Finanzen

Umkehrung der US-Renditekurve deutet auf globale Rezession

Die Umkehrung der Renditekurve im weltweit wichtigsten Anleihemarkt deutet darauf hin, dass eine Rezession drohen könnte.
01.04.2022 09:00
Lesezeit: 2 min
Umkehrung der US-Renditekurve deutet auf globale Rezession
Die Fed warnt davor, die Umkehrung der Renditekurve als Vorboten einer Rezession zu interpretieren. (Foto: dpa) Foto: Ting Shen

Am Dienstag übertrafen die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen erstmals seit 2019 die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen. Dieses ungewöhnliche Phänomen wird als "Umkehrung der Renditekurve" bezeichnet. In der Vergangenheit waren umgekehrte Renditekurven Vorläufer der meisten Rezessionen (im Schnitt 18 Monate voraus, siehe Grafik).

Daher hat die jüngste Entwicklung am Markt für US-Staatsanleihen unter Investoren und Ökonomen eine Debatte darüber ausgelöst, ob nun ein Konjunktureinbruch droht oder nicht. Das Weiße Haus hat die Gefahr einer Rezession am Mittwoch heruntergespielt und erklärt, viele US-Wirtschaftsindikatoren hätten sich verbessert.

"Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine starke Wirtschaft handelt und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession innerhalb des nächsten Jahres nicht besonders hoch ist", sagte Kate Bedingfield, Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, am Mittwoch unter Berufung auf Äußerungen des Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell, vom Anfang dieses Monats.

Zwar sei die Umkehrung der Renditekurve "historisch gesehen ein Indikator", so die Kommunikationsdirektorin, die Umkehrung sei aber "bei weitem nicht der einzige Indikator" für eine drohende Rezession. "Viele der anderen Fundamentaldaten, die wir betrachten, um zu beurteilen, wo wir wirtschaftlich stehen, sind unglaublich stark und werden stärker."

Was bedeutet die Umkehrung der Renditekurve?

Anleger verlangen in der Regel höhere Zinsen für Anleihen mit längeren Laufzeiten und niedrigere Zinsen für Anleihen mit kürzeren Laufzeiten. Die Umkehrung der Renditekurve bedeutet hingegen, dass man höhere Zinsen für Anleihen mit kürzeren Laufzeiten zahlt. Dies kann eintreten, wenn die Fed die kurzfristigen Zinssätze so stark anhebt, dass Anleger nicht glauben, dass die langfristig haltbar ist, ohne die Wirtschaft zu schwächen.

In einem Interview letzte Woche, noch vor der Umkehrung der Renditekurve, sagte US-Finanzministerin Janet Yellen, sie erwarte, dass die US-Wirtschaft widerstandsfähig bleibe, da höhere Energie- und Rohstoffkosten, ausgelöst durch den Einmarsch Russlands in der Ukraine, die Aussichten für das globale Wachstum trüben. Sie verwies aber auch auf den "immens starken Arbeitsmarkt" und sagte, dass die "typische amerikanische Familie" in guter Verfassung sei.

Ähnlich wie bei der letzten Umkehrung der Renditekurve im Jahr 2019 wächst nun erneut die Sorge, dass die erwartete geldpolitische Straffung durch die Fed den Konsum und die Wirtschaftstätigkeit belasten wird. Doch anders als beim letzten Mal kämpft die Zentralbank nun mit der stärksten Inflation seit einer Generation. Diese starke Inflation nährt Spekulationen um eine drastischere Anhebung der Leitzinsen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Starker Dollar und Zinssorgen belasten Goldkurs
23.09.2026

Der Goldpreis fällt am Mittwoch deutlich. Ein stärkerer US-Dollar und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed...

DWN
Politik
Politik Spritpreise: Deutschland plant den Deckel, Kroatien begrenzt schon heute
23.09.2026

Die Spritpreise steigen, und Europas Regierungen greifen immer stärker in den Markt ein. Deutschland senkt die Energiesteuer und plant...

DWN
Politik
Politik Protest gegen EU-Bürokratie: 13 EU-Staaten wollen Brüssel einbremsen
23.09.2026

Österreich macht gemeinsam mit zwölf weiteren EU-Staaten Druck auf Brüssel: Ein Jahr lang soll bei neuen EU-Gesetzen weitgehend auf die...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt – BSW als Zünglein an der Waage?
23.09.2026

Die Atmosphäre sei gut, die Gespräche konstruktiv: In Sachsen-Anhalt tasten sich AfD und BSW langsam heran. Ein Patt im Landtag könnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Henkel-Aktie unbeeindruckt: Grünes Licht für Stahl Parent-Übernahme
23.09.2026

Der Konsumgüterkonzern Henkel darf den niederländischen Spezialbeschichtungshersteller Stahl Parent für 2,1 Milliarden Euro übernehmen....

DWN
Politik
Politik Drohnenhersteller Stark Defence: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen
23.09.2026

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht bei einer Bundeswehr-Großbestellung von Kampfdrohnen in den Startlöchern: Die an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
23.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Novo Nordisk-Aktie vor der Patentklippe: 112 Milliarden Euro stehen auf dem Spiel
23.09.2026

Ozempic und Wegovy haben Novo Nordisk mehr als 112 Milliarden Euro Umsatz beschert und den Pharmakonzern in die Weltspitze katapultiert....