Unternehmen

Verband: „Die Folgen der Energiekrise treffen Sektbranche empfindlich“

Die Energiekrise wird für immer mehr Branchen zu einer Belastung. Gegenüber DWN erklärt der Verband Deutscher Sektkellereien e.V., dass sich die Krise auch bei der Sektbranche deutlich bemerkbar macht.
04.01.2023 08:40
Aktualisiert: 04.01.2023 08:40
Lesezeit: 4 min

Immer mehr Branchen geraten wegen der Energiekrise in Schwierigkeiten. Auch vor der Getränkeindustrie macht die schwierige Lage nicht halt. Ende Dezember sagte der Deutsche Brauer-Bund, dass 2022 eines der schwierigsten Jahre in der Geschichte der Brauereien gewesen sei. Gegenüber DWN verdeutlicht der Verband Deutscher Sektkellereien e.V., dass die Sektbranche auch stark von der Krise betroffen ist.

Herausforderndes Marktumfeld beeinflusste den Sektmarkt

Wie stark die Krise die Sektbranche betrifft, verdeutlicht gegenüber DWN der Geschäftsführer des Verbandes Dr. Alexander Tacer: „Die Folgen der Energiekrise treffen die deutsche Sektbranche empfindlich und machen sich auf allen Ebenen der Supply Chain deutlich bemerkbar. Belastend sind vor allem die Preisentwicklungen bei Glas, Verpackungsmaterialien, Energie und in der Logistik. Wir gehen davon aus, dass sich die Sektpreise unter diesen Umständen nicht auf dem Vorkrisenniveau halten können und moderate Preisanstiege unvermeidbar sein werden.“

Der Sekt-Hersteller Rotkäppchen-Mumm mit dem bekannten Rotkäppchen-Sekt bestätigt DWN, die komplizierte Situation in der Branche durch die Krise. Das Unternehmen betrachtet die aktuelle Situation als hochkomplex und extrem volatil. Auf der Beschaffungsseite kombinieren sich gestörte Lieferketten mit hohen Energiepreisen. Diese beeinflussen die Herstellung der Produkte des Unternehmens sowohl direkt (in der eigenen Produktion) als auch indirekt (durch den energieintensiven Prozess der Glas-Herstellung).

Der Sekthersteller Henkell Freixenet ist in 30 Staaten mit eigenen Produktions- und Vertriebsstandorten aktiv und vertreibt die eigenen Marken in 150 Staaten weltweit und ist führend im weltweiten Sektmarkt. Dr. Andreas Brokemper, CEO Henkell & Co. Sektkellerei KG erklärt DWN wie der Sektmarkt von den Krisenherden beeinflusst wurde: „Das herausfordernde Marktumfeld (Pandemie, Ukrainekrieg, Rohstoffknappheit, Inflation) beeinflusste den Sektmarkt und machte ihn 2022 besonders volatil. So waren die ersten neun Monate des Jahres geprägt von der Wiederbelebung der Gastronomie, Events, Straßenfesten, kulturellen Veranstaltungen und einer deutlich gestiegenen Reisetätigkeit.“

Sekt-Trend bleibt dem Verband nach positiv

Trotz der Energiekrise befindet sich die Sektbranche auf einem erfolgreichen Weg und die Nachfrage für Sekt bei den deutschen Verbrauchern ist hoch. Der Verband der deutschen Sektkellereien e.V. vertritt nach eigenen Angaben 95 Prozent der deutschen Sektherstellung. Nach eigenen Erhebungen betrug der Inlandsabsatz der Mitglieder in den ersten elf Monaten des Jahres 2022 rund 208 Millionen Flaschen (0,75 l) und liegt damit 2,4 Prozent über dem im gleichen Vorjahreszeitraum.

Der Verband sieht Tacer zufolge in diesem positiven Sekt-Trend, dass das Bedürfnis nach Genuss auch in Zeiten von Inflation und explodierenden Energiekosten eine Konstante im Lebensstil der deutschen Verbraucher und Verbraucherinnen bleibt. Auch wenn die Absatzzahlen für den Dezember noch nicht vollständig vorhanden seien, gehe man von einer stabilen Sekt-Nachfrage für das Weihnachts- und Silvestergeschäft 2022 aus.

Rotkäppchen-Mumm bestätigt die Darstellung des Verbandes. Die Menschen in Deutschland hätten auch in Krisenzeiten den Wunsch, die schönen Momente zu feiern und diese endlich wieder zusammen zu genießen. Speziell zum Jahresende würden traditionelle Festlichkeiten wie Weihnachten und Silvester wieder mehr an Bedeutung gewinnen, wie eine Trendstudie von Rotkäppchen-Mumm vom Jahr 2022 zeigt. Somit steige insbesondere zu diesen Zeiten auch die Nachfrage nach Sekt, welcher nach wie vor das beliebteste Getränk für die Feiertage sei. Auch über den Sommer 2022 wurde eine Vielzahl an Geburtstagen, Hochzeiten und andere Festivitäten nachgeholt, was der Nachfrage auch geholfen hat.

Silvester und Weihnachten machen 25 Prozent des Schaumweinumsatzes aus

Auch laut Andreas Brokemper setzt sich bei Henkell Freixenet der bereits länger anhaltende Trend zu gehobenen Qualitäten letztes Jahr fort. Auch Rosé-Produkte und alkoholfreier Schaumwein erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. Im letzten Quartal des Jahres wurden die Inflation sowie rohstoffbedingte Preiserhöhungen zunehmend spürbar. In diesem spannenden Umfeld haben sich die Zahlen bei den Prosecco- und Cava- Marken Mionetto und Freixenet auch über die Weihnachts- und Silvestertage gut entwickelt. So auch die Sekt-, Crémant- und Champagner-Spezialitäten. Genuss steht bei den Verbrauchern also nach wie vor hoch im Kurs.

