DIHK-Umfrage: Fast jedes fünfte Unternehmen erwägt Produktionsverlagerung ins Ausland
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt, dass die anhaltend hohen Energiepreise in Deutschland Unternehmen zunehmend dazu veranlassen, Investitionen aufzuschieben und eine Verlagerung ihrer Produktion ins Ausland in Betracht zu ziehen. Darüber berichten die Nachrichtenagentur Bloomberg und das polnische DWN-Partnerportal Puls Biznesu.
Aus dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht der DIHK, der auf einer Umfrage unter deutschen Unternehmen basiert, geht hervor, dass im vergangenen Jahr nahezu die Hälfte der Betriebe mit gestiegenen Strompreisen konfrontiert war. Mehr als zwei Drittel verzeichneten zudem höhere Heizkosten. Rund ein Drittel der mehr als 3.000 im DIHK-Energiewende-Barometer 2026 befragten Unternehmen gab an, Investitionen aufgrund der hohen Energiekosten verschoben zu haben.
Fast jedes fünfte Unternehmen erklärte, die Produktionskapazitäten in Deutschland reduzieren oder die Fertigung ins Ausland verlagern zu wollen – oder diesen Schritt bereits vollzogen zu haben. „Besorgniserregend ist, dass die hohen Energiekosten nicht nur das laufende Geschäft belasten, sondern auch notwendige Zukunftsinvestitionen verhindern“, erklärte DIHK-Präsident Peter Adrian.
DIHK fordert niedrigere Stromsteuer und weniger Regulierung
Die DIHK fordert die Bundesregierung seit Längerem auf, die Stromsteuer zu senken, verlässlichere und transparentere Rahmenbedingungen für den Ausbau der Energieinfrastruktur zu schaffen sowie den Regulierungsaufwand deutlich zu reduzieren.
Obwohl die Energiepreise seit ihren Höchstständen im Jahr 2022 – ausgelöst durch die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine – zurückgegangen sind, liegen die Energiekosten in Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin auf einem hohen Niveau. Sie zählen nach wie vor zu den größten Belastungsfaktoren für die Industrie.
Europa zahlt deutlich mehr für Energie als USA und China
Das gilt nicht nur für die größte Volkswirtschaft Europas, auch wenn Deutschland aufgrund seiner langjährigen energiepolitischen Abhängigkeit von russischem Erdgas und Erdöl besonders stark betroffen ist. Die Energiekosten für die Industrie in Europa liegen derzeit etwa doppelt so hoch wie in den USA und rund 50 Prozent über dem Niveau in China. Dies schwächt die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen erheblich.
Als prominentes Beispiel nennt der DIHK-Bericht die Entscheidung des Chemiekonzerns BASF, einen neuen Chemiekomplex im chinesischen Zhanjiang in der Provinz Guangdong zu errichten. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 10 Milliarden Euro. Im selben Jahr, in dem BASF das Großprojekt in China ankündigte, gab das Unternehmen zugleich den Abbau von rund 2.600 Arbeitsplätzen in Deutschland bekannt.
Energiekosten werden zum Standortproblem
Die Ergebnisse der DIHK-Umfrage verdeutlichen, dass die Energiepreise längst nicht mehr nur die laufenden Betriebskosten erhöhen, sondern strategische Unternehmensentscheidungen beeinflussen. Werden Investitionen verschoben oder Produktionskapazitäten dauerhaft ins Ausland verlagert, drohen dem Industriestandort Deutschland erhebliche Wettbewerbsnachteile und der Verlust hochwertiger Arbeitsplätze. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Politik, die Energieversorgung planbarer und die steuerlichen Belastungen zu reduzieren.
Ohne spürbare Verbesserungen bei den Standortbedingungen könnte sich der Trend zur Abwanderung industrieller Wertschöpfung weiter beschleunigen – mit langfristigen Folgen für Wachstum, Innovation und Wohlstand in Deutschland.

