Unternehmen

Drohende Rezession: Ifo-Index sinkt zum dritten Mal in Folge

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft trübt sich weiter ein. Das Konjunktur-Barometer des ifo-Instituts fällt zum dritten Mal in Folge. Ein Rezession wird damit immer wahrscheinlicher.
25.07.2023 12:11
Aktualisiert: 25.07.2023 12:11
Lesezeit: 2 min
Drohende Rezession: Ifo-Index sinkt zum dritten Mal in Folge
Güterzugwaggons und Container stehen im Umschlagbahnhof Leipzig-Wahren. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Die Stimmung in den Chefetagen der Wirtschaft trübt sich weiter ein und nährt die Sorge vor einer Rezession im zweiten Halbjahr. Das Ifo-Geschäftsklima sank im Juli auf 87,3 Punkte von 88,6 Zählern im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Es war bereits der dritte Rückgang in Folge.

Dies gilt unter Fachleuten als Signal für eine negative Trendwende. Von Reuters befragte Fachleute hatten lediglich mit einem Rückgang auf 88,0 Punkte gerechnet. „Die Lage der deutschen Wirtschaft verdüstert sich“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Unternehmen waren insbesondere mit den laufenden Geschäften merklich unzufriedener. Auch die Erwartungen gaben erneut nach.

Damit droht dem Ifo-Institut zufolge eine Sommerrezession. „Die Schwächephase der deutschen Wirtschaft geht in die Verlängerung“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im laufenden dritten Quartal voraussichtlich sinken, nachdem es im Frühjahr in etwa stagniert haben dürfte. Das Statistische Bundesamt will am Freitag eine erste Schnellschätzung zur Entwicklung des BIP im zweiten Quartal veröffentlichen.

Kaum Lichtblicke in der Industrie

Das Ifo-Barometer zeigt, dass sich die Stimmungseintrübung durch alle Sparten zieht. Insbesondere die Industrie schwächelt: „Die Unternehmen können zwar die bestehenden Aufträge besser abarbeiten, weil die Lieferengpässe kontinuierlich zurückgehen“, sagte Wohlrabe. „Aber es kommen weniger neue Aufträge nach.“ In der Industrie gebe es kaum Lichtblicke. Und im Bauhauptgewerbe ist das Ifo-Barometer sogar auf den niedrigsten Stand seit Februar 2010 abgesackt.

Die deutsche Wirtschaft war Ende 2022 und Anfang 2023 jeweils zum Vorquartal geschrumpft und befindet sich seither in einer sogenannten technischen Rezession. Im zweiten Quartal dürfte sich die Konjunktur laut der Bundesbank zwar wieder leicht berappelt haben. Einer Studie zufolge ist jedoch die Gefahr einer Rezession bis in den Spätsommer hinein sprunghaft gestiegen. Dazu passt der jüngste Einkaufsmanagerindex. Dieser signalisiert, dass die Wirtschaft angesichts einer Auftragsflaute zu Beginn des zweiten Halbjahrs wohl geschrumpft ist.

„Selbst wenn das deutsche Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal etwas gestiegen sein sollte, deutet der breit basierte Rückgang der Frühindikatoren auf ein erneutes Schrumpfen der deutschen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte hin“, so die Analyse von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wenn kleine digitale Geschenke mit Miete, Strom und Essen konkurrieren

Die Haushaltskasse leidet nur selten unter diesem Drama. Der Druck baut sich erst langsam auf: durch die Miete, steigende Stromrechnungen,...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teure Quittung an der Zapfsäule: Energiekrise belastet Familienbudget
17.04.2026

Der anhaltende Iran-Krieg entwickelt sich zunehmend zu einer sozialen Zerreißprobe für Deutschland. Während die Ölpreise auf den...

DWN
Technologie
Technologie Digital-Gesetz steht: Justizministerin verschärft Kampf gegen Netz-Gewalt
17.04.2026

Die Bundesjustizministerin zieht die Zügel im Internet an: Mit einem neuen Gesetzentwurf will Stefanie Hubig (SPD) den Wildwest-Zuständen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Grünes Licht für die Kaufprämie: Bundestag besiegelt E-Auto-Zuschuss
17.04.2026

Die Rückkehr der staatlichen Förderung für Elektrofahrzeuge ist beschlossene Sache: Der Bundestag hat den Weg für das neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schutz vor Schuldenfallen: Bundestag verschärft Regeln für Kredite
17.04.2026

Ob beim schnellen Online-Kauf oder dem klassischen Bankgespräch – für Verbraucher gelten künftig strengere Leitplanken bei der...

DWN
Politik
Politik Umfrage-Beben: AfD erstmals stärkste Kraft – Quittung für Schwarz-Rot
17.04.2026

Die politische Landschaft in Deutschland gerät ins Wanken: Laut aktuellem ZDF-Politbarometer hat die AfD die Union überholt und rangiert...

DWN
Politik
Politik Unser neues Magazin ist da: Ein Jahr Merz-Regierung – eine schonungslose Analyse
17.04.2026

Deutschland sucht nach Orientierung in unruhigen Zeiten. Die politische Reformpflicht trifft auf wirtschaftliche Unsicherheit – und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaft im Dauertief: Experten warnen vor beispielloser Krisenschleife
17.04.2026

Die deutsche Wirtschaft steckt fest – und ein Ende der Durststrecke ist laut Experten nicht in Sicht. Nach einer aktuellen Umfrage unter...

DWN
Politik
Politik Mission „Freier Seeweg“: Westliche Partner planen Schutz für Straße von Hormus
17.04.2026

Nach der Blockade einer der wichtigsten Lebensadern der Weltwirtschaft blicken die westlichen Alliierten auf die Zeit nach dem Iran-Krieg....