Finanzen

Währung crasht: Pakistan steuert auf schwere Wirtschaftskrise zu

In Pakistan bahnt sich eine schwere Wirtschaftskrise an. Kippt nach dem benachbarten Sri Lanka der zweite Dominostein in der Region?
26.07.2022 09:50
Aktualisiert: 26.07.2022 09:50
Lesezeit: 3 min

In Pakistan bahnt sich eine schwere politische und wirtschaftliche Krise an. Beobachtern zufolge dürfte auch ein durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) in der vergangenen Woche vergebener Not-Kredit in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar daran nichts ändern, berichtet die Financial Times.

Infolge des Notkredites erhöht sich das Volumen des 2019 beschlossenen Kredit-Pakets des IWF für Pakistan von ursprünglich 6 auf über 7 Milliarden Dollar.

Für die Gewährung dieser Kredite fordert der IWF jedoch Gegenleistungen, die nun massive gesellschaftliche Probleme in Pakistan ausgelöst haben. So musste die Regierung bestehende Subventionen für Treibstoff und andere Energieträger abschaffen, was zu einer sprunghaften Verteuerung führte. Diese treibt nun die ärmeren Bevölkerungsschichten auf die Straße.

Der zunehmende Unmut ist politisch bedeutsam, weil erst im April der langjährige Präsident Imran Khan abgesetzt wurde und seitdem an einem Comeback arbeitet. Am Sonntag konnte Khans Partei im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Punjab einen Sieg erringen.

Rupie sackt ab

Infolge der Krise hat die pakistanische Rupie einen Allzeit-Tiefstand beim Wechselkurs zum Dollar markiert. 229 Rupien hatten am Montag nur noch den Wert von einem Dollar, wie Daten der Zentralbank zeigen. Der dazugehörige Kurseinbruch von 7,6 Prozent war der stärkste seit Oktober 1998.

Die Kurse pakistanischer Staatsanleihen sanken in den vergangenen Wochen ebenfalls deutlich.

Pakistans Zentralbank hatte den Leitzins vor einigen Tagen deutlich um 125 Basispunkte auf jetzt 15 Prozent angehoben, um der Kapitalflucht ausländischer Investoren entgegenzuwirken. Offiziellen Angaben zufolge beträgt die Geldentwertung derzeit 21 Prozent.

Die US-Ratingagentur Fitch stufte den Ausblick zur Bonität des Landes kürzlich auf „negativ“ herab und gab als Grund eine „signifikante Verschlechterung von Pakistans Liquiditätsposition und Finanzierungsbedingungen“ an. Fitch zufolge seien die Devisenreserven des südasiatischen Landes im Juni auf rund 10 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen, nachdem sie im Juni des Vorjahres noch um 16 Milliarden Dollar gelegen hätten.

Sri Lanka kämpft mit Unruhen

Pakistan ist das zweite Land in der Region, das vor ernsten Problemen steht. In Sri Lanka hatte ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften am vergangenen Freitag das wichtigste Protestlager von Regierungsgegnern beim Präsidentenbüro gestürmt und aufgelöst. Beim Einsatz von rund 1000 Polizisten und Soldaten wurden nach Polizeiangeben neun Menschen festgenommen und später auf Kaution wieder freigelassen. 14 verletzte Protestler seien nach der Razzia in das National Hospital eingeliefert worden, sagte ein Sprecher.

Der Protest der Menschen richtet sich unter anderem gegen den neuen Präsidenten Ranil Wickremesinghe, der wenige Stunden zuvor vereidigt wurde. Sie sehen in ihm einen Vertreter der Machtelite um den nach beispiellosen Massenprotesten ins Ausland geflüchteten Ex-Präsidenten Gotabaya Rajapaksa. Sri Lanka steckt in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise, für die Menschen ein Missmanagement der politischen Führung verantwortlich machen.

Als neuer Regierungschef wurde am Freitag das langjährige Mitglied der Regierungspartei, Dinesh Gunawardena, gemeinsam mit 17 Ministern vereidigt. Der 73-jährige Gunawardena war zuvor vom neuen Präsidenten ernannt worden. Auch der neue Premier gilt als langjähriger loyaler Anhänger des geflüchteten Ex-Präsidenten.

