Deutschland

Studie: Deutschland ist wenig attraktiv für ausländische Fachkräfte

Könnte man die Attraktivität der Länder für Expats mit Autos vergleichen, dann wäre Deutschland wohl ein Trabi: lahm, veraltet, ineffizient. Bei einem weltweiten Vergleich ist Deutschland unter den Schlusslichtern. Woran liegt das?
07.04.2023 09:38
Aktualisiert: 07.04.2023 09:38
Lesezeit: 3 min

Könnte man die Attraktivität der Länder für Expats mit Autos vergleichen, dann wäre Deutschland wohl ein Trabi: lahm, veraltet, ineffizient. Der Vergleich hinkt zwar, aber dennoch zeigt ein weltweiter Vergleich von 52 Ländern, dass Deutschland von allen Nationen bei den Schlusslichtern dabei ist. Bei den Kategorien Umgang mit der Verwaltung, digitales Leben, Wohnen und Sprache, landet Deutschland gar auf dem letzten Platz (52). Woran liegt das?

Die politischen Herausforderungen, vor denen Deutschland aktuell steht, wie zum Beispiel die digitale Transformation, macht nicht nur der eigenen Bevölkerung zu schaffen. Zwei, der kritischen Aspekte, die bei der aktuellen Studie „Expat Insider 2022“ von 12.000 Expats weltweit, zu ihren Lebens- und Arbeitsbedingungen im jeweiligen Aufenthaltsland angegeben wurden, sind Dauerbrenner. Um es auf den Punkt zu bringen: Expats in Deutschland beklagen unter anderem die mangelnde digitale Infrastruktur. Und noch etwas empfinden sie als besonders „nervig“, salopp gesagt; den deutschen Verwaltungsapparat.

Warum sollte es ausländischen Arbeitskräften in Deutschland besser gehen als der eigenen Bevölkerung, die trotz Sprachvorteile und Heimatkenntnisse regelmäßig über absurde Bürokratiehürden stolpert? Behördengänge online erledigen, die unkomplizierte Eröffnung eines Bankkontos, ein leichter Antrag auf ein Visum für einen Umzug? Fehlanzeige. Alles ist umständlich und aufwendig, manchmal auch kompliziert, so die Meinung der Befragten. Wen wunderts bei solchen Erkenntnissen, dass in der Schweiz, das Land, welches die präzisesten Uhren der Welt herstellt, Expats mit diesen genannten Aspekten äußerst zufrieden sind.

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Die jährliche Studie untersucht die Erfahrungen von Expats weltweit und bewertet verschiedene Aspekte wie Lebensqualität, Arbeitsbedingungen und Integration. Trauriges Schlusslicht unter den 52 erfragten Ländern bildet, man mag es kaum glauben, Deutschland. Nun könnte die Sprache als besonders schwierige Überwindungshürde herangezogen werden, die Deutschland auf Platz 49 beim Thema Sprache verweist.

Allerdings fehlt die Rechtfertigung, warum das rustikale Schweizerisch (Platz 30) und eingängige Österreichisch (Platz 38) deutlich bessere Plätze belegen. Alle drei entstammen aus dem Alemannischen und liegen sprachlich nicht so weit auseinander. Interessant dabei ist, dass 59 Prozent der Expats in Deutschland sagen, die Landessprache gut bis sehr gut zu beherrschen. Doch mehr als die Hälfte finden es schwierig, diese zu erlernen. Ohne Sprachkenntnisse ist es in den meisten Ländern schwierig zu leben, doch in Deutschland scheint es besonders schwierig zu sein, gaben 46 Prozent an. Im weltweiten Vergleich finden das hingegen nur 32 Prozent.

Angespannter Wohnungsmarkt auch für die Expats

Insgesamt belegt Deutschland Platz 42 im Gesamtranking der Beliebtheitsskala. Nur Malta, Italien, Türkei, Südafrika, Japan, Luxemburg, Cypern, Hong Kong, Neuseeland und als Schlusslicht Kuwait, schneiden schlechter ab. Mit ein Grund für den abgeschlagenen Platz der Bundesrepublik ist der deutsche Wohnungsmarkt. In diesem Segment ist die Bewertung noch einmal düsterer ausgefallen (Platz 47). Gerade in Ballungsräumen und Industriestädten wie Stuttgart, Berlin oder Hamburg gestaltet sich die Suche nach geeignetem und bezahlbarem Wohnraum besonders schwierig. Dagegen erleben die Befragten die Wohnungssuche in Österreich (Platz 25) im Vergleich zu Deutschland oder der Schweiz eher als entspannt.

Die Top 10 Länder für Expats

Doch welches sind nun die Länder, die Expats uneingeschränkt empfehlen können? Die meisten Länder befinden sich nicht in Europa, das fällt sofort ins Auge. Der Reihe nach sind das von Platz eins bis Platz zehn: Mexico, Indonesien, Taiwan, Portugal, Spanien, Arabische Emirate, Vietnam Thailand, Australien und Singapur. Noch vor allen anderen Ländern, scheint Mexico das Leben und Arbeiten für Ausländer besonders attraktiv zu machen.

Tatsächlich belegt es den ersten Platz in den Unterkategorien „Lokale Freundlichkeit“, „Freunde finden“ und „Willkommenskultur“. Doch nicht alles gefällt den Ausländern im Land der Inkas. Auch hier gibt es bei der lokalen Bürokratie (53 Prozent) gegenüber allen anderen Regionen (39 Prozent im weltweiten Vergleich) viel zu beanstanden. Die schlechte Luft (36 Prozent vs. 19 Prozent weltweit) macht den Menschen im knapp 130 Millionen Land zu schaffen. Auch in Punkto Sicherheit (Patz 47) gaben die meisten an, sich dort nicht sicher zu fühlen.

Zu etwas anderen Ergebnissen kommt die Studie „The Global Expat Index 2021" von HSBC. Auf Platz eins des Expat-Lebens kommt hier die Schweiz, vor Australien und Neuseeland. Allerdings lassen sich die Umfragen nicht vergleichen, da hier andere Fragestellungen im Vordergrund standen. Schaut man auf die beliebtesten Städte zum Leben, so findet man im Expat City Ranking 2022 des Münchner Unternehmens InterNations, gleich zwei spanische Städte.

Auf Platz eins ist hier die südspanische Stadt Valencia von fünfzig möglichen Städten weltweit. Dies gilt auch für den Index zur Lebensqualität (ebenfalls Platz eins). Öffentlicher Nahverkehr, Freizeitsport, Sicherheit und Lebenshaltungskosten bekamen von den Befragten Bestnoten. Auf Platz fünf und mit ähnlicher Lebensqualität liegt Madrid. Frankfurt landet im Expat Basic Index auf dem 50 und damit letzten Platz. Die Erfahrungen mit den Themen digitale Infrastruktur, Sprache, Wohnen und Bürokratie schreckten die Expats dermaßen ab, dass sie die Stadt nicht weiterempfehlen können.

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Sofia Delgado ist freie Journalistin und arbeitet seit 2021 in Stuttgart, nachdem sie viereinhalb Jahre lang in Peking gelebt hat. Sie widmet sich gesellschaftskritischen Themen und schreibt für verschiedene Auftraggeber. Persönlich priorisiert sie die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit, als dringendste Herausforderung für die Menschheit.

 

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