Unternehmen

Trotz Ukraine-Krieg: Deutscher Handel mit Osteuropa vor Rekordjahr

Der deutsche Handel verbucht ein Rekordjahr in Osteuropa. Trotz des Ukraine-Kriegs stiegen Importe und Exporte an. Wichtigste Handelspartner waren die Visegrad-Staaten.
16.11.2022 13:33
Aktualisiert: 16.11.2022 13:33
Lesezeit: 2 min

Der deutsche Handel mit Mittel- und Osteuropa steuert ungeachtet des russischen Krieges gegen die Ukraine auf ein Rekordjahr zu. Der bilaterale Warenaustausch mit den 29 Staaten Mittel- und Osteuropas stieg in den ersten drei Quartalen um 14,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf fast 421 Milliarden Euro, wie aus einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Bilanz des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft hervorgeht.

Rekordjahr für Osteuropa-Geschäfte

„Das ist ein neuer Höchstwert“, sagte Geschäftsführer Michael Harms am Freitag. Dazu hätten deutlich gestiegene Ex- und Importpreise beigetragen. Teure Energie, Rohstoffe und Vorprodukte machen sich vor allem bei den Importen aus der Region bemerkbar: Deren Wert nahm um fast ein Fünftel auf 216 Milliarden Euro zu, während die deutschen Exporte in die Region von Januar bis September um 9,2 Prozent auf 205 Milliarden Euro zulegten.

„Das Rückgrat des deutschen Osthandels bleiben die Länder Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei“, sagte Harms. Hier wurden allein im September Handelszuwächse zwischen 18 Prozent (Polen) und 48 Prozent (Slowakei) verbucht. Der Anteil dieser vier sogenannten Visegrád-Staaten am gesamten deutschen Außenhandel summiert sich damit auf 12,5 Prozent und liegt damit deutlich über dem der USA oder China.

Zugleich beschleunigt sich die Entflechtung der deutschen und russischen Wirtschaft. Die Exporte nach Russland sind bereits seit Kriegsbeginn im Februar im Sinkflug: Sie brachen in den ersten drei Quartalen um 41 Prozent ein, im September allein lag das Minus bei 53 Prozent. Dadurch rutschte Russland unter den deutschen Handelspartnern im Osten erstmals hinter die Slowakei und Rumänien auf Platz sechs.

Anrainer-Staaten füllen Russland-Vakuum

„Vom Bedeutungsverlust Russlands profitieren Länder in unmittelbarer Nähe zum russischen Markt, die sich erfolgreich als alternative Wirtschaftsstandorte und Rohstofflieferanten positionieren“, sagte Harms. So habe der Außenhandel mit Kasachstan, Usbekistan, Armenien und Aserbaidschan seit Beginn des Krieges massiv zugelegt. „Diesen Ländern kommt wirtschaftlich zudem die wachsende Zahl gut ausgebildeter Flüchtlinge aus Russland und die Verlagerung ganzer Unternehmen zugute“, sagte der Experte.

Der deutsche Handel mit der Ukraine zeigt sich dem Ost-Ausschuss zufolge angesichts der Kriegsauswirkungen „erstaunlich stabil“. In den ersten neun Monaten betrug das Minus im Warenaustausch weniger als zehn Prozent, bei den Importen aus der Ukraine sogar unter drei Prozent. „Es gibt eine große Bereitschaft unter den deutschen Unternehmen, den Wiederaufbau des Landes zu unterstützen“, sagte Harms.

Auch Südosteuropa und der westliche Balkan bleiben wichtige Wachstumsmärkte. Im Außenhandel mit Bulgarien, Serbien und Kroatien habe es in den ersten neun Monaten des Jahres Zuwächse um mehr als ein Fünftel gegeben.

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Adidas-Aktie verliert 2,2 Prozent: Analyst zweifelt an WM-Fantasie
06.01.2026

Die Adidas-Aktie hat sich zuletzt spürbar erholt, doch nun kommt Gegenwind aus unerwarteter Richtung. Eine doppelte Abstufung durch die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Viel Öl, aber eine Wirtschaft in katastrophalem Zustand: Was man über Venezuela wissen sollte
06.01.2026

Donald Trump will die venezolanischen Ölvorkommen nutzen. In dem von einer schweren Krise gezeichneten Land ist der US-Konzern Chevron...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chemieindustrie: BASF investiert Milliarden in China trotz geopolitischer Risiken
06.01.2026

Im ersten Quartal des Jahres eröffnet BASF sein neues Werk in China. Mit rund 8,7 Milliarden Euro ist das Werk im chinesischen Zhanjiang...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wall Street im Aufwind: Energie- und Bankensektor treiben Rallye an
06.01.2026

Die US-Aktienmärkte starteten mit starken Gewinnen in die Woche, angeführt von Energieerzeugern und dem Finanzsektor. Auftrieb erhielten...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirtschaftliche Schwergewichte schlagen Alarm über neue Währung: Top-Ökonom fürchtet Panik
05.01.2026

Die Analyse ist ziemlich beunruhigend: Die USA befinden sich mitten in einem finanziellen Experiment. Wenn es schiefgeht, kann es in einer...

DWN
Panorama
Panorama Großflächiger Stromausfall in Berlin hält weiter an
05.01.2026

Auch am dritten Tag nach dem Ausfall sind rund 30.000 Haushalte ohne Elektrizität. Schulen bleiben teils geschlossen, Notunterkünfte...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Ölaktien sind billig, Metalle und Bergbauaktien werden steigen
05.01.2026

Wall Street schaut bereits auf 2026 und setzt auf die nächste Runde der Rally. Ölaktien gelten plötzlich als Schnäppchen, Metalle und...

DWN
Politik
Politik Urteile für alle? Nur ein Bruchteil der Gerichtsurteile ist öffentlich zugänglich
05.01.2026

„Im Namen des Volkes“ – doch das Volk bekommt davon nur wenig zu sehen. Hunderttausende Gerichtsurteile verschwinden jedes Jahr in...