Deutschland

Mängel an Windrädern kosten Siemens Energy Milliarden

Die Probleme der Windräder von Siemens Gamesa sind größer als gedacht. Alle Anlagen müssen geprüft werden. In der Folge rutscht Siemens Energy noch tiefer in die roten Zahlen.
22.06.2023 23:10
Aktualisiert: 22.06.2023 23:10
Lesezeit: 2 min

Im Windkraft-Geschäft des Münchner Energietechnik-Konzerns Siemens Energy gibt es offenbar tiefgreifendere und damit teurere Probleme als gedacht. Bei einigen Komponenten der Windturbinen von Siemens Gamesa habe man "deutlich erhöhte" Ausfallraten festgestellt, räumte Siemens Energy am Donnerstag ein. Nun würden alle installierten Windräder überprüft. Sie zu reparieren oder die Teile zu ersetzen, werde voraussichtlich eine Milliardensumme kosten. Im Januar hatte Gamesa bereits eine knappe halbe Milliarde Euro für Garantie- und Wartungskosten zurückgestellt, weil Teile an den Windrädern gehäuft ausfielen.

Die Gewinnprognose für Siemens Energy sei daher nicht mehr zu halten. Dabei hatte der Münchner Konzern für 2022/23 (Ende September) schon bisher mit einem auf mehr als 800 Millionen Euro steigenden Nettoverlust gerechnet.

"Der derzeitige Stand der technischen Überprüfung legt nahe, dass für die Erreichung der angestrebten Produktqualität bei bestimmten Onshore-Plattformen wesentlich höhere Kosten anfallen werden als bisher angenommen", hieß es in der Mitteilung. Auch die erhofften Verbesserungen bei der Produktivität von Siemens Gamesa blieben hinter den Erwartungen zurück. Holprig läuft es auch im Geschäft mit Windrädern auf hoher See: "Darüber hinaus sehen wir weiterhin Schwierigkeiten beim Hochlauf der Fertigungskapazitäten im Offshore-Bereich", erklärte Siemens Energy.

Börsianer reagierten geschockt. Die im Leitindex Dax notierte Siemens-Energy-Aktie, die vorher nahe ihres Jahreshochs lag, brach im Späthandel um 11,4 Prozent auf 20,35 Euro ein.

Auch bei Siemens Energy stellt man sich nun Grundsatzfragen, wie es mit dem Sorgenkind aus Spanien weitergeht. Man überprüfe "die wesentlichen Annahmen, die den Geschäftsplänen zugrunde liegen", hieß es in der Mitteilung. Was das finanziell bedeute, sei noch nicht absehbar. Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hatte zuletzt noch auf die Wende zum Besseren bei der Windenergie-Tochter gehofft. Siemens Gamesa profitiere von der Energiewende: "Die Preise haben sich gut entwickelt." Er gehe davon aus, dass das so weitergehe, hatte Bruch im Mai gesagt.

Siemens Gamesa, einer der weltgrößten Hersteller von Windrädern, hält den Konzern seit Jahren in Atem. Wiederholt machten die Spanier Siemens Energy einen Strich durch die Ergebnis-Rechnung. Schließlich sollte der aus München entsandte Sanierer Jochen Eickholt bei Gamesa aufräumen und das spanische Unternehmen stabilisieren. Doch auch ihm bläst der Wind ins Gesicht. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Politik
Politik Analyse: Europa steht geschlossen gegen China, verschärft aber den Konflikt um den Milliardenhaushalt
16.10.2026

Die EU sieht erste Fortschritte im Handelskonflikt mit China. Doch das Defizit wächst weiter, und Brüssel bereitet bereits neue...

DWN
Politik
Politik Deal um Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich haben sich geeinigt
16.10.2026

Deutschland setzt sich dafür ein, dass weiter Neuwagen mit Verbrennungstechnologie zugelassen werden können. Frankreichs Präsident...

DWN
Finanzen
Finanzen Unser neues Magazin ist da: Steigende Zinsen, nervöse Börsen – Chancen für Ihr Kapital
16.10.2026

Das eigene Vermögen soll Sicherheit geben. Doch steigende Zinsen und nervöse Märkte machen derzeit Anlageentscheidungen schwieriger. Wer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IWF-Warnung: Warum der KI-Boom eine neue Krise auslösen könnte
16.10.2026

Die Weltwirtschaft wächst, doch unter der Oberfläche braut sich eine gefährliche Mischung zusammen: Staaten häufen Rekordschulden an,...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Einer der größten Käufer beginnt zu verkaufen
16.10.2026

Jahrelang kauften Zentralbanken Gold in außergewöhnlichem Umfang. Nun schlägt mit Kasachstan einer der größten Käufer einen anderen...

DWN
Politik
Politik Frühstartrente: Bundestag entscheidet über zehn Euro für Kinder
16.10.2026

Mit der Frühstartrente will der Staat Kindern monatlich zehn Euro für ein langfristiges Aktiendepot geben. Wer zuerst von der...

DWN
Politik
Politik Wer ist wer in den Kriegen im Nahen Osten
16.10.2026

Zehn Punkte zu Staaten, Rebellen und politischen Gruppen, die für Kriege, Lieferwege und Energiepreise entscheidend sind.

DWN
Politik
Politik Energiewende: CO2-Preis soll stabil bleiben im nächsten Jahr
16.10.2026

Der CO2-Preis, der Heizen und Tanken teuer macht, soll mit dem Jahreswechsel nicht steigen. Das soll Verbraucher vor Preissprüngen...