Unternehmen

Familien-Unternehmen schaffen doppelt so viele Jobs wie Dax-Konzerne

Familienunternehmen sind in Krisenzeiten der „Stabilitätsanker Deutschlands.“ Die 500 größten von ihnen hängen die DAX-Konzerne in einem direkten Vergleich ab.
21.01.2023 08:01
Aktualisiert: 21.01.2023 08:01
Lesezeit: 2 min
Familien-Unternehmen schaffen doppelt so viele Jobs wie Dax-Konzerne
Familienunternehmen konnten ihre Belegschaft auch in vergangenen, schwierigen Zeiten zusammenhalten (Foto: dpa)

Deutschlands große Familienunternehmen haben in den vergangenen zehn Jahren bedeutend mehr Stellen geschaffen als Dax-Konzerne. Besonders einige Firmen aus dem Lebensmittel-Einzelhandel haben stark zum Arbeitsmarkt beigetragen.

Im Verhältnis zu Dax-Konzernen stellen Familien-Firmen einen größeren Teil ihrer neuen Mitarbeiter im Inland ein, während börsennotierte Firmen eher im Ausland Arbeitsplätze schaffen, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen im München. Konzerne in Deutschland sind vor allem im verarbeitenden Gewerbe und im Handel tätig.

Laut der Untersuchung bauten die TOP-500 Familienunternehmen von 2011 bis 2020 (die Zahlen für 2021 und 2022 sind noch nicht verfügbar) ihre Inlandsbeschäftigung in Deutschland um 25 Prozent aus, während die Dax-26 Unternehmen ihre Beschäftigung im Inland nur um vier Prozent steigerten. Insgesamt schufen die TOP-500 während des Zeitraums über 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze weltweit, gegenüber 390.000 der Dax-26 Unternehmen.

Als die Stiftung Familienunternehmen die beiden Unternehmensgruppen 2007 zum ersten Mal wissenschaftlich untersuchte, hatten sie beinahe die gleiche Beschäftigtenzahl in Deutschland. Auch gemessen am Umsatz wuchsen die TOP-500 stärker als die Dax-26 Unternehmen: Insgesamt erreichten diese Firmen ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 3,77 Prozent, gegenüber einer Steigerung von 1,69 Prozent bei den Dax-26 Unternehmen.

Als „Familienunternehmen“ bezeichnet die Autoren jede Firma, die mehrheitlich im Familienbesitz ist. Dies unabhängig davon, ob das Unternehmen an der Börse notiert ist oder von Familienmitgliedern geleitet wird. Die Studie stellte die Daten der 26 Dax-Unternehmen denen der 500 größten Familienunternehmen Deutschlands gegenüber. In absoluten Zahlen lag an erster Stelle (mit 190.000 neuen Arbeitsplätzen) die Schwarz Gruppe, der die Supermarktketten Lidl und Kaufland gehören, gefolgt von Volkswagen mit (160.000 Arbeitsplätze), Bosch (etwa 92.000) und Aldi (ungefähr 84.000).

Sechs Millionen arbeiten bei TOP-500 Firmen

Die Studie unterstrich die Bedeutung der in Familienhand befindlichen Unternehmen. Im Jahr 2020 arbeiteten bei den TOP-500 Unternehmen weltweit sechs Millionen Menschen, bei den DAX-26 waren es zirka die Hälfte (3,1 Millionen). Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit den meisten TOP-500 Familienunternehmen, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern.

Professor Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, betonte die Bedeutung der Familienunternehmen im derzeitigen schwierigen Wirtschaftsklima. „Familienunternehmen sind der Stabilitätsanker Deutschlands und tragen maßgeblich zu unserem Wohlstand bei. Die Untersuchung zeigt, dass Familienunternehmen bisher Krisen nachweislich besser überstehen konnten und ihre Belegschaft auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten - gerade am Standort Deutschland. Deshalb ist es essenziell, diese Unternehmensform in der derzeit so angespannten Lage nicht zu benachteiligen.“

Das Familienunternehmen wichtige Brückenpfeiler der deutschen Wirtschaft sind, geht auch aus einem Ranking des Lexikons der deutschen Weltmarktführer von Die Deutsche Wirtschaft (DWW), dem offenen Informationsnetzwerk der deutschen Wirtschaft, hervor. Allein die 1.000 größten deutschen Familienunternehmen erzielen demnach einen Jahresumsatz von rund 1,93 Billionen Euro. Davon sind 256 Umsatzmilliardäre und 322 Weltmarktführer. Der größte Anteil der Top-Familienunternehmen sind mit 64,4 Prozent der Industrie zuzurechnen, 17,9 Prozent dem Handel und 17,7 Prozent der Dienstleistung.

Die Grundpfeiler des Erfolgs sind neben Flexibilität und Schnelligkeit vor allem Forschung und Innovation. Allein 44 Prozent unter den größten deutschen Familienunternehmen geben an, in Forschungskooperationen aktiv zu sein, sogar 61 Prozent verfügen über Hochschulkooperationen.

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Politik
Politik Forschungsstandort Europa 2026: Zwischen Exzellenz und Sparzwang
25.05.2026

Europa forscht stark, doch Kürzungen bei Horizon Europe bedrohen den Anschluss an USA und China. Was das für Talente, Patente und...

DWN
Politik
Politik Weltbekannter Professor sieht gefährliche Veränderung bei Trump
25.05.2026

Francis Fukuyama sieht Trump politisch geschwächt, aber gerade deshalb gefährlich. Für Dänemark und Grönland könnte die nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Wer durch KI ersetzt wird, zahlt jahrelang
25.05.2026

KI soll Unternehmen schneller, schlanker und profitabler machen. Doch für Beschäftigte, die durch neue Technologien ihren Job verlieren,...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
25.05.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
25.05.2026

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Veggie-Burger-Boom verliert an Tempo: Fleischersatz in Deutschland erstmals rückläufig
25.05.2026

Pflanzliche Fleischalternativen haben den Lebensmittelmarkt in Deutschland stark verändert. Doch nach Jahren kräftigen Wachstums sinkt...

DWN
Technologie
Technologie Meta: WhatsApp-Inkognito-Modus kommt für KI-Unterhaltungen
25.05.2026

Meta erweitert WhatsApp um neue KI-Funktionen und verspricht dabei mehr Datenschutz. Nutzer sollen künftig inkognito mit der Meta AI...