Politik

Russland hält großangelegtes Atom-Manöver ab

Russland hält nordöstlich von Moskau ein umfangreiches Atom-Manöver ab. Zugleich sendet der Kreml Warnungen an den Westen, keine seiner "roten Linien" zu übertreten.
03.06.2022 09:00
Lesezeit: 2 min
Russland hält großangelegtes Atom-Manöver ab
Archivbild einer RS-24 Yars. (Foto: dpa) Foto: Vladimir Smirnov

Die russischen Atomstreitkräfte halten in der nordöstlich von Moskau gelegenen Provinz Iwanowo "intensive Manöver" ab, wie das russische Verteidigungsministerium berichtet. Etwa 1.000 Soldaten seien an den Übungen beteiligt sowie über 100 Fahrzeuge, darunter auch autonome Trägerraketen des mobilen bodengestützten Raketensystems Yars, die Ziele in einer Entfernung bis zu 11.000 Kilometern treffen können.

Es werde trainiert, "die Raketensysteme zu Feldpositionen zu bringen, Routen von bis zu 100 Kilometern Länge zurückzulegen, Einheiten mit einem Wechsel der Feldpositionen zu zerstreuen, ihre technische Ausrüstung zu organisieren sowie Tarnung und Kampfschutz zu organisieren", so das Ministerium.

Gleichzeitig würden eine Reihe von Maßnahmen geübt, um mit Sprengstoff ausgerüstete Saboteure aufzuspüren und zu zerstören. Dabei würde neue Antisabotage-Kampffahrzeuge vom Typ Typhoon-M eingesetzt, die mit unbemannten Drohnen ausgestattet sind. Zudem werde während der Manöver das ferngesteuerte Minenräumfahrzeug Listva eingesetzt, welches das mobile bodengestützte Raketensystem Yars eskortiert.

"Eine der vorrangigen Aufgaben der Übung war die Erarbeitung vielfältiger Fragestellungen zur Suche und Vernichtung von bedingten Sabotage- und Aufklärungsverbänden bei Tag und Nacht. Entlang der Strecken autonomer Trägerraketen wurde ein Kommandantendienst organisiert, der sich mit dem Schutz eines Konvois mit großformatiger Ausrüstung befasst und seinen Durchgang durch Kontrollpunkte überwacht", so das Ministerium.

Zuvor hatten die USA ein 700-Millionen-Dollar-Paket für Kiew bewilligt, das Hubschrauber, Panzerabwehrwaffensysteme und hochbewegliche Artillerieraketensysteme mittlerer Reichweite umfassen wird. Diese Art von Waffen hatte die ukrainische Führung in den letzten Wochen immer wieder vom Westen gefordert, um mit Russlands Feuerkraft mithalten zu können."

US-Präsident Joe Biden erklärte, die Mittelstreckenraketen würden es der Ukraine ermöglichen, "wichtige Ziele auf dem Schlachtfeld präziser zu treffen". Dabei stellte er jedoch klar, dass das neue Waffenpaket nur auf ukrainischem Hoheitsgebiet zum Einsatz kommen und nicht versuchen werde, russische Ziele auf russischem Gebiet zu treffen, wie Newsweek berichtet.

Indes hat Moskau die USA erneut davor gewarnt, ihre erklärten "roten Linien" zu übertreten, wie der Guardian berichtet. Russlands Außenminister Lawrow sagt, es bestehe das Risiko, dass ein Drittland aufgrund der Lieferung von Raketenwerfern in den Ukraine-Konflikt verwickelt werden könnte. Und auch Lawrows Stellvertreter Sergej Rjabkow sagte, Moskau betrachte die US-Militärhilfe für die Ukraine als "äußerst negativ", da sie das Risiko einer direkten Konfrontation erhöhe.

Die von den USA versprochenen Raketen könnten den ukrainischen Truppen helfen, russische Artillerie zu bekämpfen und russische Stellungen in den umkämpften Städten auszuschalten. Die Waffen können jedoch nicht sofort eingesetzt werden. Denn die ukrainischen Truppen müssen zunächst an den neuen Systemen ausgebildet werden, was bis zu zwei Wochen dauern kann.

