Politik

Verkehrsminister will EU-Verbrenner-Verbot noch entschärfen

FDP-Verkehrsminister Wissing hat gedroht, das Verbrenner-Verbot auf EU-Ebene noch zu blockieren. Damit provoziert er den grünen Koalitionspartner.
28.02.2023 22:43
Aktualisiert: 28.02.2023 22:43
Lesezeit: 1 min
Verkehrsminister will EU-Verbrenner-Verbot noch entschärfen
Bundesverkehrsminister Volker Wissing droht mit einer Blockade des EU-Verbrenner-Verbots. (Foto: dpa) Foto: Britta Pedersen

Kurz vor dem formalen Beschluss zum Verbrenner-Aus in der EU stellt Verkehrsminister Volker Wissing die Einigung und die deutsche Zustimmung wieder infrage. Der FDP-Politiker machte am Dienstag eine Regelung für den Einsatz sogenannter E-Fuels zur Bedingung für ein Ja Deutschlands und bringt damit das gesamte EU-Vorhaben ins Wanken. Da kein Vorschlag vorliege, könnte Deutschland so nicht zustimmen.

Das von den Grünen geführte Umweltministerium zeigte sich überrascht und verärgert: "Diese Zustimmung war mit den anderen Ressorts abgestimmt", sagte ein Sprecher. "Der Text, der nun im Rat bestätigt werden soll, ist unverändert. Deutschland steht hier auch in europäischer Verantwortung." Die FDP dringt seit langem auf den Einsatz von klimaneutralen E-Fuels mit denen der Verbrenner-Motor weiterbetrieben werden könnte.

Wenn sich die Koalition nicht einigt, muss sich Deutschland in den Abstimmungen in der Europäischen Union enthalten, was einer Blockade gleichkäme. Europäische Parlament, die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten hatten sich bereits im vergangenen Jahr auf das Verbrenner-Aus für Pkw ab 2035 verständigt. Das Parlament hat dies auch formal beschlossen.

Auf Drängen Deutschlands war die nicht verbindliche Aufforderung an die EU-Kommission eingefügt worden, Möglichkeiten für den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen zu prüfen. Mit diesen könnten Verbrennungsmotoren weiter betrieben werden.

Allerdings geht aus diesem "Erwägungsgrund" hervor, dass dies ab 2035 nicht mehr für neu zugelassene Pkw gelten kann. E-Fuels könnten dann theoretisch aber in älteren Gebrauchtwagen genutzt werden. Allerdings fußt der Passus eigentlich darauf, dass das Paket zunächst beschlossen wird. Wissing fordert aber zuvor Zusagen.

Sollte Deutschland sich beim Treffen der ständigen Vertreter der Staaten in dieser Woche enthalten, würde dies vermutlich die gesamte Einigung kippen. Grund ist, dass Italien und osteuropäische Länder ebenfalls Widerstand leisten und damit eine Blockade-Mehrheit hätten. Vermutet wird aber, dass bei einer erwarteten Enthaltung Deutschlands die Abstimmung gar nicht erst eingeleitet wird, um noch Lösungen zu finden. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung per App: Steuererklärung mit einem Klick startet im Juli bundesweit
16.02.2026

Am Handy mit einem Klick die Steuererklärung machen? Was lange wie ein unerfüllbarer Wunsch klang, soll ab Juli möglich werden....

DWN
Politik
Politik EU-Rechnungshof: Milliarden aus dem Corona-Aufbaufonds unzureichend vor Betrug geschützt
16.02.2026

Der Europäische Rechnungshof warnt vor erheblichen Defiziten beim Schutz von Milliardenmitteln aus dem Corona-Aufbaufonds der EU. Welche...

DWN
Technologie
Technologie KI-Einsatz in Unternehmen: Warum die Wirtschaft bislang nur punktuell profitiert
15.02.2026

Künstliche Intelligenz gilt als möglicher Hebel für höhere Produktivität in Unternehmen und Volkswirtschaften, doch ihr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Eurozonen-Wirtschaft: Übergang in einen neuen Konjunkturzyklus
15.02.2026

Die Eurozonen-Wirtschaft tritt laut Prognosen der Bank Citadele in einen neuen Konjunkturzyklus ein, getragen von sinkenden Zinsen und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mittelstand unter Druck: Datev-Analyse belegt beunruhigende Zahlen
15.02.2026

Die wirtschaftliche Lage im deutschen Mittelstand spitzt sich weiter zu: Kleine und mittelgroße Unternehmen stehen immer stärker unter...

DWN
Finanzen
Finanzen Investitionsstrategien im KI-Zeitalter: Kriterien für langfristige Wertschöpfung
15.02.2026

Künstliche Intelligenz prägt Investitionsentscheidungen und verändert die Bewertungsmaßstäbe an den Finanzmärkten. Wie lassen sich im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schlüsselindustrien im Umbruch: Deutschlands Rolle am europäischen Markt
15.02.2026

Deutschland steht vor neuen wirtschaftlichen Weichenstellungen in einem sich wandelnden europäischen Umfeld. Wie lässt sich unter diesen...

DWN
Politik
Politik Grenzwerte: Umweltbundesamt bestätigt ausreichende Luftqualität in Deutschland
15.02.2026

Die Europäische Union gibt Grenzwerte vor, die in den Ländern eingehalten werden müssen. Die Luftqualität in Deutschland hat im...