Finanzen

Goldmünzen-Streit: Simbabwe widersetzt sich dem IWF

Der IWF hat Simbabwe aufgefordert, die Ausgabe von Goldmünzen umgehend wieder einzustellen. Doch die Zentralbank des Landes weigert sich, dem nachzukommen.
Autor
20.01.2023 16:00
Lesezeit: 3 min
Goldmünzen-Streit: Simbabwe widersetzt sich dem IWF
Die Bürger von Simbabwe haben mit den Goldmünzen bereits leichte Gewinne erzielt. Doch der IWF ist dagegen. (Symbolbild: dpa) Foto: Philip Mostert

Ende Juli letzten Jahres begann die Regierung von Simbabwe, 22-Karat-Goldmünzen auszugeben. Die so genannten "Mosi-oa-Tunya"-Münzen sind seitdem bei zugelassenen Banken erhältlich. Nach dem deutlich Anstieg des Goldpreises in den letzten drei Monaten wird die Münze mit einem Goldgehalt von einer Unze nun zum erstmal zu einem Preis oberhalb von 2.000 Dollar verkauft.

Auf den Goldmünzen sind die Victoria Falls abgebildet, ein weltberühmtes Naturwunder und eine wichtige Touristenattraktion an der Grenze zu Sambia. Jede Münze ist mit einer Seriennummer versehen, wird mit einem Zertifikat geliefert und zu einem Preis verkauft, der auf dem internationalen Goldpreis und den Produktionskosten basiert, wie die Zentralbank von Simbabwe damals mitteilte.

Die Unzen-Goldmünze kostete am Montag 2.002,51 Dollar, wie auf der Website der Reserve Bank of Zimbabwe hervorgeht. Die war ein Aufschlag von 4 bis 5 Prozent gegenüber dem Spot-Preis. Die Zentralbank hat die Goldmünzen eingeführt, um den Verfall des simbabwischen Dollars aufzuhalten und die Nachfrage nach Dollars zu lindern.

Gold ist traditionell eine gute Absicherung gegen Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit. Doch ein Staat kann seine Währung nicht einfach dadurch stabilisieren, dass er Goldmünzen verkauft. Das ist unsinnig, kann der Währung aber auch nicht schaden - und für die Anleger in Simbabwe können die Münzen durchaus eine willkommene Alternative zum Dollar darstellen.

Da eine Unze Gold für einen Kleinanleger in Simbabwe eine ungeheure Menge Geld darstellt, hat die Zentralbank des Landes im November auch kleinere Stückelungen von einer halben Unze, von 0,25 Unzen und 0,1 Unzen in Umlauf gebracht. Der Verkaufspreis beinhaltet einen Aufschlag von bis zu 5 Prozent und ist in US-Dollar oder Simbabwe-Dollar zu zahlen.

Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ist die Nutzung der Goldmünzen in Simbabwe ein Dorn im Auge. Er hat die Behörden des Landes im vergangenen Monat aufgefordert, die Verwendung der Goldmünzen einzustellen und stattdessen "geeignete zinstragende Instrumente" zur Durchführung der Geldpolitik einzusetzen, wie Bloomberg berichtet.

Ein IWF-Team unter der Leitung von Dhaneshwar Ghura hatte im Rahmen der Artikel-IV-Konsultation 2023 vom 1. bis 15. Dezember 2022 eine Mission in Harare durchgeführt, berichtet Nehanda Radio. Dabei sprach das Gremium eine Reihe von Empfehlungen aus, die Simbabwe im Kampf gegen die explodierende Inflation helfen sollen.

Eine der Empfehlungen des IWF lautete, die Regierung von Simbabwe solle die Goldmünzen wieder abschaffen. In einer Erklärung empfahl Ghura die "Wiederherstellung des nominalen Ankers für die Geldpolitik, unter anderem durch den Einsatz geeigneter zinstragender Instrumente zur Liquiditätsbeschaffung und die Einstellung der Verwendung von Goldmünzen".

Doch der Gouverneur der Reserve Bank of Zimbabwe (RBZ), John Mangudya, hat die Behauptung des IWF zurückgewiesen, dass die Einführung von Goldmünzen nicht zur Inflation im Land beigetragen habe. Der IWF schätze die Idee der Zentralbank nicht richtig ein. Daher werde die Zentralbank von Simbabwe die Goldmünzen nicht auslaufen lassen.

