Politik

Machtwechsel: Schweden wählen linke Regierung wegen Verbrechenswelle ab

In Schweden hat sich ein politischer Machtwechsel ereignet. Offenbar hat eine Häufung schwerer Verbrechen im Land den Umschwung bewirkt.
15.09.2022 09:00
Aktualisiert: 15.09.2022 09:47
Lesezeit: 1 min

In Schweden kommt es zu einem Machtwechsel an der Regierung. Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Magdalena Andersson tritt nach der Niederlage bei den Parlamentswahlen zurück und überlässt der rechten Opposition das Feld. Das oppositionelle Rechtsbündnis habe die Abstimmung gewonnen, räumte Andersson am Mittwochabend bei einer Pressekonferenz ein. „Das ist eine dünne Mehrheit, aber es ist eine Mehrheit“, fügte sie hinzu. Sie werde deshalb am Donnerstag ihren Rücktritt als Ministerpräsidentin einreichen. Es sei wichtig, dass das nordische Land so schnell wie möglich eine neue Regierung bekomme. Oppositionsführer Ulf Kristersson erklärte kurz nach dem Rücktritt von Andersson, eine Regierung bilden zu wollen.

Drei Tage nach der Parlamentswahl und nach Auszählung fast aller Stimmen lag das rechte Lager aus Moderaten, Schwedendemokraten, Christdemokraten und Liberalen mit 176 Mandaten vor dem bislang regierenden linken Block (173 Mandate) mit der sozialdemokratischen Regierungschefin Andersson. Damit liegt eine Regierungsbeteiligung für die Schwedendemokraten erstmals in greifbarer Nähe. Die Partei unter ihrem Vorsitzenden Jimmie Akesson ist zweitstärkste Kraft hinter den Sozialdemokraten geworden.

Obwohl die Schwedendemokraten bei der Parlamentswahl mehr Stimmen als die Moderaten erhielten, gilt deren Kandidat Kristersson als wahrscheinlicher neuer Regierungschef, sollte sich das rechte Lager auf eine Partnerschaft verständigen. Die anderen Mitglieder des potenziellen Bündnisses haben bereits erklärt, Akesson nicht zum Regierungschef zu wählen. Damit zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab. Liberale und Schwedendemokraten vertreten in vielen Bereichen gegensätzliche Standpunkte. Akesson hat versprochen, der neuen Regierung seinen Stempel aufzudrücken.

Bandenkriminalität in Schweden eskaliert

Der Wahlkampf war auch von Bandenkriminalität bestimmt, die in Schweden in den vergangenen Jahren zu einem großen Problem geworden ist. Diese Themen wurden von den Schwedendemokraten forciert, die eine der Ursachen der Kriminalität in dem Zuzug von Migranten sehen. Der Chef der Schwedendemokraten will deswegen die härtesten Einwanderungs-Regeln Europas in seinem Land einführen.

Lesen Sie dazu: Anschlags-Serie reißt nicht ab: In Schweden gehen schon wieder Sprengladungen hoch

Auch die beiden Spitzenkandidaten diskutierten immer wieder darüber. In keinem anderen Land in Europa habe sich eine solche Gang-Kriminalität entwickelt wie in Schweden, sagte Kristersson, während Andersson von einer „schwedischen Epidemie“ sprach.

Neben den innenpolitischen Schwierigkeiten steht Schweden derzeit auch vor großen außenpolitischen Herausforderungen. In Folge des Ukraine-Krieges will das Land seine über Jahrzehnte gepflegte Neutralität aufgeben und Mitglied der Nato werden. Zudem sucht das nordische Land nach Auswegen aus der Energiekrise und der steigenden Inflation.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Irans Drohungen setzen Ölpreis-Entwicklung unter Druck
04.03.2026

Die Drohungen der iranischen Revolutionsgarde erhöhen den Druck auf eine der wichtigsten Energierouten der Welt und treiben die Spannungen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lithium-Boom inmitten von Deutschland: Warum Mitteldeutschland zum Lithium-Produzenten werden könnte
04.03.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für Zukunftstechnologien. Noch bezieht die EU das „weiße Gold“ teuer...

DWN
Politik
Politik Macron stößt EU-Debatte an: Frankreich drängt auf stärkere nukleare Abschreckung
04.03.2026

Frankreich stößt eine Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung an und wirbt bei NATO-Staaten für ein erweitertes...

DWN
Politik
Politik Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?
04.03.2026

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei muss das iranische Machtgefüge klären, wer ihm nachfolgt. Doch in Kriegszeiten wird auch die Wahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Noch mehr Bürokratie? EU-Kommission will „Made in Europe“ - Vorgabe für öffentliche Aufträge
04.03.2026

Die Europäische Union muss ihre CO2-Emissionen senken und will ihre Industrie erhalten. Ist die Lösung, europäisch zu kaufen? Kritik...

DWN
Finanzen
Finanzen Ernährungsindustrie warnt: Iran-Krieg könnte Lebensmittelpreise erhöhen
04.03.2026

Die Folgen des Iran-Kriegs sind für Verbraucher in Deutschland zu spüren - etwa beim Tanken. Ist mit weiteren Auswirkungen zu rechnen?

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsministerin Reiche: keine Spritpreisbremse - Öl und Gas nicht knapp
04.03.2026

Der Iran-Krieg lässt Öl-, Benzin- und Gaspreise steigen - doch Energiemangel droht in Deutschland nach Angaben der Wirtschaftsministerin...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenturbulenzen: Wie Anleger klug reagieren – 5 konkrete Tipps für einen Börsencrash
04.03.2026

Sinkende Kurse, rote Zahlen im Depot und ständig neue Marktmeldungen: In unsicheren Börsenzeiten verlieren viele Anleger schnell die...