Zekiwa-Insolvenz: Traditionsmarke vor dem Absturz
Die Zekiwa-Insolvenz erschüttert eine ganze Branche: Der traditionsreiche Kinderwagenhersteller aus Kretzschau in Sachsen-Anhalt hat einen Insolvenzantrag gestellt. Damit steht eine Marke vor einem tiefen Einschnitt, die in der DDR nahezu jedes Elternhaus kannte und bis 1990 als größter Kinderwagenhersteller Europas galt. Die Zekiwa-Pleite ist nicht nur ein unternehmerischer Rückschlag, sondern spiegelt auch strukturelle Probleme wie sinkende Geburtenzahlen und steigende Kosten wider.
Wie aus dem gemeinsamen Portal der Bundesländer zu Insolvenzbekanntmachungen hervorgeht, ist das Unternehmen zahlungsunfähig. Die Geschäftsführung begründet die Zekiwa-Insolvenz mit einer schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung. "In den vergangenen Monaten war die wirtschaftliche Entwicklung durch rückläufige Umsätze, steigende Kosten und eine anhaltende Ergebnisbelastung geprägt", zitierte die "Mitteldeutsche Zeitung" die Unternehmensleitung. Insbesondere der Geburtenrückgang wirke sich spürbar auf die Nachfrage aus.
Schrumpfender Markt: Immer weniger Kinder, weniger Zekiwa-Kinderwagen
Tatsächlich befindet sich die Geburtenrate in Deutschland auf einem historischen Tiefstand. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 rund 640.000 bis 660.000 Kinder geboren (nur Lebendgeborene). Das ist ein Rückgang der Geburten von mindestens 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Durchschnitt bekam eine Frau in Deutschland im Jahr 2024 etwa 1,35 Kinder. Für 2025 steht dieser Wert noch nicht fest, die genannte Zahl der Geburten ist vorläufig. Für Anbieter wie Zekiwa-Kinderwagen bedeutet diese Entwicklung einen schrumpfenden Heimatmarkt – ein zentraler Faktor für die Zekiwa-Insolvenz.
Historisch war Zekiwa, kurz für Zeitzer Kinderwagenindustrie, ein industrielles Schwergewicht. Zu besten Zeiten produzierten 2200 Mitarbeiter 450.000 Kinderwagen pro Jahr. 1846 gründete Ernst Albert Naether das Unternehmen E. A. Naether in Zeitz – der Auftakt der Kinderwagen-Produktion. 1946 entstand daraus VEB Zekiwa, nach der Wende die Zekiwa GmbH. In der DDR rollten jährlich 450.000 Kinderwagen vom Band, fast jedes ostdeutsche Kind lag in einem der Zekiwa-Kinderwagen. In den 1990er-Jahren wurden allerdings Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen.
Nur noch sechs Mitarbeiter: Zekiwa-Produktion stark geschrumpft
Heute ist von dieser Größe wenig geblieben. Am Firmensitz in Kretzschau arbeiten nach BILD-Informationen nur noch sechs Mitarbeiter. Dort erfolgen Endmontage, Design und Vertrieb. Die Zekiwa-Produktion findet weitgehend in Osteuropa statt, vor allem in Polen, wie die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet. Eine eigenständige Produktion in der Region gibt es längst nicht mehr. Das ehemalige Fabrikgebäude in Zeitz steht seit Anfang der 1990er-Jahre leer. Im Schloss Moritzburg befindet sich heute das Deutsche Kinderwagenmuseum, das die Geschichte der Zekiwa-Kinderwagen dokumentiert.
Trotz Zekiwa-Pleite soll der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiterlaufen. Das Unternehmen hat den Magdeburger Sanierungsexperten Nico Kämpfert mit der Investorensuche beauftragt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Ulrich Luppe aus Halle (an der Saale) bestellt. Die Zekiwa-Insolvenz soll nach Angaben der Unternehmensführung genutzt werden, um den Betrieb neu aufzustellen. Gesucht werden Investoren, etwa für einen Online-Handel.
Für die Region ist die Zekiwa-Insolvenz ein symbolischer Tiefpunkt. "Das ist der vorläufige Tiefpunkt für die Zeitzer Kinderwagenindustrie. Dabei war hier doch der Ursprung aller Kinderwagen zu Beginn des 19. Jahrhunderts", sagte Roland Rittig von der Gesellschaft zur Förderung des Schlosses Moritzburg Zeitz e.V. zu BILD. Modelle wie der Touring Max kosten ab 920 Euro. Doch ob sich die Zekiwa-Produktion und der Vertrieb der Zekiwa-Kinderwagen unter neuen Eigentümern stabilisieren lassen, ist offen. Klar ist: Die Zekiwa-Insolvenz steht exemplarisch für die Herausforderungen mittelständischer Traditionsunternehmen in einem schrumpfenden Markt.
Zekiwa-Insolvenz als Warnsignal für den Mittelstand
Die Zekiwa-Insolvenz zeigt exemplarisch, wie stark wirtschaftliche Rahmenbedingungen Traditionsunternehmen unter Druck setzen können. Sinkende Geburtenzahlen, steigende Kosten und eine veränderte Produktionsstruktur treffen selbst Marken mit großer Historie. Die Zekiwa-Pleite ist daher mehr als ein Einzelfall: Sie verweist auf strukturelle Probleme in schrumpfenden Märkten. Zwar läuft der Geschäftsbetrieb weiter und Investoren werden gesucht, doch die Zukunft der Zekiwa-Produktion bleibt ungewiss. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Vertrieb und Marke neu auszurichten. Für die Region und den deutschen Mittelstand steht viel auf dem Spiel.

