Technologie

Milliarden-Investition: Bosch baut künftig Wasserstoff-Motoren

Bosch investiert Milliarden in Wasserstoff und kündigt den Produktionsstart des Brennstoffzellen-Antrieb an. Zugleich fordert Bosch, dass der Staat mehr Geld in die Infrastruktur stecken soll. Anderenfalls wird sich die Alternative zur Batterie nicht durchsetzen können.
13.07.2023 20:44
Aktualisiert: 13.07.2023 20:44
Lesezeit: 2 min
Milliarden-Investition: Bosch baut künftig Wasserstoff-Motoren
Mitarbeiter der Robert Bosch GmbH montieren in der Fertigung Brennstoffzellen-Antriebssysteme für die Stromerzeugung aus Wasserstoff in Fahrzeugen. Das sogenannte Fuel-Cell-Power-Module (FCPM) wird vor allem in Nutzfahrzeugen, und dort in der Langstrecken-Anwendung, eingesetzt. (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

Der Technologiekonzern Bosch will ein großer Spieler am Zukunftsmarkt Wasserstoff werden und drängt die Politik in Europa zu mehr Förderung der klimafreundlichen Technologie. Mit Investitionen von 2,5 Milliarden Euro im Zeitraum 2021 bis 2026 setzt der Stiftungskonzern aus Stuttgart an mehreren Hebeln an: Dem Brennstoffzellen-Antrieb für Lkw, dessen Serienproduktion am Donnerstag anlief, ein für 2024 angekündigter Wasserstoff-Motor, die stationäre Brennstoffzelle zur Energieerzeugung und die Wasserstoff-Erzeugung mit Elektrolyseuren. „Bosch macht ernst mit dem Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft“, sagte Markus Heyn, Chef der Autozuliefer-Sparte Mobility von Bosch bei einem Technologietag in Stuttgart.

Konzernchef Stefan Hartung mahnte die Politik in Europa mit Hinweis auf hohe Subventionen in den USA zu mehr staatlicher Förderung von Forschung und Entwicklung sowie des Aufbaus der Infrastruktur. „Egal ob in Europa oder den USA, der Staat ist gefordert, dass Henne-Ei-Problem zu lösen zwischen Infrastruktur und Marktentwicklung.“ Noch habe Europa beim Wasserstoff einen technologischen Vorteil. Doch in Asien entwickele sich der Markt „atemberaubend“ schnell, so dass mehr Tempo notwendig sei, den Vorsprung zu halten, betonte Heyn. In dieser Woche hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bei seiner Sommerreise Bosch einen Förderbescheid von gut 160 Millionen Euro zur Fertigung stationärer Brennstoffzellensysteme überbracht. Deutschland verfolgt als eines der ersten Länder seit 2020 eine Wasserstoff-Strategie, die jetzt aktualisiert wird. Nach dem Reuters vorliegenden Entwurf sieht der Plan der Bundesregierung den Aufbau eines Leitungsnetzes bis 2030 vor.

Wasserstoff-Motor ab 2024

Der Brennstoffzellen-Antrieb ist nach Ansicht des weltweit größten Autozulieferers für Langstrecken-Lkw die bessere Option im Vergleich zur Batterie. Diese Strategie verfolgen auch Schwerlaster-Weltmarktführer Daimler Truck zusammen mit dem schwedischen Konkurrenten Volvo, während die Volkswagen-Tochter Traton ausschließlich auf die energieeffizientere Batterie setzt. Am Bosch-Standort Stuttgart-Feuerbach begann die Fertigung der Antriebssysteme für den Pilotkunden Nikola, einen Hersteller emissionsfreier Laster aus den USA. Ob dieser sich am Markt durchsetzen kann, ist ungewiss. Das Unternehmen kämpft Analysten zufolge mit Finanzierungsproblemen. Gleichzeitig läuft bei Bosch auch in China im Werk Chongqing die Produktion solcher Antriebe an. Auch für die USA gebe es Fertigungspläne. In den ersten Jahren sei mit Stückzahlen von einigen Tausend zu rechnen, dann hoffentlich mit Zehntausenden, sagte Heyn.

In der Nutzfahrzeugbranche sehen manche einen Verbrennungsmotor auf Wasserstoff-Basis als Alternative – so jetzt auch Bosch. Dabei wird Wasserstoff (H2) verbrannt statt zur Strom-Erzeugung genutzt, wobei kaum Stickoxid-Abgase entstehen sollen. Ein H2-Motor ermögliche einen schnellen, kostengünstigen Einstieg in einen CO2-neutralen Antrieb, da bestehende Fertigungstechnologie genutzt werden könne, erklärte Heyn. Der H2-Motor soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Er sei für schwere Fahrzeuge in Land- und Forstwirtschaft geeignet, für die eine Batterie schlicht zu schwer wird.

„Bosch wächst mit Wasserstoff“, erklärte Hartung. Für 2030 hat sich der Stiftungskonzern einen Umsatz von fünf Milliarden Euro mit der Technik vorgenommen. Dann werde jedes fünfte neue Nutzfahrzeug ab sechs Tonnen weltweit mit Wasserstoff für den Brennstoffzellen-Antrieb unterwegs sein, prognostizierte der weltweit größte Autozulieferer. Das Wasserstoff-Geschäft biete zudem Beschäftigungschancen. Bei Bosch sind noch Zehntausende Arbeitsplätze vom langfristig verschwindenden Verbrennungsmotor abhängig. Standorte und Arbeitsplätze werden nach und nach auf alternative Antriebe oder Software-Produkte umgestellt. Der Großteil der über 3000 Mitarbeitenden in der Wasserstoff-Technik weltweit sei früher mit fossiler Antriebstechnik beschäftigt gewesen. „Wie groß die Chancen von Wasserstoff auf Dauer in Deutschland sind, hängt von den politischen Rahmenbedingungen ab“, sagte Hartung.

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