Zum Zeitpunkt der Razzia waren nach Polizeiangaben rund 200 Menschen anwesend. Einsatzkräfte rissen Zelte und Banner beim Präsidentenbüro nieder und errichteten Barrikaden. Einige Protestler versammelten sich rund 100 Meter weiter weg vom Hauptprotestort. «Wir werden in der Gegend bleiben, wo wir kampieren», sagte Protester Senadhi Guruge der Deutschen Presse-Agentur. Am Freitag demonstrierten zudem nach Polizeiangaben rund 400 Menschen in der Hauptstadt.

Das gewaltsame Vorgehen gegen die Protestierenden könnte Verhandlungen des stark verschuldeten Landes mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) beeinträchtigen. Sri Lanka hat angesichts der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten auch beim IWF um Kredite gebeten.

Der Inselstaat südlich von Indien mit seinen etwa 22 Millionen Einwohnern galt einst als neues Singapur, als aufstrebendes Land mit einer wachsenden Mittelklasse. Inzwischen müssen die Menschen tagelang bei Tankstellen anstehen, um Benzin oder Diesel zu erhalten. Regelmäßig fällt der Strom aus. Gas zum Kochen und Medikamente fehlen, die Lebensmittelpreise sind stark gestiegen. Dem stark verschuldeten Land fehlt das Geld, um wichtige Güter zu importieren. Wegen des Treibstoffmangels und dadurch Transportproblemen waren zuletzt auch viele Schulen und Büros geschlossen.

Die Gründe für die Krise sind vielfältig: Misswirtschaft und Korruption spielen eine Rolle, aber auch die Folgen der Corona-Pandemie, die vor allem den wichtigen Tourismus-Sektor hart getroffen haben. Ein striktes Düngemittel-Verbot hat zudem dazu geführt, dass die Nahrungsmittelproduktion einbrach.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Verteidigungstechnik: Deutsches Drohnenunternehmen steigt bei HEVI Optronics ein
12.03.2026

Ein deutsches Drohnenunternehmen steigt beim estnischen Sensorhersteller HEVI Optronics ein und übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung....

DWN
Politik
Politik Konflikt im Persischen Golf: Trump ruft zur Nutzung der Straße von Hormus auf
12.03.2026

US-Präsident Donald Trump sieht die USA im Konflikt mit dem Iran militärisch im Vorteil und fordert Ölfirmen auf, die Straße von Hormus...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie in der Krise: Warum 2026 wieder besser werden könnte
12.03.2026

Die Gewinne brechen ein, die Unsicherheit wächst – doch die deutsche Autoindustrie setzt auf eine Wende. Warum Experten ausgerechnet...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zalando: Schließung in Erfurt überschattet starkes Wachstum
12.03.2026

Zalando meldet starkes Wachstum, steigende Umsätze und Fortschritte bei KI. Doch die Schließung des großen Logistikstandorts in Erfurt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo: Ölreserven halten nur drei Monate
12.03.2026

Die strategischen Ölreserven der Welt könnten schneller aufgebraucht sein als gedacht. Ifo-Chef Clemens Fuest warnt vor Knappheit,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fünf Warnsignale für Unternehmen: Woran lässt sich schwaches Management erkennen?
12.03.2026

Viele Unternehmen wirken nach außen stabil, obwohl sich intern bereits Schwächen in Strategie, Entscheidungsprozessen und Organisation...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Logistikverbände schlagen Alarm: Hohe Spritpreise sind nicht zu verkraften - staatliche Entlastung ist notwendig
12.03.2026

Deutsche Logistikverbände ⁠schlagen wegen der kriegsbedingt gestiegenen Kraftstoffpreise Alarm. In einem Appell fordern sie von der...

DWN
Panorama
Panorama Künstliche Intelligenz in der Medizin: Wie zuverlässig sind KI-Diagnosen wirklich?
12.03.2026

Künstliche Intelligenz gewinnt auch im Gesundheitsbereich zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Menschen wenden sich bei Beschwerden...