Unternehmen

Energiekrise: Einzelhändler in Existenznot

Die anhaltenden Energiekosten und die Lieferkettenprobleme bedrohen weiter die wirtschaftliche Existenz der Einzelhändler. Hinzu kommen die Ängste um das Weihnachtsgeschäft.
Autor
21.09.2022 13:00
Lesezeit: 2 min
Energiekrise: Einzelhändler in Existenznot
Viele deutsche Einzelhändler stehen aufgrund der hohen Energiepreise kurz vor der Aufgabe. (Foto: dpa) Foto: Bernd Weissbrod

Kurz vor dem Aus: Die Energiekosten im Einzelhandel sind seit Jahresbeginn durchschnittlich um knapp 150 Prozent gestiegen. Damit kämpft rund die Hälfte der deutschen Handelsunternehmen um seine wirtschaftliche Existenz. Das geht zumindest aus einer aktuellen Umfrage des Handelsverbandes (HDE) unter 900 Unternehmen aus allen Branchen und Größenklassen hervor.

Dabei betont Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, dass viele Handelsunternehmen keinen Ausweg mehr sehen. „Einerseits steigen die Energiepreise enorm, anderseits können die meisten die Kosten aufgrund des harten Wettbewerbs nicht einfach an die Kundinnen und Kunden weitergeben.“

Nur rund 14 Prozent der Befragten haben angegeben, steigende Energiekosten teilweise oder ganz auf die Verbraucherpreise aufzuschlagen. Rund 22 Prozent der Einzelhändler hingegen haben Angst, kurzfristig, sprich in den kommenden zwölf Monaten, ihr Geschäft aufgeben zu müssen.

Mit ein Grund neben den hohen Energiekosten sind die zwei Coronajahre, in denen viele Einzelhändler ihre finanziellen Rücklagen aufgebraucht haben. Erschwerend kommt hinzu, dass der HDE für das zweite Halbjahr für den Einzelhandel insgesamt mit einem realen durchschnittlichen Umsatzrückgang von fünf Prozent zum Vorjahr ausgeht. In einzelnen Branchen, wie etwa dem innerstädtischen Nonfoodhandel liegt der Umsatz jedoch immer noch um bis zu 20 Prozent unter dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019.

Genth bemängelt, dass der Einzelhandel beim dritten Entlastungspaket nicht berücksichtigt und trotz einer der größten deutschen Energienutzer nicht als energieintensiv eingestuft werde.

Zudem macht sich der Einzelhandel aufgrund der anhaltenden Lieferprobleme große Sorgen um das Weihnachtsgeschäft. So klagten noch im August 77,5 Prozent der Einzelhändler über entsprechende Engpässe. „Im Moment sieht es überhaupt nicht danach aus, dass sich die Probleme in der Vorweihnachtszeit entspannen werden“, sagt der Leider der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.

Besonders angespannt ist dabei die Lage bei den Fahrradhändlern, bei den Händlern von Haushaltsgeräten und der Unterhaltungselektronik. So berichten rund 95 Prozent von ihnen über Lieferprobleme. Ein bisschen entspannter sieht es in der Bekleidungsbranche sowie in der Computer und Softwarebranche aus. Dort beklagen sich nur rund 54 beziehungsweise 66 Prozent über Lieferengpässe. Allerdings: „Nicht nur die Lieferengpässe drücken auf die Stimmung im Einzelhandel, auch die hohen Inflationsraten dämpfen die Einkaufslust der Kunden,“ so Wohlrabe.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

 

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Panorama
Panorama Netanjahu trifft Orban in Budapest - erster Besuch in Europa trotz Haftbefehl
03.04.2025

Viktor Orban ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat – und heißt ihn in...

DWN
Politik
Politik Russlands Verzögerung der Verhandlungen könnte auch der Ukraine nützen
03.04.2025

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe oder Friedenslösung ziehen sich weiter hin. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: DAX-Kurs fällt nach Trumps Zollankündigung - wie sollten Anleger reagieren?
03.04.2025

Die erneute Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Aktienmärkte stark unter Druck gesetzt. Der DAX-Kurs...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ostdeutsche Textilbranche kämpft mit Umsatzeinbußen – trotz erfolgreichen Neustart
03.04.2025

Sachsen und Thüringen zählen noch zu den größten Textilstandorten bundesweit. Doch die ostdeutsche Textilbranche hat erheblich zu...

DWN
Politik
Politik Trump Strafzölle: Warum fehlt Russland auf Trumps Zölle-Liste?
03.04.2025

Die von US-Präsident Donald Trump verkündeten Strafzölle treffen eine Liste von 185 Handelspartnern – Russland fehlt darauf, im...

DWN
Panorama
Panorama April 2025: Lohn, Pakete, Elterngeld - die wichtigsten Änderungen
03.04.2025

Beschäftigte im Bau erhalten mehr Lohn, Pakete werden teurer und auch im neuen Bundestag steht einiges an. Der neue Monat bringt zudem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DGB-Studie: Chinesische Investoren auf Rückzug in Europa
03.04.2025

Eine Analyse der SPD-nahen Hans-Böckler-Stiftung vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) analysiert, dass die Firmen-Mitbestimmung nach...

DWN
Panorama
Panorama Marode Infrastruktur: Deutschlands bröckelnde Brücken - Geld allein reicht nicht
03.04.2025

500 Milliarden aus dem Schuldenpaket von Union und SPD sollen in die marode Infrastruktur fließen: Brücken, Schienen und Straßen – oft...