Deutschland

Ifo-Index weiter verschlechtert, Wirtschaft erwartet schweren Winter

Angesichts der Energiekrise und Rezessionssorgen hat sich die Stimmung in den Chefetagen deutscher Firmen im Oktober noch weiter verschlechtert.
25.10.2022 11:03
Lesezeit: 1 min

Angesichts der Energiekrise trübt sich die Stimmung in den Chefetagen deutscher Firmen weiter ein und signalisiert eine heraufziehende Rezession. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Oktober auf 84,3 Zähler von revidiert 84,4 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings mit einem stärkeren Rückgang auf 83,3 Punkte gerechnet. Die Befragten beurteilten ihre Geschäftslage zwar schlechter, bewerteten die Aussichten jedoch weniger düster als zuletzt.

"Trotzdem blicken die Unternehmen sorgenvoll auf die nächsten Monate", erläuterte der Präsident des Münchner Instituts, Clemens Fuest.

"Die Winter-Rezession kommt", ergänzte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe im Reuters-Interview. Die Münchner Forscher erwarten im vierten Quartal einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 0,6 Prozent zum Vorquartal: "Knapp zwei Drittel der Unternehmen leiden nach wie vor unter Lieferengpässen", betonte Wohlrabe.

Das insgesamt trübe Stimmungsbild passt zur Einschätzung der Bundesbank, die Deutschland an der Schwelle zur Rezession sieht. Sie versteht darunter einen deutlichen, breit angelegten und länger anhaltenden Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Die hohe Inflation und die Unsicherheit über die Energieversorgung lasten auf der deutschen Konjunktur. Bereits im zurückliegenden Sommerquartal könnte das Bruttoinlandsprodukt laut Bundesbank schon nicht mehr gewachsen sein.

Für die am Freitag anstehenden Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal erwarten von Reuters befragte Experten einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent. Im Frühjahr war beim BIP nur ein Miniwachstum von 0,1 Prozent herausgesprungen.

"Die Unternehmen verharren im Depressionsmodus, die Energiekrise erstickt das Wirtschaftsleben", so das Fazit von Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG.

Helaba-Ökonom Ralf Umlauf sieht jedoch auch einen kleinen Lichtblick in den Ifo-Stimmungsdaten: "Erfreulich ist der Anstieg der Geschäftserwartungen. Zuletzt sinkende Gas- und Strompreise sowie die Aussicht auf entsprechende Deckelungen der Kosten bei Unternehmen und Haushalten könnte hier schon positiv gewirkt haben."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hier sind die besten und schlechtesten Rentensysteme der Welt
22.10.2026

Deutschlands Rentensystem gerät zunehmend unter Druck, während Dänemark im weltweiten Renten-Ranking auf den zweiten Platz klettert....

DWN
Politik
Politik Steuereinnahmen steigen: Klingbeil sieht trotzdem keinen neuen Spielraum
22.10.2026

Die neue Steuerschätzung bringt dem Bund Milliarden an zusätzlichen Einnahmen. Für Finanzminister Lars Klingbeil bedeutet das trotzdem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsboom statt Autokrise: Mittelstand drängt in die Wehrtechnik
22.10.2026

Deutschlands Wehretat knackt die 100-Milliarden-Euro-Marke und treibt den industriellen Strukturwandel voran. Weil das klassische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX mit Milliardengewinn: Elon Musk plant die größte Fusion aller Zeiten
22.10.2026

Elon Musk meldet einen Milliardengewinn bei SpaceX und denkt bereits über den nächsten historischen Schritt nach. Eine Fusion mit Tesla...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verbrenner-Aus in der EU: Lockerung nimmt erste Hürden im Europaparlament
22.10.2026

Das geplante Verbrenner-Aus könnte weniger strikt ausfallen als bislang vorgesehen. Im Europaparlament haben sich erste Ausschüsse für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mittelschicht in Deutschland: Ab welchem Einkommen Sie wirklich dazugehören
22.10.2026

Viele Deutsche halten sich für durchschnittliche Verdiener, obwohl sie längst zu den oberen Einkommensgruppen gehören. Eine neue Studie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Barclays streicht 5.000 Stellen: KI soll Produktivität erhöhen
22.10.2026

Die britische Großbank Barclays baut Tausende Arbeitsplätze ab. Ein Teil der Einsparungen wird ausdrücklich mit höherer Effizienz durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Ich überlege schon, mein Portfolio für Weihnachten einzukaufen
22.10.2026

Seit längerer Zeit beobachte ich einen bestimmten Sektor und warte geduldig auf den richtigen Zeitpunkt zum Kaufen. Vielleicht ist er...