Politik

Eskalation am Golf: Iran erklärt Straße von Hormus für gesperrt

Trotz einer offiziellen Waffenruhe eskaliert der Konflikt zwischen den USA und dem Iran massiv. Als Reaktion auf erneute US-Luftangriffe hat Teheran die strategisch wichtige Straße von Hormus für blockiert erklärt und Angriffe auf Ziele in den benachbarten Golfstaaten gemeldet.
11.06.2026 17:00
Lesezeit: 4 min
Eskalation am Golf: Iran erklärt Straße von Hormus für gesperrt
Nach heftigen US-Angriffen erklärt der Iran die strategische Meerenge für blockiert. Die USA dementieren, während die Waffenruhe endgültig bricht (Foto: dpa). Foto: --

Gegenseitige Angriffe und widersprüchliche Berichte aus der Krisenregion

In der zweiten Nacht infolge haben sich die US-Streitkräfte und das iranische Militär schwere Gefechte geliefert, wodurch die seit zwei Monaten bestehende Waffenruhe de facto hinfällig ist. Die Führung in Teheran reagierte auf die amerikanischen Bombardements mit der Erklärung, die für den globalen Öl- und Gashandel essenzielle Seestraße von Hormus vollständig zu sperren. Zudem wurden laut iranischen Angaben Gegenangriffe auf Ziele in Bahrain und Kuwait verübt. Die iranische Militärführung ließ über das Staatsfernsehen verkünden, dass jedes Schiff attackiert werde, welches die Meerenge durchfahren wolle. Zwei Frachter seien demnach bereits beschossen worden.

Die US-Seite widersprach diesen Darstellungen umgehend. Das zuständige US-Regionalkommando Centcom teilte auf der Plattform X mit, dass Handelsschiffe die Straße von Hormus in der Nacht weiterhin ungehindert passieren würden – eine Aussage, die von iranischen Staatsmedien wiederum als unwahr zurückgewiesen wurde. Am frühen Morgen verkündete Centcom schließlich die vorläufige Einstellung der eigenen Angriffe.

Nach amerikanischen Angaben wurden bei den Luftschlägen landesweit militärische Aufklärungsstützpunkte, Kommunikationsnetzwerke sowie Stellungen der Flugabwehr ins Visier genommen. Diese hätten zuvor eine direkte Gefahr für das US-Militär und die zivile Schifffahrt dargestellt. Die US-Streitkräfte betonten, man bleibe im Krisengebiet weiterhin in höchster Alarmbereitschaft.

Explosionen im Iran

Iranische Staatsmedien meldeten Explosionen im Bereich mehrerer Hafenstädte entlang der Südküste. Demnach wurden zwei Menschen verletzt. Laut der Nachrichtenagentur Irna und dem Rundfunk wurden Explosionen nahe den Städten Minab und Sirik beobachtet. Weitere Detonationen gab es Berichten zufolge auch auf der Insel Gheschm und in der Hafenstadt Bandar Abbas.

In der Nacht soll es außerdem nahe der iranischen Hauptstadt Teheran mehrere Angriffe gegeben haben. Der staatliche iranische Rundfunk meldete Explosionen in der Pendlermetropole Karadsch, die nur wenige Kilometer von der Millionenstadt Teheran entfernt liegt. Weiter westlich von Karadsch seien Kampfdrohnen gesichtet worden. Details dazu lagen zunächst nicht vor.

Bahrain und Kuwait erneut unter Beschuss

Erst in der Nacht zum Mittwoch hatte das US-Militär als Reaktion auf den Abschuss eines Kampfhubschraubers Flugabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen im Iran attackiert. Der Iran griff daraufhin US-Stützpunkte in der Golfregion an.

In Reaktion auf die erneuten US-Angriffe attackierten Irans Streitkräfte nach eigenen Angaben abermals Ziele in den Golfstaaten Bahrain und Kuwait. In Kuwait war nach Angaben der Armee die Luftabwehr im Einsatz. Die Luftfahrtbehörden sperrten deswegen am frühen Morgen vorübergehend den Luftraum für die zivile Luftfahrt.

