieles kann und wird schiefgehen.“

Zurück zur aktuellen Lage: Der Krieg in der Ukraine und die generell sehr angespannte Lage an den Finanzmärkten sprechen für das gelbe Edelmetall. Gold könnte aus seiner jahrelangen Bandbreite ausbrechen und auf 3.000 Dollar steigen.

Ist eine Goldbeschlagnahme möglich?

In Zeiten extremer Krisen können Regierungen das Gold der Menschen beschlagnahmen. In der Vergangenheit gab es einige beeindruckende Beispiele für die „Goldbeschlagnahme“. Am denkwürdigsten ist, dass dies 1933 in den USA während der Weltwirtschaftskrise geschah. Die Regierung von Franklin D. Roosevelt, die für den „New Deal“ stand, beschlagnahmte alle Goldbarren und Münzen per „Executive Order 6102“ und zwang die Bürger, weit unter den Marktpreisen zu verkaufen. Unmittelbar nach der „Beschlagnahme“ setzte die Regierung einen neuen offiziellen Goldsatz fest, der im Rahmen des „Gold Reserve Act“ von 1934 viel höher war.

Dies war die Ära des Goldstandards, was bedeutete, dass Dollar für eine genaue Menge des Edelmetalls gehandelt werden konnten. Die Beschlagnahme des Metalls ermöglichte es der Regierung, mehr Dollar zu drucken, um die Wirtschaft anzukurbeln, und auch mehr Dollar auf den internationalen Märkten zu kaufen, um den Wechselkurs zu stützen.

Viele Goldbesitzer waren verständlicherweise unglücklich über die Goldbeschlagnahme, und einige kämpften vor Gericht dagegen an. Letztendlich konnte die Regierung jedoch nicht gestoppt werden, und der Goldbesitz in den USA blieb bis in die 1970er Jahre illegal, berichtet „The Conversation“.

1959 erließ die australische Regierung ein Gesetz, das die Beschlagnahme von Gold, das sich in den Händen von Privatpersonen befand, erlaubte, wenn dies „zum Schutz der Währung oder des öffentlichen Kredits des Commonwealth [von Australien] zweckmäßig war“. Um den Rückgang des Pfunds zu stoppen, verbot die britische Regierung 1966 den Bürgern, mehr als vier Gold- oder Silbermünzen zu besitzen, und blockierte den privaten Import von Gold. Dieses Gesetz wurde erst 1979 aufgehoben.

„The Conversation“ führt über die Situation in den 1930er Jahren aus: „Im System der 1930er Jahre wählten die Länder im Allgemeinen feste Wechselkurse in Verbindung mit Gold sowie freien Kapitalverkehr und eine Kontrolle über die Geldpolitik. Das System geriet immer mehr unter Druck, weil zu viele Anleger ihr Geld gegen Gold eintauschten. Eine Möglichkeit für die USA, die Geldpolitik ausreichend zu kontrollieren, um mehr Geld zu drucken, bestand darin, verschiedene Kapitalkontrollen durchzuführen, einschließlich der Beschlagnahme von Gold. Heute ist die Situation anders, weil die westlichen Volkswirtschaften frei schwebende Wechselkurse haben, so dass sie die Kontrolle über die Geldpolitik haben und Kapital frei bewegen können. Dies bedeutet, dass sie während einer Krise Geld drucken und die Zinssätze senken können, ohne Gold kontrollieren zu müssen.“

Haftungsausschluss: Dieser Artikel stellt keine Anlage-Beratung dar. Jeder Anleger sollte sich selbstständig informieren und Entscheidungen über den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Edelmetallen und sonstigen Vermögenswerten nur auf Grundlage individueller Chance-Risiko-Abwägungen treffen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue EU-Regeln und wie sie den europäischen Online-Unterhaltungsmarkt verändern

Die europäische Glücksspielbranche steht vor einer der größten Umbruchphasen ihrer Geschichte. Neue gesetzliche Regelungen innerhalb...

DWN
Politik
Politik Apotheke statt Arztpraxis? Bundestag beschließt weitreichende Reform der Patientenversorgung
22.05.2026

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Durch neue Gesetzespläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU)...

DWN
Panorama
Panorama Tanken vor Pfingsten günstiger – Dieselpreis fällt auf Tiefstand seit März
22.05.2026

Pünktlich vor dem langen Pfingstwochenende können Autofahrer in Deutschland etwas aufatmen: Die Spritpreise sind zuletzt spürbar...

DWN
Politik
Politik Strategie oder Belohnung? Trump schickt 5.000 zusätzliche Soldaten nach Polen
22.05.2026

Während die USA ihre Truppenpräsenz in Deutschland reduzieren, kündigt US-Präsident Donald Trump überraschend eine massive Aufstockung...

DWN
Politik
Politik Unser neues Magazin ist da: Weltmacht Europa? Was der Kontinent jetzt wagen muss
22.05.2026

Europa steht an einem Wendepunkt: Zwischen geopolitischem Druck, wirtschaftlicher Schwäche und ungesunder Abhängigkeit stellt sich die...

DWN
Politik
Politik Nato-Treffen in Schweden: Wadephul bremst bei Mission in Straße von Hormus
22.05.2026

Die Forderung der USA nach mehr Nato-Engagement in der strategisch wichtigen Straße von Hormus stößt auf Zurückhaltung. Während...

DWN
Politik
Politik Russland-Sanktionen bröckeln, sobald Energie knapp wird
22.05.2026

Erst sollte russisches Öl vom Westen ferngehalten werden, nun öffnet London eine Ausnahme für raffinierte Kraftstoffe. Die Entscheidung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft startet mit Wachstum ins Jahr 2026 – Exporte sorgen für Auftrieb
22.05.2026

Die deutsche Wirtschaft ist mit einem überraschend positiven Signal ins Jahr 2026 gestartet. Trotz internationaler Unsicherheiten und der...

DWN
Immobilien
Immobilien Tiefpunkt beim Wohnungsbau: Fertigstellungen brechen auf Niveau von 2012 ein
22.05.2026

Der Wohnungsbau in Deutschland erlebt einen historischen Dämpfer. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, wurden im...