Wirtschaft

Russland lässt Rezession hinter sich, Europa rutscht hinein

Die Wirtschaft in Russland lässt die Rezession hinter sich. Trotz aller Rückschläge ermöglicht die wirtschaftliche Stärke dem Land eine Fortsetzung des Krieges.
Autor
15.10.2022 16:23
Lesezeit: 2 min
Russland lässt Rezession hinter sich, Europa rutscht hinein
Russland feierte am 30. September den Anschluss von vier Regionen, hier Bilder vom Roten Platz in Moskau. Die Wirtschaft des Landes lässt die Rezession hinter sich. (Foto: dpa) Foto: Anton Novoderezhkin

Während den Bürgern und Unternehmen in Russland weiterhin billiges Gas in unbegrenzten Mengen zur Verfügung steht, quält sich Europa mit der größten Energiekrise seit vielen Jahrzehnten. Während das fehlende Gas, das fehlende Öl und der fehlende Strom Europa in eine tiefe Rezession stürzen, verbessert sich die wirtschaftliche Lage in Russland weiter.

Die Sanktionen des Westens, die im Februar als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine verhängt wurden, haben die wirtschaftlichen Aussichten Russlands durchaus beeinträchtigt. Vor allem weil dem Land der Zugang zu ausländischer Technologie verwehrt wurde, hat sich das Wachstumspotenzial des Landes Prognosen zufolge halbiert.

Die Öl- und Gasproduktion, das Lebenselixier der russischen Wirtschaft, ist um etwa 3 Prozent gesunken und könnte weiter sinken, wenn zum Jahreswechsel das EU-Embargo in Kraft tritt. In den ersten sechs Kriegsmonaten flohen bis zu 500.000 Russen aus dem Land, sagt Liam Peach vom Beratungsunternehmen Capital Economics. Viele von ihnen waren hochgebildet und gut bezahlt.

Die begonnene Teilmobilisierung hat der russischen Wirtschaft einen weiteren Schlag versetzt. Weitere rund 300.000 Russen sind wahrscheinlich geflohen, schätzt der Economist, was den Arbeitskräftemangel und die Inflation verschärft. Die Inflationsrate ist gegenüber dem Höchststand stark zurückgegangen, aber der Preisdruck im Dienstleistungssektor wird stärker.

Rezession wohl zu Ende

Doch trotz all dieser Schwierigkeiten ist die Rezession in Russland nun wahrscheinlich zu Ende. Dies ergibt sich nicht nur aus den offiziellen russischen Daten, die im Westen im Zweifel gezogen werden. Vielmehr zeigt sich das Ende der Rezession in Russland auch anhand einer Reihe anderer Quellen, die eine Einschätzung der wirtschaftlichen Aktivität ermöglichen.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs etwa berechnet fortlaufend und für viele Staaten der Welt einen entsprechenden „Indikator der laufenden Aktivität“, der Aufschluss darüber gibt, wie sich die Wirtschaft von Monat zu Monat entwickelt. Diese Daten deuten darauf hin, dass die russische Wirtschaft um einiges lebhafter ist als die der großen europäischen Länder.

Die Produktion in der Automobilindustrie, die vor einigen Monaten praktisch auf Null gesunken war, hat sich wieder erholt. Denn offenbar ist es den Herstellern gelungen, sich außerhalb des Westens zu versorgen. In Dollar ausgedrückt übersteigen die monatlichen Importe nach Russland nun sogar mit ziemlicher Sicherheit den Durchschnitt des letzten Jahres.

In seinen jüngsten Prognosen, die am 11. Oktober veröffentlicht wurden, hat der Internationale Währungsfonds die wirtschaftlichen Aussichten Russlands für dieses Jahr nach oben korrigiert. Im April ging er noch von einem Rückgang des russischen Bruttoinlandsprodukts um 8,5 Prozent aus. Jetzt rechnet der IWF mit einem Rückgang von nur 3,4 Prozent.

Ende September legte die russische Regierung einen Haushaltsentwurf für die Jahre 2023 bis 2025 vor. Laut Elina Ribakova vom Institute of International Finance, einer Industriegruppe, impliziert der Haushalt eine starke Erhöhung der Militärausgaben, insbesondere für die innere Sicherheit. Aus wirtschaftlicher und finanzieller Sicht kann sich Russland den Ukraine-Krieg also leisten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Zufall mit System: Die entscheidende Rolle von RNGs im Gaming

Viel mehr als Würfel-Glück: Erfahre, wie Zufallsgeneratoren von Slot-Klassikern bis hin zu KI-Welten für Fairness, Immersion und echten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chefs, Stress und Traurigkeit: Wie unglücklich wir bei der Arbeit sind – und welche Lösungen es gibt
09.06.2026

Viele Beschäftigte sind der Meinung, jederzeit einen neuen Job finden zu können. Trotzdem wechseln nur wenige ihren Arbeitgeber, obwohl...

DWN
Politik
Politik Irland gerät wegen Russland-Exporten unter Druck
09.06.2026

Ein irisches Werk liefert offenbar Aluminiumoxid an einen russischen Konzern, dessen Produkte laut Recherchen in der Rüstungsindustrie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entlassungswelle: Kurz und schmerzhaft – wie Kündigungen in Deutschland ablaufen
09.06.2026

Kündigungen in Deutschland nehmen stark zu und viele Arbeitnehmer trifft eine Entlassung überraschend, schnell und oft ohne Abfindung....

DWN
Technologie
Technologie Deutschland ist erstmals seit 2023 Netto-Exporteur von Strom
09.06.2026

Lange galt Deutschland als Stromimporteur, jetzt kippt die Bilanz überraschend wieder ins Plus. Vor allem die Windkraft sorgt für einen...

DWN
Finanzen
Finanzen Fußball-Weltmeisterschaft: Fünf Aktien, die von der Fußball-Euphorie profitieren könnten
09.06.2026

Und was sagen die Analysten zu diesen Aktien? Was sollte man halten, was kaufen, was verkaufen?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Immer weniger Bäckereien
09.06.2026

Mehr Bäckermeister wagen trotz eines schwierigen Umfelds den Schritt in die Selbstständigkeit. Eine Regel belastet die Handwerksbetriebe...

DWN
Finanzen
Finanzen Vistra-Aktie wird zur Stromwette auf den KI-Boom
09.06.2026

Künstliche Intelligenz frisst Strom, und plötzlich geraten Energieaktien ins Zentrum der Börsenfantasie. Die Vistra-Aktie verspricht...

DWN
Politik
Politik EU-Haushalt wird zur Kostenfalle für Deutschlands Steuerzahler
09.06.2026

Europa will mehr Verteidigung, mehr Wettbewerbsfähigkeit und mehr globalen Einfluss. Doch der neue EU-Haushalt offenbart, wie teuer diese...