Finanzen

Aktienmarkt: Warren Buffett wartet auf den Crash

Obwohl die Aktienmärkte zuletzt stark eingebrochen sind, zögert Berkshire Hathaway von Warren Buffett noch mit Käufen. Value-Investoren warten auf den wahren Crash.
Autor
12.11.2022 14:03
Aktualisiert: 12.11.2022 14:03
Lesezeit: 2 min
Aktienmarkt: Warren Buffett wartet auf den Crash
Für den Value-Investoren Warren Buffett sind die derzeitigen Aktienbewertungen noch immer zu hoch. (Foto: dpa) Foto: Nati Harnik

Obwohl der US-Aktienindex S&P 500 in diesem Jahr bereits um 20 Prozent eingebrochen ist, schreckt der legendäre Investor Warren Buffett weiterhin vor größeren Aktienkäufen zurück. Denn eine wichtige Kennzahl, an der sich seine Investitionen orientieren, liegt immer noch auf einem zu hohen Niveau. Die Rahmenbedingungen für Value-Investoren wie Buffett sind noch lange nicht günstig genug.

Die kombinierte Marktkapitalisierung aller US-Aktien, die vom Wilshire 5000 Index erfasst wird, belief sich zum Börsenschluss am Dienstag auf 37,96 Billionen Dollar. Das entspricht 148 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 25,7 Billionen Dollar zum Ende des dritten Quartals. Das Verhältnis liegt bei etwa 1,5 und ist also noch immer so hoch wie im Vorfeld der ersten Corona-Welle.

Vor langer Zeit sagte Buffett einmal, dass der Kauf von Aktien "wahrscheinlich sehr gut funktioniert", wenn das Verhältnis von Aktienmarkt zu Wirtschaftskraft im Bereich von 0,8 liegt, was aber schon seit zehn Jahren nicht mehr der Fall ist. Seitdem ist der Aktienmarkt stark in die Höhe geschnellt und möglicherweise würde Buffett die Schwelle heute höher ansetzen. Aber das aktuelle Verhältnis von 1,5 ist sicherlich zu hoch zum Einstieg.

Buffetts Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway hat zuletzt sicherlich einige kleinere Käufe getätigt. Doch der Bargeldbestand des Unternehmens belief sich Ende September auf 109 Milliarden Dollar, also sogar noch höher als im Juni mit 105,4 Milliarden Dollar. Das bedeutet, Buffett und seine Vermögensverwalter finden trotz des Einbruchs der Aktienindizes S&P 500 und Nasdaq derzeit offenbar kaum etwas, das sie interessieren würde.

Eine Analyse der Duration des S&P 500 deutet darauf hin, dass die Aktien bei jeder Erhöhung des Leitzinses um einen Prozentpunkt um etwa 7,1 Prozent fallen werden, während der Nasdaq 100 sogar 9,6 Prozent seines Wertes verlieren wird. "Berkshires schwer fassbare Suche nach dem Wert von Aktien ist kaum überraschend", bemerkt der Analyst Ven Ram.

Trotz des starken Einbruchs der Aktienkurse beträgt das Kurs-Buchwert-Verhältnis für den S&P 500 immer noch das 3,8-fache und für den Nasdaq 100 sogar das 5,8-fache. Zudem sind die mickrigen Dividendenrenditen von unter 2 Prozent für S&P und Nasdaq einfach zu wenig, weil zweijährige US-Staatsanleihen derzeit eine Rendite von weit über 4,5 Prozent bieten.

Wenn man davon ausgeht, dass sich die kumulierten Dividenden der Bestandteile des S&P 500 in den nächsten zwölf Monaten auf etwa 64 Dollar pro Aktie summieren, läge der faire Wert, den das Gordon-Wachstumsmodell unter der Annahme einer Aktienrendite von 7 Prozent und einer Wachstumsrate von 5 Prozent impliziert, bei etwa 3.200 Punkten. Tatsächlich notiert der Index derzeit bei knapp 4.000 Punkten

Die Zinshändler rechnen mit einem Leitzins von über 5 Prozent, weshalb Aktien in nächster Zeit wohl kaum einen Höhenflug erleben werden. Trotz des diesjährigen Einbruchs notieren Aktien kaum in einer Zone, die man als Value-Zone bezeichnen könnte. Dies zeigt nach Ansicht von Ven Ram, wie sehr Aktien durch die ultraniedrigen Zinssätze in den letzten Jahre in die Höhe getrieben wurden. Eine schnelle Erholung am Aktienmarkt erwartet er daher nicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Hat Trump den größten Fehler der USA begangen?
13.10.2026

Donald Trump wollte Iran in die Knie zwingen. Stattdessen gerät die amerikanische Supermacht selbst unter Druck. Der Krieg verschlingt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Präsentismus: Wenn Mitarbeiter trotz Krankheit arbeiten 
13.10.2026

Mit Halskratzen aufgewacht und dennoch zur Arbeit gegangen, „weil es ja nicht so schlimm ist“. Viele Beschäftigte neigen dazu, trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nel ASA-Aktie hebt ab: Kooperation mit Rheinmetall bei E-Fuels treibt Pennystock nach oben
13.10.2026

Nel ASA und Rheinmetall wollen bei dezentraler Produktion synthetischer Kraftstoffe zusammenarbeiten. Die norwegische Wasserstoff-Aktie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau in Deutschland: Angebot an Zeitarbeit schrumpft
13.10.2026

Früher war Zeitarbeit ein boomendes Geschäft: 2017 arbeiteten noch mehr als eine Million Deutsche als Zeitarbeiter. Heute kämpft...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation steigt auf über 3 Prozent
13.10.2026

Die Energiepreise treiben die Inflation in Deutschland auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren: Im September verteuerten sich Waren...

DWN
Politik
Politik Strategische Ölreserven schrumpfen: Wie viel noch verfügbar ist
13.10.2026

Die Freigabe strategischer Reserven sorgt zunehmend für Sorgen. Die Bestände schrumpfen, da sie zur Dämpfung des Preisdrucks eingesetzt...