Deutschland

Deutschlands Schulden steigen rasant, werden immer teurer – und in Geheimhaushalten versteckt

Der Bund der Steuerzahler weist in einem Report auf bemerkenswerte und besorgniserregende Vorgänge bei den deutschen Staatsschulden hin.
31.01.2023 09:00
Aktualisiert: 31.01.2023 09:25
Lesezeit: 2 min
Deutschlands Schulden steigen rasant, werden immer teurer – und in Geheimhaushalten versteckt
Dezember 2020: Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler für das Land Niedersachsen im Fraktionssaal der CDU im niedersächsischen Landtag steht bei weit über 68 Milliarden Euro. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Der Bund der Steuerzahler schreibt in einem Bericht:

Die Staatsverschuldung in Deutschland wird sich dieses Jahr um schätzungsweise 118 Milliarden Euro erhöhen – 107 Milliarden Euro auf Bundesebene, 9 Milliarden bei den Ländern und 2 Milliarden auf Kommunalebene. Das entspricht einem sekündlichen Schuldenzuwachs von 3.744 Euro auf der Schuldenuhr Deutschlands, die der Bund der Steuerzahler (BdSt) heute umgestellt hat.

Problem Sondervermögen

Rund 90 Prozent des Schuldenzuwachses verantwortet allein der Bund: Er wird mit 107 Milliarden Euro Netto-Neuverschuldung beim Schuldenuhr-Tempo 2023 berücksichtigt.

Konkret: Neben der – im Bundeshaushalt ausgewiesenen – Netto-Kreditaufnahme in Höhe von 45,6 Milliarden Euro im Rahmen der Regel-Schuldenbremse berücksichtigt der BdSt weitere Kreditaufnahmen des Bundes, die nicht unmittelbar aus dem Haushaltsplan ersichtlich sind. Dazu gehören Kreditmittel zur Finanzierung der Rücklagen-Entnahme oder zur Finanzierung verschiedener Sondervermögen – zum Beispiel des Klima- und Transformationsfonds und des Bundeswehr-Sondervermögens.

Wichtig: Die 200 Milliarden Euro Schulden, die der Bund für die Energiepreisbremsen 2023 und 2024 einplant und über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds – also einen weiteren Nebenhaushalt – finanziert, hat der BdSt bereits im vergangenen Jahr in seiner Schuldenuhr vollständig erfasst. Deshalb zeigte die Schuldenuhr noch zum Jahresende 2022 einen sekündlichen Schuldenzuwachs von 11.240 Euro an.

BdSt-Präsident Reiner Holznagel kritisiert zum Thema: „Sondervermögen sind in Wirklichkeit zusätzliche Schulden. Diese ausgelagerten Haushalte verfügen teilweise sogar über eigene Kreditermächtigungen – unabhängig vom Bundeshaushalt – und werden die Staatsverschuldung kräftig steigen lassen.“

Flickenteppich bei den Länderetats

Doch nicht nur der Bund, sondern auch viele Bundesländer verschleiern das tatsächliche Ausmaß ihrer Verschuldung – zum Beispiel durch die Gründung von schuldenfinanzierten Fonds zur Transformation der Wirtschaft, zur Entschuldung von Kommunen oder zur Bewältigung der Klima- und Energiekrise. „Die Phantasie zur Umgehung der Schuldenbremse nimmt immer neue Ausmaße an“, kritisiert Holznagel und verweist auf drei interessante Fakten aus den Ländern:

10 Länder stecken tief im Krisenmodus. Mit knapp 5 Milliarden Euro ist das Land NRW Spitzenreiter bei der Netto-Neuverschuldung, das für dieses Jahr eine außergewöhnliche Notsituation erklärt hat – ebenso wie Brandenburg, Bremen und das Saarland.

3 Länder planen mit einer schwarzen Null: Hessen, Niedersachsen und Sachsen.

3 Länder haben sogar Netto-Tilgungen in ihren Haushaltsgesetzen verankert: Rheinland-Pfalz, Bayern sowie Thüringen.

Doch schon heute steht fest, dass wir die Schuldenuhr bald wieder aktualisieren müssen, weil einige Landtage ihre Länderetats noch gar nicht bewilligt bzw. die Landesregierungen bereits Nachtragshaushalte für das laufende Jahr angekündigt haben.

