Politik

Neues Heizgesetz: Chancen für die Wärmewende oder Kostenfalle?

Die Debatte um das neue Heizgesetz spaltet die Politik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht im Gebäudemodernisierungsgesetz eine Chance für einen Neustart der Wärmewende ohne Heizungszwänge. Kritiker warnen hingegen vor erheblichen Kostenfallen und Rückschritten beim Klimaschutz.
11.06.2026 16:00
Lesezeit: 2 min
Neues Heizgesetz: Chancen für die Wärmewende oder Kostenfalle?
Die Debatte um das Gebäudemodernisierungsgesetz läuft. Während Reiche (CDU) auf Freiheit setzt, warnen Grüne vor Kosten und Die Linke prüft eine Klage (Foto: dpa). Foto: Bernd Weißbrod

Bundestag debattiert über Gebäudemodernisierungsgesetz

Im Bundestag wurde erstmals über die umstrittene Reform diskutiert. Die CDU-Wirtschaftsministerin betonte, mit dem neuen Gesetz setze man auf Technologieoffenheit statt auf Misstrauen. Ziel sei es, den Bürgern die Freiheit zurückzugeben, selbst über ihre Heizsysteme und Modernisierungsmaßnahmen am Haus zu entscheiden.

Auch Bauministerin Verena Hubertz (SPD) verteidigte die Neuausrichtung. Sie betonte die Notwendigkeit, die Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045 klimaneutral aufzustellen. Das vorherige Heizungsgesetz bezeichnete sie als einen in der Praxis gescheiterten Bauplan, den man nun klar, tragfähig und mit den passenden Unterstützungen neu entworfen habe.

Ganz andere Töne kamen von den Kritikern: Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge und weitere Redner äußerten die Befürchtung, das Gesetz berge finanzielle Risiken für Verbraucher und schade dem Klimaschutz. Die Linke zieht derweil juristische Konsequenzen in Erwägung und prüft eine Organklage im Eilverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht, um die Reform zu blockieren.

Ampel-Regeln sollen gekippt werden

Die schwarz-rote Koalition will Kernpunkte der von der früheren Ampel-Regierung und maßgeblich von Reiches Amtsvorgänger Robert Habeck (Grüne) beschlossenen Regelungen kippen. Auch der Name ist neu: Aus dem Gebäudeenergiegesetz wird das Gebäudemodernisierungsgesetz. Der Kern des bestehenden Gesetzes soll wegfallen, nämlich die 65-Prozent-Regelung: Diese sieht vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Das gilt seit Inkrafttreten der Regelung 2024 zunächst für Neubauten in einem Neubaugebiet. Für bestehende Gebäude gibt es im bestehenden Gesetz umfassende Übergangsfristen. Funktionierende Heizungen können weiter betrieben werden.

Neben der Wärmepumpe, einem Fernwärmeanschluss, hybriden Heizungsmodellen und einer Biomasseheizung sollen weiterhin auch neue Gas- und Ölheizungen eingebaut werden können - Voraussetzung ist, dass diese ab 1. Januar 2029 einen zunehmenden Anteil CO2-neutraler Brennstoffe wie Biomethan nutzen. Geplant ist eine "Biotreppe". Diese soll den Übergang zum klimafreundlichen Heizen ebnen. Für bestehende Heizungen soll von 2028 an eine "Grüngasquote" eingeführt werden, die Versorger erfüllen müssen. Umweltverbände und auch einige Energieunternehmen warnen vor einer Kostenfalle, weil Grüngase auf absehbare Zeit zu teuer seien.

Reiche: Wärmewende gelingt nur mit Eigentümern

Das bestehende Gesetz habe für Verunsicherung gesorgt, die Folge sei eine Investitionszurückhaltung gewesen, sagte Reiche. Die bisherigen Regelungen seien kompliziert, bürokratisch und wenig flexibel. Künftig gelte wieder ein einfacher Grundsatz: "Die Bürgerinnen und Bürger entscheiden über den Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung. Wir als Staat geben die Leitplanken vor." Das Gesetz schaffe Flexibilität statt einer Einheitstechnik. Reiche hatte mit Blick auf die bestehenden Regelungen von einem "Zwang zur Wärmepumpe" gesprochen.



Die Wärmepumpe werde in den allermeisten Gebäuden die Leittechnologie sein, weil sie eine wirtschaftlich vernünftige Lösung sei, sagte Reiche. Mit zunehmenden Stückzahlen würden auch Preise sinken.

Opposition kritisiert geplante Reform

Der AfD-Abgeordnete Marc Bernhard sagte, Reiches Modernisierungsgesetz sei nichts anderes als "Habecks Heizungshammer durch die Hintertür". Die Biotreppe sei ein faktisches Verbot von Öl- und Gasheizungen. Bernhard sprach von einer Falle. Niemand wisse, wo das ganze Biogas und Bioöl überhaupt herkommen solle.

Lücke in Gesetzentwurf?

Die Koalition hatte sich auf eine Kostenbremse für Mieter geeinigt, wenn Vermieter eine neue Gas- oder Ölheizung einbauen. Vereinbart wurde, dass Kostenrisiken für Netzentgelte, CO2-Preis und Biogas hälftig zwischen Mietern und Vermietern aufgeteilt werden. Laut Gesetzentwurf gilt die Bremse für "Wohnraummietverhältnisse". Dazu sagte Dröge: "Während es eine Kostenaufteilung zwischen Mieter und Vermieter gibt, gilt dies für das Gewerbe offensichtlich nicht. Das bedeutet, dass hunderttausende kleine Betriebe wie Friseursalons, Bäckereien, Handwerker und Pflegedienste von hohen Mehrkosten alleine betroffen sind."

Linke: Verschlechterungen beim Klimaschutz

Die Linke-Klimapolitikerin Violetta Bock sagte, die Fraktion werde alle rechtlichen und parlamentarischen Mittel nutzen, um das neue Heizungsgesetz zu stoppen. Mit den neuen Regeln werde es noch schwerer, die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen. Aus Artikel 20a des Grundgesetzes ergebe sich jedoch ein "Verschlechterungsverbot" bei bestehenden Klimaschutzmaßnahmen. Das neue Gesetz versage gleich dreifach: beim Klimaschutz, bei der sozialen Gerechtigkeit und bei der Verfassungsmäßigkeit.

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