Wirtschaft

Erdogan kündigt neue Gasreserven im Schwarzen Meer an

Mit der Erhöhung der Schätzung seiner Erdgasreserven, ist Ankara ein weiterer Schritt zur Bildung eines Gasdrehkreuzes gelungen. Präsident Recep Tayip Erdogan verkündete die Nachricht auf der Pressekonferenz im Anschluss an eine Kabinettssitzung.
30.12.2022 08:55
Aktualisiert: 30.12.2022 08:55
Lesezeit: 2 min
Erdogan kündigt neue Gasreserven im Schwarzen Meer an
Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, beim G20-Gipfel im November 2022. (Foto: dpa) Foto: Christoph Soeder

Die Türkei hat einen weiteren wichtigen Schritt getan, um ihr Ziel zu erreichen ein Energiezentrum für die Region Eurasien zu werden. Die Türkei hat laut der Londoner Nachrichtenagentur Middle East Eye die Schätzung ihrer Erdgasreserven im Schwarzen Meer um fast ein Drittel erhöht und damit die Gesamtvorkommen auf 710 Mrd. Kubikmeter (Mrd. m³) geschätzt, um ihre Energieunabhängigkeit zu erhöhen.

„Diese neue Entdeckung öffnet die Tür für weitere Entdeckungen“

Nach einer Kabinettssitzung am 27. Dezember erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan, dass die Türkei die geschätzten Gasvorkommen in ihrem Sakarya-Feld von zuvor 540 Mrd. m³ nach oben korrigiert habe: „Mit unserer neuen Entdeckung bei Caycuma-1 ist unsere Gasreserve im Schwarzen Meer um 170 Milliarden Kubikmeter auf 710 Milliarden Kubikmeter gestiegen.“

Weitere 58 Milliarden Kubikmeter wurden in einem anderen Feld im Schwarzen Meer entdeckt, fügte der türkische Regierungschef hinzu. „Diese neue Entdeckung wird die Tür für weitere Entdeckungen öffnen. Wir werden so bald wie möglich mit den Bohrungen beginnen“, sagte Erdogan auf einer Pressekonferenz. Im türkischen Sakarya-Feld wurden bereits die größten jemals im Schwarzen Meer nachgewiesenen Gasreserven vermutet. Die Aufwärtsprojektion wird das Ziel der Türkei stärken, ein Erdgasdrehkreuz zu werden.

Start der Gasförderung im ersten Quartal 2023

Die Türkei erwartet, dass sie im ersten Quartal 2023 mit der Gasförderung aus dem Sakarya-Feld beginnen kann. Vor der neuen Entdeckung rechneten Beamte damit, dass die Vorkommen am Schwarzen Meer nach Erreichen des Fördermaximums laut Bloomberg etwa ein Drittel des massiven türkischen Inlandsbedarfs decken könnten. Gegenwärtig verfügt die Türkei nur über geringe eigene Öl- und Gasvorkommen und ist in hohem Maße von Einfuhren aus Russland, Aserbaidschan und dem Iran abhängig. Außerdem importiert sie Flüssiggas aus Katar, den Vereinigten Staaten, Nigeria und Algerien.

Anders als im östlichen Mittelmeer, einer anderen energiereichen Region, in der Ankara in eine Reihe von Seestreitigkeiten mit Zypern und Griechenland verwickelt ist, hat die Türkei ihre Meereszone mit ihren Schwarzmeeranrainern bereits abgegrenzt, ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Gewinnung und Monetarisierung von Energieressourcen.

Türkische Beamte haben Pläne für das Gasdrehkreuz skizziert

Die Türkei ist der Ansicht, dass sie gut aufgestellt ist, um von dem Krieg in der Ukraine zu profitieren, der den globalen Energiehandel umkrempelt. Im Dezember erklärte Erdogan, dass die Türkei möglicherweise eine neue Pipeline bauen wird, um Gas aus Turkmenistan und Aserbaidschan nach Europa zu transportieren, und wies darauf hin, dass die bestehenden Pipelines, die durch die Türkei in den Balkan führen, bereits an ihre Grenzen gestoßen sind

Auch der russische Präsident Wladimir Putin hatte Anfang Oktober angedeutet, dass die Türkei zu einer „Gasdrehscheibe“ werden könnte. Derzeit gibt es zwei TurkStream-Pipelines, die russisches Gas mit der Türkei verbinden und hauptsächlich den türkischen Inlandsmarkt bedienen. Türkische Beamte haben Pläne skizziert, wonach das Land zu einer Drehscheibe werden soll, an der russisches Gas mit mehreren anderen Quellen aus Aserbaidschan, Iran und Irak, einschließlich der eigenen Schwarzmeerreserven, gemischt und nach Europa weiterverkauft wird.

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