Technologie

Frequenzstreit: Aus für das Antennenfernsehen ab 2031?

In wenigen Jahren enden zentrale Nutzungsrechte für Funkfrequenzen. Telekommunikationskonzerne fordern diese schon heute vehement ein. Einer traditionellen Art des TV-Empfangs droht damit das endgültige Aus.
11.06.2026 14:28
Lesezeit: 2 min
Frequenzstreit: Aus für das Antennenfernsehen ab 2031?
Antennen für den analogen terrestrischen Fernsehempfang am Montag (30.04.2012) auf dem Dach eines Wohnhauses in Magdeburg (Foto: dpa). Foto: Jens Wolf

Mobilfunk-Riesen fordern Frequenzen ab 2031

Die großen deutschen Mobilfunkbetreiber beabsichtigen, das terrestrische Fernsehen dauerhaft abzulösen. Die Deutsche Telekom, Vodafone sowie O2 Telefónica präsentierten in Berlin eine von ihnen finanzierte Untersuchung des Beratungshauses WIK Consult. Diese kommt zu dem Schluss, dass spezifische Frequenzbänder ab dem Jahr 2031 für den Mobilfunk freigegeben werden müssten.

Momentan dienen diese Spektren noch dem Antennenfernsehen – ein Zugriff der Mobilfunkanbieter würde das Ende dieses Übertragungsweges bedeuten. Aus ökonomischer Sicht sei die Vergabe der Frequenzen an die Handynetze lohnend, so das Ergebnis der Analyse. Vertreter der drei Konzerne untermauerten bei der Präsentation ihre Absicht, die besagten Frequenzen ab 2031 beanspruchen zu wollen.

Laut der Erhebung nutzen hierzulande schätzungsweise noch 2,3 Millionen Haushalte das Antennenfernsehen, wobei die Zahlen rückläufig sind. Der Großteil der Haushalte in Deutschland empfängt Fernsehsignale via Satellit oder Kabel. Zudem ist die Übertragung per Internet eine Option, deren Beliebtheit kontinuierlich zunimmt.

Würde es teurer für die Verbraucher?

WIK-Studienautor Bernd Sörries betont, nach einer möglichen Abschaltung der Antennentechnologie DVB-T2 könnten die Verbraucher öffentlich-rechtliche Sender auch im Internet kostenlos sehen. „Es gibt keine Kostensteigerung aus Sicht der Endkunden, wenn man dieses Netz abschaltet.“

Sörries wies darauf hin, dass Antennenfernsehen lineares Fernsehen sei, das aus der Mode komme - die Nachfrage nach zeitlich flexibel abrufbaren Sendungen im Internet steige hingegen. Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bis zu 369 Millionen Euro binnen zehn Jahren einsparen könnten, wenn sie DVB-T2 abschalteten.

Ob der Wunsch der Mobilfunk-Anbieter erfüllt wird oder nicht, ist völlig offen. Die künftige Frequenznutzung soll auf der Weltfunkkonferenz im kommenden Jahr besprochen werden, danach würde sich die Bundespolitik damit befassen. Im Digitalzeitalter steigt die Datenmenge rasant, daher müssen die Telekommunikationsanbieter ihre Netze immer weiter optimieren.

Sicherheitsbehörden peilen eigenes Netz an

Die Mobilfunker sind nicht die Einzigen, die nach Frequenzrechten lechzen. Sicherheitsbehörden wollen ebenfalls niedrige Frequenzen nutzen, um einen neuen Behördenfunk aufzubauen. Für die künftige breitbandige mobile Sprach- und Datenkommunikation strebe man eine Zuteilung an, teilte die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben mit.

Im Fokus stehe ein Band im 600-Megahertz-Bereich, das die Behörde gemeinsam mit der Bundeswehr nutzen möchte. Spektrum in anderen Frequenzbereichen komme für die Realisierung der BOS-Breitbandkommunikation nach derzeitigem Stand nicht infrage. BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, gemeint ist etwa die Polizei.

Die WIK-Studie sieht die Behördenpläne skeptisch. Für ein eigenes Funknetz der Behörden müssten rund 23.000 Basisstationen aufgebaut werden, sagt Studienautor Sörries. So ein Netz würde mehr als neun Milliarden Euro kosten und der Aufbau mehr als zehn Jahre dauern. Die Mobilfunk-Firmen wollen, dass die Behörden ihre etablierten Handynetze nutzen und dafür Geld zahlen. Laut Studie wäre das deutlich günstiger und es würde nur 1,8 Milliarden Euro kosten.

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