Politik

Polen rüstet Streitkräfte und paramilitärische Einheiten auf

Polen hat ein umfassendes Programm zur Aufrüstung beschlossen. Dieses umfasst die reguläre Armee und paramilitärische Einheiten.
30.01.2023 15:29
Aktualisiert: 30.01.2023 15:29
Lesezeit: 2 min
Polen rüstet Streitkräfte und paramilitärische Einheiten auf
November 2021: Polnische Soldaten riegeln die Grenze zu Weißrussland ab. (Foto: dpa) Foto: Irek Doro¿añski/Dwot

Polen will in diesem Jahr vier Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Verteidigung ausgeben. „Möglicherweise wird dies der höchste Prozentsatz der für die Armee bereitgestellten Mittel unter allen NATO-Ländern sein“, sagte Regierungschef Mateusz Morawiecki am Montag beim Besuch eines Standorts der Streitkräfte im ostpolnischen Siedlce.

Das an die Ukraine grenzende EU- und NATO-Land Polen rüstet massiv auf. So orderte Warschau im vergangenen Jahr in den USA 250 Kampfpanzer vom Typ Abrams und schloss mit Südkorea ein milliardenschweres Geschäft über die Lieferung von 400 Kampfpanzern und 212 Panzerhaubitzen ab.

Die Armee wächst

Die polnischen Streitkräfte zählen gegenwärtig 164.000 Soldatinnen und Soldaten, darunter 36.000 Mitglieder der freiwilligen Heimatschutzverbände. In den kommenden Jahren soll die Armee auf 250.000 Berufssoldaten und 50.000 Angehörige des Heimatschutzes wachsen.

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verzeichnet Deutschlands östlicher Nachbar ein gestiegenes Interesse am Dienst in der Armee. Die Streitkräfte hätten im vergangenen Jahr 13.742 neue Berufssoldaten gewinnen können, sagte Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak am Samstag in Lublin.

„Das ist ein Rekord seit der Abschaffung des Wehrdienstes“, zitiert die dpa Blaszczak. In Polen wurden zuletzt 2008 Wehrpflichtige eingezogen, wenig später wurde der Wehrdienst ausgesetzt. Um mehr Bürger für die Streitkräfte zu gewinnen, hat Polen einen freiwilligen Grundwehrdienst eingeführt.

Seit dem vergangenen Herbst gibt es zudem landesweit eintägige militärische Trainings für interessierte Bürger. Wegen der großen Nachfrage werde das Programm „Trainiere mit der Armee“ ein zweites Mal aufgelegt, kündigte Blaszczak an. Gab es im ersten Durchgang 4.000 Plätze für das Bürgertraining, so sollen es im Januar und Februar nun 8.000 Plätze werden.

Aufbau von Heimatschutzverbänden

Auch das Interesse am Dienst in den freiwilligen Heimatschutzverbänden (WOT) nimmt zu. Mittlerweile zähle der Heimatschutz 36.000 Soldatinnen und Soldaten, schrieb Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak Ende Dezember auf Twitter. In früheren Angaben des Verteidigungsministeriums in Warschau war die Zahl der Heimatschützer mit 32.000 angegeben worden.

Polens nationalkonservative PiS-Regierung hatte den Heimatschutz 2017 ins Leben gerufen. Freiwillige absolvieren zunächst eine 16-tägige Grundausbildung, bei der sie schießen lernen und sich mit den Grundregeln der Verteidigung sowie des Verhaltens in Bedrohungssituationen bekannt machen. Insgesamt dauert die Ausbildung, die hauptsächlich am Wochenende stattfindet, drei Jahre.

Die Staaten der NATO haben sich in Friedenszeiten das Ziel gesetzt, ihre Verteidigungsausgaben auf etwa zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu steigern. Spitzenreiter im Verhältnis von Wirtschaftskraft und Verteidigungsausgaben war nach Nato-Zahlen 2022 Griechenland mit einem Wert von 3,76 Prozent. Darauf folgten die USA mit 3,47 Prozent, die in absoluten Zahlen aber mit 822 Milliarden US-Dollar (753 Milliarden Euro) mehr als doppelt so viel Geld für Verteidigung ausgaben wie alle anderen Bündnisstaaten zusammen. Polen folgte an dritter Stelle mit 2,42 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In absoluten Zahlen waren das rund 17,8 Milliarden US-Dollar (16,3 Milliarden Euro).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Renk-Aktie: Dividende und Ausblick unter Druck
05.03.2026

Die Renk-Aktie schwankt weiter trotz Rekordumsätzen und stabiler Dividende. Analysten sehen Chancen für Investoren in einem geopolitisch...

DWN
Politik
Politik Putin-Gas: EU wird der Hahn abgedreht, Russland prüft vorzeitiges Embargo
05.03.2026

Putin erwägt, Gaslieferungen an die EU vorzeitig zu stoppen. Ein solches Vorgehen könnte die Energiepreise massiv anheizen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Überverantwortung im Job: Wenn Engagement zur Dauerbelastung wird – diese Lösungen gibt es
05.03.2026

Überverantwortung im Job gilt oft als Tugend: engagiert, gewissenhaft, verlässlich. Doch wer dauerhaft mehr trägt, als eigentlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und KI: Warum Maschinen die Cyberdevise bevorzugen
05.03.2026

Bitcoin behauptet sich als bevorzugtes Geld der Künstlichen Intelligenz – Fiatgeld verliert deutlich. Die Studie des BPI offenbart,...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank macht Verlust von 8,6 Milliarden Euro
05.03.2026

Die Bundesbank schreibt erneut Milliardenverluste, eine Auszahlung an den Bund bleibt aus. Die Geldpolitik der EZB hinterlässt tiefe...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Auswirkungen auf Russlands Krieg in der Ukraine
05.03.2026

Der Iran-Krieg überschattet den Ukraine-Konflikt und verunsichert Kiew wie Moskau. Besonders Waffenlieferungen und Drohnenstrategien...

DWN
Finanzen
Finanzen Merck-Aktie und US-Geschäft: Währungsprobleme und Generika belasten Ergebnis
05.03.2026

Die Merck-Aktie gerät unter Druck: Schwacher Dollar und Generika bremsen das Wachstum. Anleger müssen sich auf sinkende Gewinne und...

DWN
Politik
Politik China: Niedrigstes Wachstumsziel seit mehr als drei Jahrzehnten
05.03.2026

Chinas Wirtschaft verliert an Tempo – und die Führung in Peking senkt erstmals seit Jahrzehnten ihre Erwartungen. Das neue Wachstumsziel...