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Verband: Feuerwerksverbote sind umweltpolitische Nebelkerzen

Lesezeit: 5 min
29.12.2022 14:26
Feuerwerksverbote und Kritik wegen Umweltgründen. Die Pyrotechnikbranche hat es nicht einfach. Dabei ist Feuerwerk kaum umweltschädlich, wie der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk schildert.
Verband: Feuerwerksverbote sind umweltpolitische Nebelkerzen
Ein Feuerwerk ist während Deutschlands größter Silvesterparty am Brandenburger Tor zu sehen. (Foto: dpa)
Foto: Ralf Hirschberger

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Silvester steht in vor der Tür in Deutschland und im Gegensatz zu den letzten zwei Jahren gibt es dieses Jahr kein Feuerwerksverbot. Für Feuerwerksliebhaber, die in den letzten zwei Jahren an Silvester wenig auf ihre Kosten kamen, gibt es viel Nachholbedarf. Die Pyrotechnikbranche hofft nach den pandemiebedingt schwierigen zwei letzten Jahren, in diesem Jahr wieder an die erfolgreiche Vor-Coronazeit anknüpfen zu können.

Schock über Feuerwerksverbote noch nicht verdaut

Der Schock über die letzten zwei Jahre ist in der Branche immer noch nicht verdaut, wie Ingo Schubert, des Bundesverbands für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk e.V (BVPK) gegenüber DWN erklärt: „Die Feuerwerksbranche konnte sich bisher nicht von dem Schock der zwei Jahre mit kurzfristig verhängten Feuerwerksverboten erholen. Bei vielen pyrotechnischen Fachbetrieben in Deutschland handelt es sich um Kleinst- und Familienbetriebe, die in der Silvestersaison mit zusätzlichen Personen arbeiten. Viele dieser Betriebe mussten durch die kurzfristigen Verkaufsverbote schließen. Bei größeren Betrieben musste die Zahl der Beschäftigten in den letzten zwei Jahren drastisch reduziert werden.“

Richard Eickel, Geschäftsführer einer der Marktführer für die Herstellung von Pyrotechnik COMET, erinnert sich ungerne an die vergangenen Jahre zurück: „Die Abgabeverbote, die 2020/2021 quasi über Nacht und viel zu kurzfristig kamen, haben die gesamte Branche massiv getroffen. Kein Wunder, werden doch bald 90 Prozent des Umsatzes an nur drei Verkaufstagen generiert. Zudem musste COMET in einem logistischen Kraftakt alle bereits ausgelieferten Waren wieder zurückholen und einlagern.“

Comet leidet unter 38 Millionen Euro weniger Umsatz

Wie heftig sich die Verbote auf den Umsatz ausgewirkt haben, zeigen die Zahlen von COMET. Eickel erklärt auf Nachfrage der DWN, dass der Umsatz zwischenzeitig stark eingebrochen sei. 2019 lag der Umsatz noch bei rund 50 Millionen Euro, 2020 und 2021 bei nur mehr 10-12 Millionen Euro (damit 38 Millionen Euro weniger Umsatz). Auf den Umsatz von 10-12 Millionen kam COMET insbesondere durch den Verkauf von Produkten der Kategorie F1 (Kinder-/Jugend bzw. Ganzjahresfeuerwerk). Wie stark die Verbote der Branche insgesamt zusetzten, verdeutlicht eine Schilderung des BVPK. Laut dem Verband fußt der Umsatz der Mehrheit der pyrotechnischen Fachbetriebe sowohl auf dem Durchführen professioneller Feuerwerke auf Veranstaltungen als auch dem Verkauf von Kleinfeuerwerk an Silvester. Beide Umsatzquellen sind dem Verband zufolge in den letzten zwei Jahren nahezu vollständig entfallen.

Wie sich die Lage für die Branche umsatztechnisch dadurch ändert, dass es in diesem Jahr kein Verbot gibt, bleibt detailliert abzuwarten. Von einer Besserung im Vergleich zu 2021 und 2020, geht man jedoch aus. Generell dauert es einige Zeit, bis die Hersteller von Pyrotechnik wissen, wie gut das Geschäft lief, so Eickel: „Feuerwerk ist ein Kommissionsgeschäft. Als Unternehmen erfährt COMET erst nach einigen Tagen oder Wochen, wie groß die Nachfrage im Handel tatsächlich ausfiel und wie viele Retouren wieder reinkommen. Wir gehen aber davon aus, dass die Nachfrage gut sein wird. Allein zu unserem jüngsten Werksverkauf ab Lager im Jahre 2019 kamen rund 5.000 Käufer/innen. Wir gehen von einer ähnlichen Dimension beim Verkaufsstart am Donnerstag (29.12) aus.“ Laut COMET geht man davon aus, dass wenn die Nachfrage ähnlich wie 2019 ausfällt ein Umsatz von rund 50 Millionen Euro lockt.

BVPK: Feuerwerksverbote sind umweltpolitische Nebelkerzen

Schubert zufolge geht der BVPK von einer Normalisierung des Geschäfts aus. Sprich das Geschäft dürfte sich an den Umsatz von vor 2020 anpassen. Man spüre bei vielen Menschen, dass sie den bunten Silvesterbrauch sehr vermisst haben. Viele haben einfach im Ausland Feuerwerk gekauft, andere freuen sich nun sehr darauf endlich wieder selbst die Funken fliegen zu lassen. Der Wunsch sei da etwas nachzuholen. Viele Kollegen hätten bereits die Annahme von Vorbestellungen eingestellt, da sie entweder ausverkauft sind oder keine Kapazitäten beim Transport mehr hätten. Allerdings können laut Schubert Inflation und sonstigen Preissteigerungen diesen Wunsch auch dämpfen, sodass der Umsatz eher auf dem Niveau von vor Corona bleiben könnte, statt zu wachsen.