Schulden werden richtig teuer

Die hohe Verschuldung von Bund und Ländern erhöht auch die Tilgungs- und Zinslasten. Mehr noch: Bereits kurzfristig engt die Zinswende die knappen Handlungsspielräume ein!

Konkret: Mit Zinsausgaben von voraussichtlich knapp 56 Milliarden Euro in diesem Jahr werden sich die Kreditfinanzierungs-Kosten für den Bund und für die 16 Länder gegenüber 2021 (zusammen damals weniger als 13 Milliarden Euro) mehr als vervierfachen.

Fazit: Mit elfmal so hohen Zinslasten trifft es den Bund deutlich härter als die Länder, dessen Zinspflichten von 3,9 Milliarden im Jahr 2021 auf mehr als 44 Milliarden Euro in diesem Jahr explodieren.

BdSt-Präsident Reiner Holznagel macht deutlich, was jetzt zu tun ist: „Bund und Länder müssen ihre Haushalte konsequent konsolidieren, um nicht weiter im Schuldensumpf zu versinken. Die teuren Folgen einer anhaltenden Schuldenpolitik sind deutlich spürbar. Die Dringlichkeit liegt auf der Hand: Wenn trotz Rekord-Steuereinnahmen das Geld nicht reicht, sind Ausgabenkürzungen unumgänglich! Deshalb fordern wir eine Diskussion über Einsparungen in den öffentlichen Haushalten, mit mehr Transparenz und Ehrlichkeit – nämlich ohne Schulden, die in Nebenhaushalten versteckt sind. Mit Schulden werden wir weder das Klima retten, noch Generationengerechtigkeit schaffen. Und unser Wohlstand ist dann auch in Gefahr.“

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Märkte in Aufruhr: Trumps Einfluss und die Risiken in Venezuela treiben XRP zu einem beispiellosen Höhenflug.

Trotz der zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Caracas eröffneten US-Aktien leicht im Plus. Der Markt betrachtet die aktuelle...

DWN
Politik
Politik US-Handelspolitik: Wie Trumps Zollpolitik die Weltwirtschaft belastet
13.01.2026

Die Weltwirtschaft tritt in eine Phase wachsender Unsicherheit ein, in der politische Eingriffe und strukturelle Verschiebungen...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt auf Rekordhoch: Inflation, Fed-Konflikt und Verfallstag im Fokus
13.01.2026

Der DAX-Kurs bekommt Rückenwind aus den USA und hat ein neues Allzeithoch markiert. Doch zwischen Berichtssaison, Fed-Konflikt und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen zwischen Stabilität und Risiko: Ruhige Märkte trotz wachsender Unsicherheiten
13.01.2026

Die US-Börsen sind mit bemerkenswerter Ruhe ins neue Jahr gestartet, obwohl geldpolitische Weichenstellungen, geopolitische Risiken und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Munich Re-Erhebung: Klimawandel lässt Schäden durch Naturkatastrophen steigen
13.01.2026

Extreme Wetterereignisse verursachen weltweit Milliardenschäden, doch nicht jede Katastrophe trifft wie erwartet. Neue Analysen eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Zukunft: Der Balanceakt zwischen Wettbewerb, Sicherheit und Nachhaltigkeit
13.01.2026

Die Europäische Union steht vor industriellen Umbrüchen und geopolitischen Verschiebungen. Kann Europa Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quiet-Firing: Wann Sie ein Unternehmen verlassen sollten
13.01.2026

Kündigungen kommen selten überraschend – oft kündigen sie sich leise an. Wer die feinen Veränderungen im Verhalten von Vorgesetzten...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: Absatzdämpfer bei der Volkswagen-Kernmarke
13.01.2026

Sinkende Verkaufszahlen, regionale Unterschiede und ein schwacher Elektroabsatz setzen die Volkswagen-Kernmarke unter Druck. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gewinnmitnahmen auf Rekordniveau und neue Unsicherheiten
13.01.2026

Der Goldpreis schwächelt nach dem jüngsten Rekordhoch etwas. Gewinnmitnahmen, geopolitische Risiken und US-Inflationsdaten rücken nun in...