"Das IWF-Missionsteam in Simbabwe hat das hehre Ziel der Zentralbank, Goldmünzen in der heimischen Wirtschaft einzuführen, nicht richtig verstanden", sagte er. "Sie sind der Ansicht, dass die Ausgabe von Goldmünzen einer Intervention auf dem Devisenmarkt gleichkommt, wodurch die Devisenreserven aufgebraucht werden."

Doch die Zentralbank betrachtet die Goldmünzen als ein "alternatives Produkt oder einen alternativen Vermögenswert zur Fremdwährung im dualen Währungssystem der Wirtschaft" und daher als ein Instrument für Privatanleger "zur Wertaufbewahrung und zum Abfangen überschüssiger Liquidität", also im Wesentlichen als eine Konkurrenz zum Dollar.

Denn im Simbabwe kommt neben der heimischen Währung, dem Simbabwe-Dollar, auch der US-Dollar zum Einsatz. "Die Verwendung von Goldmünzen zum Abfangen von überschüssiger Liquidität ist besonders wichtig in einem dualen Währungsumfeld, in dem die Öffentlichkeit die Wahl hat, sowohl den US$ als auch die Landeswährung zu halten", so Mangudya.

Der Gouverneur der Zentralbank fügte hinzu, dass der Einsatz von Gold als Instrument zur Liquiditätsabschöpfung in einem Umfeld wie Simbabwe effektiver ist, wo die Öffentlichkeit den US-Dollar bevorzugt und weniger Interesse daran hat, Vermögenswerte zu halten, die in der Landeswährung notiert sind.

"Daher sieht die Bank die Goldmünzen als ein notwendiges Instrument für Offenmarktgeschäfte an, wenn die Wirtschaft weiterhin eine Doppelwährungsumgebung aufweist und die Unsicherheit eines Wertverlusts bei auf inländische Währung lautenden Anlagen als hoch eingeschätzt wird."

"Vor diesem Hintergrund hat die Bank keine Pläne, die Goldmünzen zurückzuziehen, solange die Öffentlichkeit es nicht vorzieht, auf inländische Währung lautende Vermögenswerte zu halten, die auch als Offenmarktinstrumente zur Liquiditätsbeschaffung verwendet werden können." Es bleibt nun abzuwarten, welche Folgen die offene Missachtung des IWF durch Simbabwe haben wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Förderprogramm für Azubi-Vermittlung vor dem Aus – trotz offener Ausbildungsplätze
29.09.2026

Viele offene Lehrstellen, viele Jugendliche ohne Perspektive – und trotzdem soll ein bewährtes Förderprogramm für die Azubivermittlung...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen: Haushalte so reich wie nie - Rekordsumme ungleich verteilt
29.09.2026

Das weltweite Geldvermögen erreicht laut Allianz ein Rekordhoch. Doch der Zuwachs kommt bei Milliarden Menschen nicht an. Die Unterschiede...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Funflation: Warum selbst der Spaß immer teurer wird
29.09.2026

Urlaub, Restaurant oder Hobby: Wer seine Freizeit genießen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse der Bank of America...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reicher Westen, armer Osten: Enorme Vermögensungleichheit verschärft sich 2025
29.09.2026

Am 36. Jahrestag der Wiedervereinigung herrschen enorme Unterschiede bei der Vermögensverteilung: Alleine im Jahr 2025 entfielen 95...

DWN
Politik
Politik Deutschland vergreist: Kinderwunsch sinkt – das sind die Folgen
29.09.2026

In Deutschland sinkt nicht nur kontinuierlich die Geburtenrate, sondern erstmals seit vielen Jahren sogar auch der Wunsch nach eigenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lateinamerika-Aktien: Das Comeback, das kaum jemand auf dem Radar hat
29.09.2026

Jahrelang mieden Anleger Lateinamerika, nun schlägt die Region sogar den S&P 500. Rohstoffe, Banken und überraschend niedrige Bewertungen...

DWN
Politik
Politik Personalie Jens Spahn: Doch kein Comeback im Haushaltausschuss
29.09.2026

Der Skandal um die Leihmutterschaft kostete Jens Spahn seinen Posten an der Spitze der CDU‑Fraktion. Im Haushaltsausschuss wollte er...