Ein anderes Thema, was in der Branche viel zur Debatte steht, ist der Umweltschutz. Durch die Kritik von Umweltorganisationen stehen immer wieder Feuerwerksverbote aus ökologischen Gründen im Spiel. Schubert verweist auf Studien und kritisiert seinerseits die Debatte als Kampagne: „Durch eine seit 2018 laufenden Kampagne gegen Feuerwerk werden wissenschaftliche Tatsachen rund um Feuerwerk massiv verzerrt, bis zur Unwahrheit. Die Umweltbelastung durch Feuerwerk ist sehr gering. Die Versuche, sie zum Gegenstand umweltpolitischer Debatten zu machen, wirken dadurch unglaubwürdig. Die Forderungen nach Feuerwerksverboten sind auch umweltpolitische Nebelkerzen, mit denen vom Versagen in den zentralen Bereichen des Klimaschutzes abgelenkt wird.“

Schubert verweist auf den Wert der ausgestoßenen fossilen Treibhausgase in Deutschland. Feuerwerk verursacht 0,00013 Prozent der ausgestoßenen fossilen Treibhausgase in Deutschland und ist damit laut Umweltbundesamt von „geringer Bedeutung“ für den Klimawandel. Mit Blick auf die jährliche Feinstaubbilanz stellt das Umweltbundesamt (UBA) fest, dass Feuerwerksverbote praktisch keinen Effekt besitzen und empfiehlt kein grundsätzliches Verbot von Silvesterfeuerwerk. Auch das Bundesumweltministerium hält laut eigener Aussage eine solche Diskussion aus Gründen der Luftreinhaltung nicht für notwendig.

COMET setzt auf Materialwechsel bei der Herstellung

Bei COMET hat das Entwicklerteam die Zeit während Corona insbesondere für das Thema Nachhaltigkeit genutzt: „Die durch Corona bedingte feuerwerksfreie Zeit hat das Team nicht einfach verstreichen lassen, sondern dazu genutzt, konstruktive Kritik am hohen Plastikanteil und Müllaufkommen durch Feuerwerk innovativ zu begegnen. „Umweltfreundlicheres Feuerwerk“, was im ersten Moment vielleicht wie ein Widerspruch klingt, ist in Wahrheit der Wegbereiter in eine Zukunft, in der sich ein effektvoller Silvester-Himmel und eine ökologischere Lebensweise gut vereinbaren lassen.“

Nach intensiver Materialsuche und -Prüfung, nach vielen Gesprächen mit Lieferanten, und nach erfolgreicher Neuzulassung durch notifizierte Zulassungsstellen, wird COMET schon ab 2023 nachhaltigere Produktwelten denn je anbieten können. Plastik Standfüße, Plastik Kappen und Plastik Zündschnurabdeckungen sollen in Zukunft Geschichte sein. Eickel erklärt, dass dem Unternehmen eine Weiterentwicklung immer wichtig ist: „Als eines der ältesten Feuerwerksunternehmen Deutschlands (über 60 Jahre alt) sind wir uns der Verantwortung für die Umwelt und die Generationen, die nach uns kommen, sehr wohl bewusst. Deshalb haben wir die letzten Jahre und Monate intensiv genutzt und starten schon bald mit mehr Nachhaltigkeit in unserer Produktwelt durch.“

Neben der Ersetzung von Plastik als Material durch Pappe oder Pflanzenfasern, gibt es bei COMET ab 2023 die „Silence Line“. Die Produkte dieser Linie sind bewusst leiser und verzichten auf laute Knall-Zerleger zugunsten farbenfroher Lichteffekte. Auf diesem Weg versucht das Unternehmen neben dem Thema Nachhaltigkeit auch auf das Thema Lautstärke einzugehen und Optionen anzubieten.

Im ersten Quartal ist eine Erholung frühestens erkennbar

Wie das Beispiel COMET zeigt, versuchen die Unternehmen unabhängig von der Debatte um die Umweltbelastung versuchen die Unternehmen in der Pyrotechnikbranche sich im Bereich der Nachhaltigkeit zu verbessern, wozu der Verband Schubert zufolge auch rät. Es gäbe immer Potentiale zum Umgestalten oder zum Einsparen von Material und Energie.

Ob und wie sich die wirtschaftliche Lage für die Pyrotechnikbranche verbessert hat weiß man genauer im ersten Quartal des nächsten Jahres, wie Ingo Schubert im Namen des BVPK verdeutlicht. Aktuell sind die Zahlen nicht positiv: „Die Zahl der im Feuerwerksbereich konstant Beschäftigten liegt nach wie vor weit unter den Zahlen von vor der Pandemie. Von einer Tendenz zur Erholung kann man bestenfalls frühestens im ersten Quartal 2023 sprechen. Dann sind die Auswirkungen des Umsatzes zum Jahreswechsel spürbar und es wird absehbar, wie sich die Saison hinsichtlich Feuerwerke auf Veranstaltungen entwickeln wird.“

 


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