Politik

Alice Schwarzer: „Merkel hat vielleicht einen Weltkrieg verhindert“ - sofortige Verhandlungen mit Putin

Alice Schwarzer übt scharfe Kritik an der ukrainischen Regierung und Waffenlieferungen aus dem Westen.
14.04.2022 12:01
Aktualisiert: 14.04.2022 12:01
Lesezeit: 1 min

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hat die Russland-Politik der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel und des heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier verteidigt. «Was soll die rückwirkende Schelte für Steinmeier und Merkel?», fragte Schwarzer in einem am Donnerstag veröffentlichten Kommentar auf der Website ihres Magazins «Emma». «Während der Amtszeit des Ex-Außenministers und der Ex-Kanzlerin gab es keinen Krieg, sondern Frieden.» Mit dem Aushandeln des Minsker Abkommens von 2014 habe Merkel «vielleicht einen Weltkrieg verhindert», so Schwarzer.

Als «unerhört» bezeichnete sie die Ausladung Steinmeiers durch die Ukraine. «Die dem wenige Stunden später folgende Einladung des deutschen Bundeskanzlers setzt dem Ganzen die Krone auf. Macht der ukrainische Präsident jetzt deutsche Politik, indem er unseren Bundespräsidenten und unseren Bundeskanzler gegeneinander ausspielt?» Steinmeier hatte zusammen mit den Staatspräsidenten Polens, Lettlands, Litauens und Estlands nach Kiew fahren wollen. Die ukrainische Regierung lehnte einen Besuch Steinmeiers jedoch ab und lud stattdessen den Bundeskanzler ein.

Schwarzer rief zu sofortigen Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf. Eine Dämonisierung des Anführers der zweitstärksten Atommacht sei wenig hilfreich. «Wir haben 2003 ja auch weiter mit dem amerikanischen Präsidenten gesprochen, obwohl die angeblichen Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein von Anbeginn an eine durchsichtige Lüge waren, der Irakkrieg genauso verbrecherisch wie der Ukrainekrieg und die zivilen Opfer nicht weniger», schrieb Schwarzer. «Dafür ist Präsident George W. Bush nie belangt worden, niemand wollte ihn vor den "Internationalen Strafgerichtshof" in Den Haag bringen - was übrigens auch gar nicht möglich gewesen wäre, denn die USA sind dem Internationalen Gericht nie beigetreten, können dort darum auch nicht belangt werden.»

Scharfe Kritik übte die 79-jährige Feministin an der Forderung nach Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine: «Gleichzeitig hören forsche, so genannt kritische JournalistInnen nicht auf, von den PolitikerInnen zu fordern: Mehr Waffen für die Ukraine! Und sofortiger Stopp der Gaslieferungen! Zu unserem großen Glück bleibt der Kanzler stoisch gelassen. Bisher. Ahnen seine KritikerInnen denn noch nicht einmal, dass wir in einen 3. Weltkrieg stolpern könnten? Wollen sie nicht verstehen, dass wir es besser dabei belassen sollten, maximale menschliche Hilfe zu leisten, für die Ukraine wie für die Flüchtlinge?»

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Inflation und Deflation zugleich - Wohin steuert das Finanzsystem?

Die wirtschaftlichen Signale aus den USA, China und Europa werden widersprüchlicher. Während der Preisdruck nachlässt, verliert der...

DWN
Immobilien
Immobilien Schäden, Sanierung, Schönheitsfehler: Was muss ein Mieter zahlen, was ein Vermieter?
15.08.2026

Viele Mieter und Vermieter sind unsicher, wer bei Schäden oder Gebrauchsspuren in der Wohnung für die Kosten aufkommen muss. Wir...

DWN
Unternehmen
Unternehmen MG4 Urban im Test: Fast "Das Auto", nur aus China
15.08.2026

Als SAIC Motor das Modell MG4 vorstellte, wurde es sofort zu einem der begehrtesten in China gebauten Elektroautos. Autojournalisten...

DWN
Panorama
Panorama Freundschaften stärken psychische und körperliche Gesundheit
15.08.2026

Enge Beziehungen wirken sich laut einer internationalen Studie positiv auf die mentale Gesundheit aus. Auch die Kindheit spielt eine Rolle...

DWN
Panorama
Panorama Mariä Himmelfahrt: Riesige Marienstatue wird in Polen eingeweiht
15.08.2026

In einem Dorf in Polen wird am 15. August eine gigantische Marienfigur eingeweiht. Gestiftet hat sie einer der reichsten Männer des...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Das sind die Spitzenkandidaten
15.08.2026

Wer tritt bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als Spitzenkandidat an? Ein Überblick über die wichtigsten Köpfe und ihre Ziele.

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
14.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Sandisk und Reddit glänzen trotz wachsender Konjunktursorgen
14.08.2026

Erfahren Sie, welche Dynamiken die Wall Street bewegen und warum ausgewählte Einzelwerte den trüben Konjunktursignalen trotzen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW-Werk Dingolfing rüstet auf für den entscheidenden Kampf um die Autozukunft
14.08.2026

Tausende Roboter, 280.000 Autos im Jahr und eine neue Batteriefabrik sollen BMWs größten europäischen Produktionsstandort zukunftsfähig...