Henkell Freixenet ist mit einem wertmäßigen Marktanteil von 9,7 Prozent (IWSR) weltweit führender Schaumwein-Anbieter. In Deutschland stellt das Haus mit Freixenet den führenden Cava, mit Mionetto den führenden Prosecco und mit Fürst von Metternich die klare Nummer eins im Premiumsegment.

Bei Rotkäppchen-Mumm ist die Nachfrage auf die eigene Marke „Rotkäppchen“ sehr hoch und eine Marktforschung des amerikanischen Marktforschungsinstituts IRI von 2022 zeigt Rotkäppchen-Mumm zufolge wie wichtig man für den deutschen Sektmarkt ist: „Die Marke Rotkäppchen ist nun schon seit über 20 Jahren Spitzenreiter im Segment Sekt. Rotkäppchen Sekt ist mit über 35 Prozent Marktanteil der erfolgreichste und beliebteste Sekt in ganz Deutschland. Insgesamt gehören vier der zehn umsatzstärksten Schaumwein-Marken zu Rotkäppchen-Mumm, darunter Mumm auf Platz 3 mit einem Marktanteil von 5,7 Prozent. Im Premiumsegment der klassischen Flaschengärung ist die Marke Geldermann aus der Privatsektkellerei Geldermann in Breisach weiter die Nummer eins im deutschen Markt.“

Silvester und Weihnachten nimmt, was den Umsatz für Sekthersteller angeht, eine besondere Rolle ein. So erklärt Rotkäppchen-Mumm, dass allein das Weihnachts- und Silvestergeschäft traditionell rund 20 Prozent des Jahresumsatzes ausmacht. So sind dieses Geschäft und diese Zeit ein wichtiger Faktor für den Gesamtumsatz. Dem Verband Deutscher Sektkellereien zufolge ist die Zeit um Weihnachten und Silvester die absolute Hochzeit im Sektgeschäft und macht ein Viertel des Schaumwein-Jahresumsatzes aus.

Mehr Sekt- als Weintrinker in Deutschland

Die Situation für die deutsche Sektbranche dürfte auch 2023 positiv verlaufen. Ein Grund dafür ist der gestiegene Schaumwein-Konsum der deutschen Verbraucher. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2021 in Deutschland 264,4 Millionen Liter Schaumwein abgesetzt. Auch wenn sich auf lange Sicht in den Absatzzahlen ein leichter Rückgang abzeichnet, sind die Deutschen beim Pro-Kopf-Verbrauch mit etwa 3,2 Litern pro Jahr Weltspitze.

Rückläufige Zahlen gehen einher mit dem Trend zu Premiumsekten und einer zunehmenden Nachfrage nach sogenannten alkoholfreien Sekten. Laut einer Studie der Hochschule Geisenheim University aus dem Oktober 2022 gibt es in Deutschland in der Gesamtheit mehr Sekt- als Weintrinker, wie der Verband Deutscher Sektkellereien in einer Pressemitteilung von Anfang Dezember hervorhebt. Die Zukunft des Sektmarkts in Deutschland sieht dementsprechend positiv aus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Nahost-Konflikt: Keine Entspannung im Iran-Krieg in Sicht – Spannungen und wirtschaftliche Risiken nehmen zu
20.03.2026

Auch Wochen nach Beginn der Angriffe ist kein Ende des Iran-Kriegs in Sicht. Militärische Schläge, geopolitische Spannungen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Fuchs-Aktie überzeugt trotz Gegenwind: Dividende steigt – was Anleger jetzt wissen müssen
20.03.2026

Anleger blicken gespannt auf die Fuchs-Aktie: Der Schmierstoffhersteller steigert Umsatz und Gewinn leicht und hebt die Dividende an....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrieproduktion fährt herunter – Merz-Regierung verspricht bessere Industriestrompreise und weniger Bürokratie
20.03.2026

Die deutsche Industrie kämpft an vielen Fronten – hohe Energiekosten, ausufernde Bürokratie, Fachkräftemangel und geopolitische...

DWN
Finanzen
Finanzen Vincorion-Aktie: Vincorion mit erfolgreichem IPO – Liste deutscher Rüstungsunternehmen an der Börse immer länger
20.03.2026

Mit dem Vincorion-IPO rückt ein neues Rüstungsunternehmen in den Fokus der Anleger. Die Nachfrage nach militärischen Gütern wächst...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 12: Die wichtigsten Analysen der Woche
20.03.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 12 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland: Erzeugerpreise im Februar überraschend gesunken
20.03.2026

Die Erzeugerpreise in Deutschland sinken schneller als erwartet. Doch hinter dem Rückgang steckt vor allem ein Faktor, der sich rasch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölkrise: Energieagentur IEA fordert Tempolimit und Homeoffice – drohen auch Fahrverbote?
20.03.2026

Steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen verschärfen die Ölkrise zunehmend. Die Energieagentur IEA fordert schnelle...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EY-Studie: Autoimporte aus China übertreffen erstmals EU-Ausfuhren
20.03.2026

Immer mehr Fahrzeuge aus Fernost drängen auf den europäischen Markt: Autoimporte aus China verändern die Wettbewerbslandschaft...