Unternehmen

Online-Handel: Unternehmen zu Strategieänderung gezwungen

Die Anzahl der Unternehmen, die ihren Online-Handel kritisch beobachten, nimmt zu. Mit ein Grund ist das veränderte Verhalten der Konsumenten.
30.10.2022 08:45
Aktualisiert: 30.10.2022 08:45
Lesezeit: 2 min

Im Laufe der Corona-Pandemie ist der D2C-Bereich (Direct-to-consumer), also der Online-Handel, bei vielen Unternehmen stark angewachsen. Der direkte Kontakt mit dem Kunden war durch Lockdowns und Vorgaben der Politik stark eingeschränkt. So bauten Unternehmen auf Alternativen und setzten dabei auf den Online-Handel. Inzwischen mehrt sich jedoch die Anzahl der Unternehmen, die ihre Investition analysieren und kritisch beäugen. Ganz großes Thema ist dabei der Kostenaufwand.

Anstieg der Digital-Media-Kosten

Die aktuelle Krise, die ohnehin starke Einsparungen nach sich zieht, trifft auch die D2C-Branche. So überprüfen Hersteller laut der Lebensmittelzeitung den Nutzen ihrer eigenen Online-Shops und die D2C-Branche erlebt eine Bereinigungswelle. Der Beauty-Hersteller Cosnova stellt beispielsweise seine Make-up-Marke LOV Ende Oktober ein. Grund sind die stark gestiegenen Digital-Media-Kosten, weswegen sich das Produkt trotz hoher Produktperformance nicht längerfristig durchsetzen konnte. Die hohen Digital-Media-Kosten sind für Unternehmen oftmals die erste Möglichkeit, Gründe für das Einsparpotential zu analysieren und so ist der Online-Handel vor dem Hauptgeschäft meist zuerst betroffen.

Bülent Özdemir, Leiter des New Business Hubs bei Cosnova, erklärte gegenüber der Lebensmittelzeitung, dass das Unternehmen weiter an den Direktvertrieb glaube. Dennoch kämpfe der Online-Handel mit einem Wachstumseinbruch bei gleichzeitig steigenden Marketingkosten. Es scheint als würde es immer kostenaufwändiger über Social-Media-Kanäle neue Kunden für sich zu gewinnen. So ist in der Branche von einer Vervierfachung der Kosten die Rede. Möglicherweise haben mehrere Hersteller aus diesen Gründen ihren Fokus auf Omnichannel-Plattformen wie dem Onlineshop von dm gelegt, wie Gespräche mehrerer Unternehmen mit der Lebensmittelzeitung verdeutlichen.

Unternehmen, die eigentlich Schwierigkeiten mit der Umstellung auf das Onlinegeschäft haben, vergrößerten ihr Portfolio in den vergangenen Jahren mit einem D2C-Bereich. Durch die hohen Digital-Media-Kosten stellen diese Unternehmen die Investition nun in Frage. So machten die 20 größten Konsumgüterhersteller in Deutschland nur vier Prozent des Umsatzes im Onlinebereich, wie eine Studie der Strategieberatung EY-Parthenon zeigt. EY-Parthenon-Berater Chebab Wahby erklärt die Daten wie folgt: „Bei geringen Preisen und großen Volumina ist der Handel ökonomisch der sinnvolle Weg. Produkte wie Rasierer, MakeUp oder Windeln sind dagegen gut für den Direktvertrieb geeignet.“

Start-ups setzen auf Übernahmen und Fusionen

Das Konsumgüter-Unternehmen Henkel übernahm im Jahr 2020 die damals erfolgreichen Marken Hello Body, Mermaid+Me und Banana Beauty. Recherchen der Lebensmittelzeitung zeigen, dass diese Marken seit Monaten auf Social-Media-Kanälen Follower einbüßen. Aus der Branche heißt es, dass die Werbeausgaben für viele Marken runtergefahren wurden. Angesichts der Tatsache, dass Henkel gerade dabei ist, ein Markenportfolio von eine Milliarde Umsatz zu überprüfen, könnte auch dieser Bereich auf die Streichliste kommen. Henkel verzichtete gegenüber der Lebensmittelzeitung auf eine Stellungnahme zu den Marken.

Um die schwierige Zeit zu überstehen, versuchen Start-ups auf Übernahmen und Fusionen zu setzen. So hat das Putztablettenunternehmen Klaeny die Körperpflege-Marke Levy & Frey übernommen. Weitere Zusammenschlüsse sollen laut Lebensmittelzeitung bevorstehen.

Einen Einbruch der D2C- Branche sieht Wahby trotz der komplizierten Situation nicht. Es war erwartbar, dass es nach Corona zu einer Korrektur kommt und Konsumenten wieder vermehrt stationär einkauften. Ab 2023 erwartet er wieder ein durchgängiges Wachstum. Trotz der schwierigen aktuellen Situation sollten Unternehmen den D2C-Bereich nicht komplett vernachlässigen: „Man muss nicht 20 Prozent des Umsatzes mit Direktvertrieb machen, aber es hilft mit einem gewissen Kundenkreis im Dialog zu bleiben.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Festkörperbatterien lassen auf sich warten – könnte die Halbfestkörper-Technologie zur Brückentechnologie der Energiespeicherung werden?

Die Batteriewirtschaft befindet sich derzeit in einer bemerkenswerten Übergangsphase. Während nahezu alle großen Hersteller langfristig...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Experteninterview: Welche Finanzierungsalternativen Unternehmen kennen sollten
28.06.2026

Für viele Mittelständler ist Finanzierung zunehmend eine strategische Herausforderung. Besonders kritisch wird es, wenn Investitionen gar...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Ziel: Europas stärkste Armee aufbauen
28.06.2026

Nach dem Scheitern der Zusammenarbeit bei Kampfflugzeugen steht nun das nächste Prestigeprojekt für Deutschland und Frankreich vor dem...

DWN
Finanzen
Finanzen Dell, Oracle und Co.: Gewinnrausch bei alten Tech-Stars
28.06.2026

Derzeit werden Hunderte von Milliarden Dollar in die nächste Technologiewelle investiert. Server sollen installiert, Datenbanken ausgebaut...

DWN
Panorama
Panorama Vier Buchempfehlungen für die Liege: Was Entscheider diesen Sommer unbedingt lesen sollten
28.06.2026

Das Tablet ist geladen, der Sonnenschirm steht, die E-Mails dürfen warten. Wir haben vier Wirtschaftsbuch-Empfehlungen für Sie, die den...

DWN
Panorama
Panorama 250 Jahre USA: Sieben verblüffende Fakten aus der US-Geschichte
28.06.2026

Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist voller großer Momente – und kleiner Kuriositäten. Manche davon wirken fast unglaublich,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 100 Jahre Mercedes-Benz: Eine der wertvollsten Marken weltweit – wohin geht die Reise?
28.06.2026

Kaum ein deutsches Unternehmen besitzt weltweit eine ähnlich starke Strahlkraft wie Mercedes-Benz. Der Stern steht für Prestige, Technik...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wayve-Gründer Kendall: In 20 Sekunden zu mehr als einer Milliarde Dollar
28.06.2026

Der Mitbegründer des Unternehmens Wayve versucht, ein Auto zu entwickeln, das das Fahren ähnlich wie ein Mensch erlernt – durch...

DWN
Finanzen
Finanzen IPO-Fieber: Warum SpaceX, Anthropic und OpenAI Anleger blenden könnten
27.06.2026

SpaceX, OpenAI und Anthropic stehen für die neue Börsenfantasie der KI-Ära. Doch die Rekordbewertungen erinnern an frühere Exzesse, in...