Finanzen

Türkische Zentralbank verschärft Krise der Lira

Die jüngste Entscheidung der türkischen Notenbank dürfte dazu führen, dass Währungskrise und galoppierende Inflation im Land Fahrt aufnehmen.
23.09.2022 10:00
Aktualisiert: 23.09.2022 10:24
Lesezeit: 1 min

Die türkische Notenbank hat ihren Leitzins trotz der sehr hohen Inflation erneut gesenkt. Der Leitzins werde um 1,0 Prozentpunkte auf 12,0 Prozent reduziert, teilte die Zentralbank am Donnerstag in Ankara mit. Bereits im August hatte die Notenbank ihren Leitzins um 1,0 Prozentpunkte reduziert. Im vergangenen Jahr hatte sie mehrfach die Zinsen gesenkt.

Die Inflation hatte im August bei 80,2 Prozent gelegen. Dies war der höchste Stand seit 24 Jahren. Eigentlich wären nach ökonomischer Lehrmeinung also deutliche Zinserhöhungen angesagt. Schließlich strebt die Notenbank eine Inflationsrate von fünf Prozent an. Allerdings ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein Gegner hoher Zinsen. Er hat immer wieder Druck auf die Notenbank ausgeübt und mehrere Zentralbank-Gouverneure in der Vergangenheit gefeuert.

Die Notenbank begründete die Zinssenkung mit einer nachlassenden Wirtschaftsaktivität aufgrund einer sich abschwächenden Auslandsnachfrage. Die Entscheidung kam überraschend, da die Notenbank im August den Zins als „beim gegenwärtigen Ausblick angemessen“ bezeichnet hatte. Beobachter gehen davon aus, dass hier auch schon die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr eine Rolle spielen. Erdogan erhofft sich so eine Stützung der Konjunktur, die sich in den vergangenen Monaten etwas abgekühlt hatte.

Die türkische Lira gab nach der Entscheidung nach. Sie steht angesichts der sehr lockeren Geldpolitik schon seit längerem unter Druck. Gegenüber dem US-Dollar ist sie gegenwärtig so schwach wie noch nie. In der Spitze erreichte der Dollar einen Rekordstand von 18,40 Lira. Auch im Vergleich zu anderen Währungen von Schwellenländern präsentiert sich die türkische Lira schwach. Schließlich erhöhen im Kampf gegen die Inflation viele Notenbanken ihre Leitzinsen. Dies verstärkt den Druck auf die Lira.

Die schwache Lira verteuert die Importpreise und treibt die Inflation zusätzlich an. Hinzu kommen Probleme in den internationalen Lieferketten, die Vorprodukte teurer machen. Der Krieg in der Ukraine hat die Preise für Energie und Lebensmittel zudem verteuert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Temu und Shein werden teurer: EU kassiert ab November zusätzlich
20.10.2026

Ein paar günstige Produkte aus China bestellen und dabei kräftig sparen? Das könnte sich für deutsche Verbraucher bald weniger lohnen....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SanDisk und Micron führen Erholung der Chipaktien an, während Großbanken nachgeben
19.10.2026

Verfolgen Sie die entscheidenden Entwicklungen an der Wall Street und entdecken Sie, welche Sektoren die Märkte am Montag bewegten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Traditionsunternehmen Miele: Mittelständler mit Milliarden-Umsatz - Chef stirbt im Alter von 98 Jahren
19.10.2026

Als Hersteller für Haus- und Gewerbegeräte ist Miele weltweit bekannt. In Westfalen wurde das Traditionsunternehmen 1899 gegründet. Als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bald treffen die Giganten aufeinander: Die Wette auf Indien könnte lukrativer sein als die auf China
19.10.2026

Wenn nur zehn Prozent der Inder, die heute kein Auto besitzen, in den kommenden Jahrzehnten Eigentümer eines Neuwagens würden, sprächen...

DWN
Politik
Politik Steuerzinsen 2027: Nachzahlungen sollen doppelt verzinst werden
19.10.2026

100.000 Euro Steuernachzahlung, zwei volle Zinsjahre: Heute können daraus 3.600 Euro Zinsen werden. Unter dem geplanten neuen Satz wären...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW ID. Buzz im Test: Übernachten im Elektroauto wird zum Geduldsspiel
19.10.2026

Im Elektroauto schlafen, morgens Kaffee kochen und dabei unabhängig vom Campingplatz bleiben. Der neue Campingmodus des VW ID. Buzz soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Was wäre, wenn ich statt des S&P 500 einfach seine Mutter kaufen würde?
19.10.2026

Ohne das Unternehmen S&P Global könnten die Finanzmärkte nur schwer funktionieren. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr jedoch auf ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und Co.: Sparkassen starten schrittweise Kryptohandel
19.10.2026

Der Wettbewerb im Kryptohandel nimmt zu: Nun wollen auch die Sparkassen mit einem eigenen Angebot Privatkunden ansprechen. Sie rollen...