Politik

Trotz Russland-Nähe: Merkel erhält UN-Preis und 150.000 Dollar

Das UN-Flüchtlingshilfswerk hat die Rolle von Angela Merkel während der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 mit dem Nansen-Preis und 150.000 Dollar geehrt.
04.10.2022 13:05
Aktualisiert: 04.10.2022 13:05
Lesezeit: 1 min

Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel wird mit dem renommierten Nansen-Preis des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) ausgezeichnet. Die Organisation würdigt damit Merkels Rolle auf dem Höhepunkt der syrischen Flüchtlingskrise, wie sie am Dienstag in Genf mitteilte. Deutschland habe unter der Führung Merkels 2015 und 2016 mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende aufgenommen. Sie sei die treibende Kraft gewesen, um Geflüchteten in Deutschland mit Ausbildungen und Arbeitsangeboten bei der Integration zu helfen.

„Angela Merkel hat großen moralischen und politischen Mut bewiesen, indem sie mehr als einer Million Flüchtlingen beim Überleben und Wiederaufbau geholfen hat“, teilte der Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, mit. Sie sei gegen diejenigen standhaft geblieben, die Angst verbreiten wollten. „Sie hat gezeigt, was erreicht werden kann, wenn Politiker richtig handeln und daran arbeiten, Lösungen für die Herausforderungen der Welt zu finden, statt die Verantwortung einfach an andere weiterzureichen“, zitierte das UNHCR Grandi.

Der Preis ist mit 150.000 Dollar dotiert. Merkel werde ihn am 10. Oktober in Genf persönlich entgegennehmen, sagte UNHCR-Sprecher Matthew Saltmarsh. Spekulationen, dass die Ex-Bundeskanzlerin beim UNHCR eine Rolle übernehmen könnte, erteilte er eine Absage. Es gebe keine dahingehenden Gespräche.

Der Nansen-Preis gilt als höchste Auszeichnung des UNHCR, das sich seit mehr als 70 Jahren um die Nöte von Flüchtenden kümmert. Er geht an Menschen, die sich in besonderem Maße um das Wohl von Flüchtenden verdient gemacht haben.

Der Preis ist benannt nach dem norwegischen Forscher und Diplomaten Fridtjof Nansen. Er war beim Vorläufer der Vereinten Nationen, dem Völkerbund, von 1920 bis 1930 erster Hochkommissar für Flüchtlinge. Nansen hatte 1922 deshalb den Friedensnobelpreis erhalten.

Im vergangenen Jahr ging der Nansen-Preis an eine Hilfsorganisation im Jemen, Jeel Albena Association for Humanitarian Development (JAAHD), die Notunterkünfte für zehntausende Konfliktopfer gebaut hat. 2020 wurde die kolumbianische Lehrerin Mayerlín Vergara Pérez ausgezeichnet, die seit Jahren für das Recht auf Bildung von Flüchtlingskindern kämpft.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Das Thema Datenschutz ist als Verkaufsargument erneut in den Fokus gerückt

Nicht nur im Bankwesen oder in den sozialen Medien spielt der Datenschutz bei alltäglichen Kaufentscheidungen eine wichtige Rolle. Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street feiert Comeback, da Sorgen um Waffenruhe durch Israel-Libanon-Gespräche gelindert wurden
09.04.2026

Nach anfänglichen Turbulenzen drehen die Kurse plötzlich ins Plus – was hinter der Erleichterung der Anleger steckt und welche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation steigt kurzfristig: IWF warnt vor Risiken für Märkte
09.04.2026

Der Iran-Krieg drückt auf das globale Wachstum und treibt die Preise. Selbst das optimistischste Szenario des IWF sieht jetzt eine...

DWN
Politik
Politik Waffenruhe im Golf: Straße von Hormus weiterhin eingeschränkt
09.04.2026

Die Waffenruhe im Golf sorgt weiterhin für Unsicherheit auf zentralen Handelsrouten und belastet Reedereien sowie Energiemärkte. Warum...

DWN
Politik
Politik 5 Prozent Inflation: Trotz Waffenstillstand droht erheblicher Kaufkraftverlust
09.04.2026

Es ist laut IEA die "schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit" – und die Inflation zieht bereits spürbar an. Experten warnen vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Firmenpleiten auf höchstem Stand seit mehr als 20 Jahren
09.04.2026

Mehr als 4.500 Firmen meldeten im ersten Quartal Insolvenz an – so viele wie seit 2005 nicht mehr. Besonders stark betroffen sind...

DWN
Politik
Politik Nach Waffenruhe: Wie ist der Stand in der Straße von Hormus?
09.04.2026

Der Iran will Maut verlangen. Was ist erlaubt, und wer könnte die Passage sichern? Antworten auf zentrale Fragen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise fallen kaum: Ölpreis stürzt, Zapfsäule bremst
09.04.2026

Der Ölpreis bricht ein – doch an der Zapfsäule kommt davon kaum etwas an. Jetzt wächst der Druck auf Konzerne und Politik, die Preise...

DWN
Politik
Politik Streit um Rundfunkbeitrag: VGH prüft Programmvielfalt
09.04.2026

Neun Kläger vor dem VGH Baden-Württemberg weigern sich, den Rundfunkbeitrag zu zahlen. Sie bezweifeln die Ausgewogenheit der...