Deutschland

Deutschland setzt wieder massiv auf Kohle-Strom

Lesezeit: 2 min
07.12.2022 11:06
Deutschland ist bei Stromerzeugung im großen Stil zur Kohle zurückgekehrt. Auch Gas wird stärker genutzt als zuvor. Dies ist die logische Folge der grünen Politik.
Deutschland setzt wieder massiv auf Kohle-Strom
Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Kohle-Strom ist auf dem Vormarsch. (Foto: dpa)
Foto: Patrick Pleul

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

In Reaktion auf den Ukraine-Krieg wird Kohle für die Energieversorgung in Deutschland immer wichtiger. Im Sommer-Quartal kletterte die Einspeisung von Kohlestrom auf Jahressicht um 13,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch mitteilte. Damit stammte der ins Netz eingespeiste Strom zwischen Juli und September zu über ein Drittel (36,3 Prozent) aus Kohlekraftwerken, während es im dritten Quartal 2021 nur 31,9 Prozent waren.

Trotz hoher Gaspreise stieg auch die Stromerzeugung aus Erdgas: Sie war 4,5 Prozent höher als im Vorjahresquartal und machte 9,2 (Vorjahresquartal: 8,8) Prozent des eingespeisten Stroms aus. Damit wurde erstmals seit dem Frühjahr 2021 wieder mehr Strom aus Erdgas erzeugt als im jeweiligen Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden im Sommer 2022 in Deutschland 118,1 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist - also 0,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Wegen des russischen Einmarschs in die Ukraine versucht Deutschland sich von den enormen Energielieferungen aus Russland unabhängiger zu machen. Dies fällt vor allem bei Gas schwer. Deshalb setzt die Ampelkoalition wieder stärker auf Kohle und Atomstrom. Trotz der Anstiege bei der Stromerzeugung aus Kohle und Erdgas ging die aus konventionellen Energieträgern insgesamt erzeugte Strommenge um drei Prozent zurück. Der Anteil an der eingespeisten Strommenge fiel auf 55,6 Prozent, von 57,0 Prozent vor einem Jahr. Das lag auch daran, dass nur noch gut halb so viel Atomstrom erzeugt und ins Stromnetz eingespeist wurde wie ein Jahr zuvor.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne und Wasser stieg im dritten Quartal um 2,9 Prozent. Der Anteil an der gesamten Stromerzeugung kletterte binnen Jahresfrist von 43,0 auf 44,4 Prozent. Aufgrund der "ungewöhnlich hohen Zahl an Sonnenstunden" im Sommer gab es gut 20 Prozent mehr Solarstrom.

Die Wirtschaft hat wegen der Energiekrise wiederholt an die Bundesregierung appelliert, alle verfügbaren Ressourcen zur Stromerzeugung zu nutzen. Eine Expertengruppe um den Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, schlägt vor, so viele Quellen wie möglich für die Stromversorgung zu nutzen. "Der Ausbau erneuerbarer Energien ist massiv zu beschleunigen, ebenso wie der Bau von Gaskraftwerken, die später Wasserstoff verbrennen können", hieß es in einem Papier dazu.

"Kernkraftwerke sollten erst dann abgeschaltet werden, wenn andere Kraftwerke zur Verfügung stehen, die kein CO2 ausstoßen", schreiben etwa Fuest, sein Vorgänger Hans-Werner Sinn, die Unternehmer Christoph Theis und Roland Berger. Sie forderten zudem den Ausbau der heimischen Gasförderung und schnellere Planungsverfahren für erneuerbare Energien. (Reuters)


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Indiens Raffinerien bezahlen russisches Öl in Dirhams

Die indischen Raffinerien bezahlen den größten Teil ihrer Öl-Importe aus Russland in Dirham, der Währung der Vereinigten Arabischen...

DWN
Politik
Politik Die spektakulären Pleiten der Energie- und Währungspolitik

Der Kampf gegen fossile Brennstoffe treibt immer skurrilere Blüten. Und auch die Geldpolitik der Notenbanken hat nicht den Effekt, den...

DWN
Politik
Politik Medwedew: Mehr US-Waffen bedeuten, „ganze Ukraine wird brennen“

Mehr US-Waffenlieferungen an die Ukraine würden bedeuten, dass „das gesamte Herrschaftsgebiet Kiews brennen wird“, sagte der frühere...

DWN
Deutschland
Deutschland Energie in Deutschland weiter zu teuer, Unternehmen wandern ab

Die Energiepreise in Deutschland mögen sich etwas beruhigt haben. Doch die Deindustrialisierung schreitet voran, Fabriken und...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chinas Automarken erobern die Welt

In den letzten Jahren sind die chinesischen Autoexporte massiv angestiegen. In wenigen Jahren wird China mehr Autos exportieren als der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW investiert 800 Millionen Euro in E-Auto-Produktion in Mexiko

Das Werk in San Luis Potosi soll die globale E-Auto-Produktion von BMW massiv verstärken. Doch Mexiko ist nicht das einzige Ziel von...

DWN
Politik
Politik USA: Haben chinesischen Spionage-Ballon abgeschossen

Der chinesische Ballon wurde vor Küste zum Absturz gebracht, sagte US-Verteidigungsminister Austin und erneuerte die Spionagevorwürfe...

DWN
Technologie
Technologie Was treibt die Innovation an?

Die Erfindung neuer Technologien ist eine der stärksten Antriebsquellen des Kapitalismus. Doch wie entsteht dieser Prozess? Eine Zeitreise...