Wirtschaft

EU bleibt größter Abnehmer russischer Energie

Die EU ist nach wie vor der größte Importeur russischer fossiler Brennstoffe. Seit Kriegsbeginn haben die Energie-Importe aus Russland nun sogar die Marke von 100 Milliarden Euro durchbrochen.
Autor
08.10.2022 12:26
Aktualisiert: 08.10.2022 12:26
Lesezeit: 2 min
EU bleibt größter Abnehmer russischer Energie
Russlands Präsident Wladimir Putin, im Bild am Freitag in St. Petersburg, nimmt mit Energie weiterhin extreme Summen in der EU ein. (Foto: dpa) Foto: Alexei Danichev

Die EU-Länder haben seit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar Kohle, Öl und Gas im Wert von mehr als 100 Milliarden Euro aus Russland importiert. Zwar lagen die Gasimporte aus Russland im ersten Halbjahr viel niedriger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, doch aufgrund der in die Höhe geschnellten Preise mussten EU-Staaten dafür insgesamt trotzdem so viel wie zuvor, berichtet das Centre for Research on Energy and Clean Air (Crea).

Im ersten Halbjahr ist der gesamte Gasverbrauch in der EU im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 11 Prozent zurückgegangen. Dieser Rückgang wurde jedoch durch einen Anstieg der Verwendung von Erdölprodukten um 8 Prozent, von Steinkohle um 7 Prozent und von Braunkohle um 12 Prozent ausgeglichen, wie aus den Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. In der Folge dürften die CO2-Emissionen in der EU in der ersten Jahreshälfte um etwa 2 Prozent gestiegen sein, schätzt Crea.

Weltweit ist die Kohle- und Gaserzeugung im Juli und August angestiegen, da Trockenheit und Hitze die Stromnachfrage in die Höhe trieben, so der Think-Tank Ember. „Wir können nicht sicher sein, ob wir den Höhepunkt von Kohle und Gas im Energiesektor erreicht haben. Die weltweiten Emissionen des Stromsektors erreichen immer noch neue Höchststände, obwohl sie sehr schnell sinken müssten. Und dieselben fossilen Brennstoffe, die uns in eine Klimakrise treiben, verursachen auch die globale Energiekrise“, zitiert die Financial Times Małgorzata Wiatros-Motyka, Senior Electricity Analyst bei Ember.

Die EU ist nach wie vor der größte Importeur fossiler Brennstoffe aus Russland, auch wenn sich die Gesamtmenge seit Beginn des Ukraine-Kriegs halbiert hat. Der 100-Milliarden-Euro-Meilenstein verdeutlicht, wie Moskau weiterhin Einnahmen aus jenen Ländern bezieht, die es eigentlich zu isolieren versuchen. Während die Gasimporte der EU deutlich zurückgegangen sind und die Kohleimporte seit Inkrafttreten der Sanktionen im August eingestellt wurden, schätzt Crea, dass die EU weiterhin russische fossile Brennstoffe im Wert von rund 260 Millionen Euro pro Tag einführt.

„Während die Preise gedeckelt und die Einfuhren aus Russland begrenzt werden, ist es für die europäischen Länder unerlässlich, den Wechsel von fossilen Brennstoffen zu sauberer Energie zu beschleunigen. Dieses Jahr hat gezeigt, dass die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen eine grundlegende Schwachstelle für die nationale Sicherheit und die Wirtschaft darstellt“, sagt Lauri Myllyvirta, leitender Analyst bei Crea.

Zudem haben die massiven Ölkäufe durch Indien und China den Rückgang der russischen Lieferungen nach Europa größtenteils kompensiert, wie eine aktuelle Analyse verfügbarer Daten durch die Financial Times zeigt, wobei der größte Mengenzuwachs aus Indien kam. Und die russischen Kohleexporte haben etwa die Hälfte des Verlustes auf dem EU-Markt wieder aufgeholt, da nun die Türkei und Indien mehr russische Kohle importieren. Vor dem Krieg importierte Indien so gut wie gar keine fossilen Brennstoffe aus Russland.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Steuererhöhungen 2027: Steuer auf Spirituosen steigt um 20 Prozent - Zuckersteuer kommt auch
06.07.2026

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen zum 1. Januar 2027 höher besteuert werden. "Was krank macht, wird teurer" - Finanzminister...

DWN
Politik
Politik Haushalt 2027: Klingbeil plant 200 Milliarden Euro neue Schulden für Deutschland
06.07.2026

Mehr Milliarden vor allem für Verteidigung, höhere Schulden - das prägt den Haushaltsentwurf von Finanzminister Klingbeil für...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Inflation: Warum der KI-Boom Ihr Erspartes entwerten könnte
06.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Wirtschaft produktiver machen, Prozesse beschleunigen und Wohlstand schaffen. Doch bevor dieser Effekt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische ChatGPT-Alternative: Warum ein 79-jähriger Unternehmer Big Tech herausfordert
06.07.2026

Ein dänischer Unternehmer und ein selbst ernannter KI-Guru wollen zeigen, dass Europa nicht länger auf amerikanische Tech-Giganten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Billiganbieter: Temu, Shein und Co. steigern Marktanteil auf Rekordwert
06.07.2026

Die Verbraucher in Deutschland geben online immer mehr Geld bei Shoppingplattformen wie Temu oder Shein aus. Während die asiatischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau bei Porsche: Konzern streicht weitere 4.000 Jobs
06.07.2026

Wegen der Absatzkrise fallen beim Sportwagenhersteller Porsche bereits mehr als 4.000 Stellen weg. Diese Zahl könnte einem Bericht zufolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geschäftsgründung ohne Kredit: Wenn Banken nicht an die Idee glauben
06.07.2026

Ein eigenes Café klingt nach Freiheit, Stil und Selbstbestimmung. Für Anella Veebel bedeutet es vor allem frühe Morgen, hohe Mieten und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Duale Ausbildung in der Krise: Deutschland verliert Azubis, andere Länder nicht
06.07.2026

In Deutschland gibt es heute rund ein Fünftel weniger Auszubildende als 2004. In Österreich fällt das Minus halb so stark aus, die...