Die Kämpfe in der ukrainischen Stadt Sewerodonezk haben sich in den letzten Tagen verschärft. Russische Truppen sind Berichten zufolge schon bis ins Stadtzentrum vorgerückt. Der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Haidai, sagte, dass die eindringenden Truppen den größten Teil der wichtigen Stadt eingenommen hätten.

Die Einnahme von Sewerodonezk gilt nach der Eroberung der Hafenstadt Mariupol und der gesamten Provinz Luhansk als ein weiterer entscheidender Schritt Moskaus zur Erreichung seines Ziels, die Region Donbass vollständig zu "befreien". Bürgermeister Oleksandr Striuk sagte, dass etwa 60 Prozent der Stadt zerstört seien. Etwa 13.000 Zivilisten befinden sich noch in der Stadt, in der einst mehr als 100.000 Menschen lebten.

Der erneute Vorstoß des Weißen Hauses zur Entsendung von Mittelstreckenraketen scheint darauf abzuzielen, die russischen Gewinne im Donbass aufzuhalten. Die Biden-Regierung hatte letzte Woche erklärt, dass sie die Entsendung von Langstreckenraketen ablehnt, da sie eine rasche Eskalation mit Russland befürchtet, nachdem der Kreml die Lieferung solcher Waffen zur "roten Linie" erklärt hatte.

In seinem Kommentar für die New York Times vom Dienstag, wo US-Präsident Biden den Amerikanern und der Welt die Strategie seines Landes in der Ukraine erklärte, betonte er, dass er nicht glaube, dass Russland beabsichtige, Atomwaffen einzusetzen. "Ich weiß, dass viele Menschen auf der ganzen Welt über den Einsatz von Atomwaffen besorgt sind", schreibt er. Und weiter:

"Wir sehen derzeit keine Anzeichen dafür, dass Russland die Absicht hat, in der Ukraine Atomwaffen einzusetzen, auch wenn die gelegentliche Rhetorik Russlands, mit dem nuklearen Säbel zu rasseln, an sich schon gefährlich und äußerst unverantwortlich ist. Lassen Sie es mich klar sagen: Jeder Einsatz von Atomwaffen in diesem Konflikt, egal in welchem Ausmaß, wäre für uns und den Rest der Welt völlig inakzeptabel und würde schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lynk & Co 02 im Marktcheck: Wie überzeugend ist das Gesamtpaket?
23.03.2026

Kompakte Elektroautos im Bereich um 35.000 Euro stehen zunehmend im Fokus von Herstellern und Käufern, da Förderung, Ausstattung und...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rally bleibt aus – trotz Iran-Krieg: Schweizer Privatbank Julius Bär erklärt die Gründe
23.03.2026

Der Goldpreis reagiert trotz des Iran-Kriegs, steigender Energiepreise und wachsender Inflationssorgen ungewöhnlich verhalten und bleibt...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Räte warnen vor Inflation – steigen die Leitzinsen bald wieder?
22.03.2026

Unsichere Märkte, steigende Inflation und wachsende Risiken: Die EZB-Leitzinsen rücken erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Mehrere...

DWN
Politik
Politik Spritpreise in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
22.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Goldpreis reagiert kaum auf den Iran-Krieg: Warum der Anstieg ausbleibt
22.03.2026

Der Goldpreis reagiert trotz Iran-Krieg und steigender Spannungen im Nahen Osten bislang überraschend verhalten. Welche Faktoren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg verändert Anlagestrategien: Investoren trennen sich von Tech-Aktien
22.03.2026

Der Iran-Krieg und der Ölpreisschock bringen die bisherige Dominanz von KI-Investments ins Wanken und verschieben die Kapitalströme in...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögen aufbauen: Warum Investoren eine Anlagestrategie und Mut brauchen
22.03.2026

Deutschland klammert sich an ein Sicherheitsgefühl, das ökonomisch nicht mehr trägt. Während die nominalen Geldvermögen Rekorde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Risiko für die Weltwirtschaft: Wie Energie, KI und Schulden zur globalen Bedrohung werden
22.03.2026

Mehrere globale Risiken bauen sich gleichzeitig auf: Geopolitische Krisen verursachen steigende Energiepreise, Finanzmärkte geraten unter...