Auch in Bahrain schrillten die Sirenen, wie das Innenministerium mitteilte. Die Bewohner wurden dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren und den nächsten sicheren Ort aufzusuchen.

In Bahrain sei das regionale Hauptquartier der US-Marine mit Kamikazedrohnen angegriffen worden, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der iranischen Armee. Ziel waren demnach Flugabwehrsysteme. Irans mächtige Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht des Landes, attackierten nach eigenen Angaben neben einem US-Luftwaffenstützpunkt in Bahrain auch zwei Basen in Kuwait. Insgesamt seien 18 Ziele angegriffen worden, hieß es.

In den beiden Golfstaaten befinden sich wichtige US-Stützpunkte, die nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt sind. Sie waren jüngst mehrfach zum Ziel iranischen Beschusses mit Raketen und Drohnen geworden.

Trump: „Werden sie in Grund und Boden bomben“

US-Präsident Donald Trump warf Teheran laut einem Medienbericht einen besonders schweren Bruch der geltenden Feuerpause vor. Sie sei „die am häufigsten gebrochene Waffenruhe in der Geschichte der Welt“, zitierte ein Reporter des US-Senders Fox News aus einem Gespräch mit dem Präsidenten. Auf welchen Vorfall sich Trump mit diesem Vorwurf konkret bezog, blieb unklar.

Trump habe zwar ein Ende der Bombardierungen in Kürze in Aussicht gestellt, berichtete Fox-News-Reporter Trey Yingst auf der Plattform X. Sollte Teheran jedoch kein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnen, „werden wir sie in Grund und Boden bomben“, drohte Trump demnach.

Iran verbietet Schiffen Durchfahrt durch Straße von Hormus

Offiziell begründete das iranische Militärhauptquartier die angebliche Vollsperrung der Straße von Hormus mit einer „veränderten Sicherheitslage“ nach den erneuten US-Angriffen. Sämtlichen Schiffen sei die Passage durch die Meerenge untersagt. Das gelte auch für Öltanker und Frachter, hieß es.

Die Islamische Republik hatte kurz nach Kriegsbeginn Ende Februar durch Drohungen und Angriffe auf Schiffe den Verkehr in der Meerenge weitgehend zum Erliegen gebracht. Teheran betonte zuletzt, die Straße von Hormus sei nicht blockiert. Faktisch mussten sich Reedereien jedoch mit iranischen Kontaktstellen koordinieren und durften anschließend nur einen Korridor nahe der iranischen Küste passieren. Dafür verlangt der Iran hohe Gebühren. In letzter Zeit hatten nach Angaben Teherans mehrere Schiffe die Straße passiert.

Hegseth: Wollen Krieg nicht wieder anfangen

Die USA verhängten Mitte April ihrerseits eine Seeblockade gegen den Iran, um das Land unter anderem von seinen Öleinnahmen abzuschneiden. Für den Iran ist der Ölexport das wichtigste wirtschaftliche Standbein - und für die Weltwirtschaft ist die Straße von Hormus als Exportroute für Öl, Flüssiggas und Dünger von großer Bedeutung. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte, es gehe bei den neuen Angriffen nicht darum, den Krieg wieder anzufangen. Vielmehr wolle man dadurch Bedingungen für eine Vereinbarung mit dem Iran schaffen.

Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz meint, ohne eine baldige Einigung sei eine weitere Eskalation wahrscheinlich. „Doch eine Eskalation allein wird kaum zu nennenswerten Zugeständnissen seitens des Irans führen“, schrieb er auf X. Letztendlich werde keine Militäroperation, „ob begrenzt oder umfangreich, kurz oder lang, den Iran dazu zwingen, ein Abkommen zu den Bedingungen der USA zu akzeptieren“. Wenn Trump wirklich ein Abkommen wolle, müsse er zumindest auf einige der Kernforderungen des Irans eingehen, schrieb Citrinowicz. „Wenn er dazu nicht bereit ist, muss er sich auf eine langwierige Konfrontation anstelle einer Verhandlungslösung einstellen.“

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