Politik

Wegen CO2-Steuer: Benzin wird 4 Cent teurer

Die Bundesregierung rechnet mit deutlichen Mehreinnahmen für den Klima- und Transformationsfonds, da die Bürger künftig noch mehr für das beim Heizen und Tanken entstehende CO2 zahlen müssen.
09.08.2023 13:34
Aktualisiert: 09.08.2023 13:34
Lesezeit: 3 min

Die Bundesregierung hat den Entwurf für den Klima- und Transformationsfonds (KTF) auf den Weg gebracht, aus dem 2024 Milliardensummen etwa zur Gebäudesanierung, Elektromobilität und zur Ansiedelung von Halbleiter-Fabriken fließen sollen. Geplant sich auch höhere Einnahmen aus dem Kohlendioxid-Preis für Öl und Gas, der Benzin und Diesel im kommenden Jahr um etwa vier Cent pro Liter verteuern könnte. Neu hinzugekommen sind in dem am Mittwoch vom Kabinett gebilligten Wirtschaftsplan des KTF Ausgaben von 12,5 Milliarden Euro für die Bahn bis 2027 und milliardenschwere Subventionen für Halbleiter-Fabriken etwa von Intel und TSMC. Auch die Förderung für einen Umstieg auf klimafreundliche Heizungen kommt aus dem KTF.

"Wir schaffen Grundlagen, damit aus Dekarbonisierung und Digitalisierung Zukunftschancen erwachsen", erklärte Finanzminister Christian Lindner (FDP). "Dabei lassen wir Menschen und Betriebe nicht allein." Die geplante Anhebung des CO2-Preises etwa für Benzin und Gas nannte Lindner maßvoll. "Wir müssen bei der CO2-Bepreisung mit Augenmaß vorgehen, gerade angesichts der aktuellen Wachstumsschwäche."

Der CO2-Preis soll 2024 nach Reuters-Informationen aus der Regierung um zehn Euro auf 40 Euro pro Tonne Kohlendioxid steigen. Nach Branchenberechnungen werden Benzin und Diesel dadurch um etwa vier Cent pro Liter teurer. Für 2025 plant die Regierung 50 Euro pro Tonne. Konkret festgelegt werden soll dies im Haushaltsfinanzierungsgesetz, das für kommenden Mittwoch im Kabinett geplant ist. Es regelt auch die Einsparungen im Bundesetat für 2024, wie etwa Kürzungen beim Elterngeld für hohe Einkommen und einen geringeren Rentenzuschuss des Bundes.

FÖRDERSCHWERPUNKT GEBÄUDE - 24 MRD EURO FÜR DIE BAHN

Das Kabinett billigte im Umlaufverfahren ohne Sitzung den Wirtschaftsplan, über dessen Entwurf Reuters am Dienstagabend berichtet hatte. Die Regierung rechnet für 2024 mit Einnahmen von gut 10,9 Milliarden Euro aus dem CO2-Preis, den Verbraucher beim Tanken sowie beim Heizen mit Öl und Gas zahlen müssen. Das wären 2,3 Milliarden Euro mehr als in diesem Jahr.

Der Wirtschaftsplan sieht für 2024 Programmausgaben von rund 57,6 Milliarden Euro vor. Von 2024 bis 2027 werden insgesamt 211,8 Milliarden bereitgestellt. Der Plan regelt die Ausgaben und Einnahmen des Fonds, der keinerlei Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt mehr erhalten soll. Bis Ende 2023 dürften sich dort Rücklagen von über 70 Milliarden Euro angesammelt haben.

Der Großteil der Ausgaben entfällt auf Programme des Wirtschaftsministeriums unter Robert Habeck (Grüne). Dessen Ressort sprach von einem "wichtigen Schub für Investitionen in Zukunftstechnologien und Klimaschutz". Förderschwerpunkt 2024 sei der Gebäudebereich mit allein 18,8 Milliarden Euro für die Bundesförderung energieeffiziente Gebäude und damit rund 1,9 Milliarden Euro mehr als 2023. Darunter fällt die Abfederung der Kosten beim Umstieg auf klimafreundliche Heizungen, die im Gebäudeenergiegesetz vorgesehen ist, das der Bundestag Anfang September verabschieden soll. Die konkrete Förderung ist indes Teil einer Verordnung, die noch nicht vorliegt.

Erstmals sind im KTF auch Investitionen in die Eisenbahn-Infrastruktur vorgesehen, und zwar in Höhe von vier Milliarden Euro für 2024. Für den Zeitraum bis 2027 sind demnach 12,5 Milliarden Euro aus dem KTF zusätzlich zu den 11,5 Milliarden Euro geplant, die der Bund im Haushalt bereits vorsieht. Zur Förderung der Halbleiterproduktion stehen im Jahr 2024 rund vier Milliarden Euro und für den Aufbau der Wasserstoffindustrie insgesamt rund 3,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Insgesamt will die Bundesregierung Halbleiterprojekte bis 2029 mit 20 Milliarden Euro subventionieren. Ab 2024 kommt das Geld aus dem KTF, darunter über mehrere Jahre auch bis zu fünf Milliarden Euro für eine Halbleiterfabrik der taiwanischen TSMC in Dresden.

Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Klimageld als sozialer Ausgleich für CO2-Preise taucht im Wirtschaftsplan nicht auf. "Noch in dieser Legislaturperiode schaffen wir die Voraussetzungen, um Einnahmen aus dem Emissionshandel direkt an die Bürgerinnen und Bürger auszahlen zu können", sicherte Lindner lediglich zu. Der Wirtschaftsplan wird im September mit dem Entwurf für den Bundesetat 2024 und den Finanzplan bis 2027 im Bundestag beraten. Die Entscheidung über den gesamten Etat fällt erst zum Abschluss der Haushaltswoche am 1. Dezember. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street erholt sich nach Fed-Zinserhöhung
17.09.2026

Nach turbulenten Tagen fassen die Anleger wieder Mut – das sind die wichtigsten Treiber der jüngsten Kursbewegung.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Landgericht Frankfurt entscheidet: Meta muss für betrügerische Social-Media-Anzeigen haften
17.09.2026

Fake-Werbung auf Plattformen wie Facebook und Instagram bleibt für Meta nicht länger ohne rechtliche Folgen. Nach einer Entscheidung des...

DWN
Politik
Politik Unerwartete Wende: Russland behält Kontrolle über wichtige Basen am Mittelmeer
17.09.2026

Nach dem Sturz von Bashar al-Assad schien Russlands militärische Präsenz in Syrien infrage zu stehen. Doch nun zeigt sich eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise in Europa: Warum Anleger plötzlich profitieren können
17.09.2026

Die Ruhe an Europas Energiemärkten war offenbar nur geliehen. Öl und Gas verteuern sich wieder, die Inflation bleibt hartnäckig und die...

DWN
Panorama
Panorama Zuwanderung bremst Trend: Immer mehr Menschen in Deutschland leben wieder in Familien
17.09.2026

Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland wohnt zusammen mit Eltern oder Kindern in einem Haushalt. Nach einer langen Phase des...

DWN
Politik
Politik Überwachung und Chat-Weitergabe: BGH lässt EuGH-Datenschutzregeln im Privatleben klären
17.09.2026

Darf man Angehörige heimlich filmen oder private WhatsApp-Nachrichten an Dritte weiterleiten? Zwei verfahrene Alltagsstreitigkeiten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Comeback mit Verbrennungsmotoren: Volvo schaltet auf gemischten Antrieb um
17.09.2026

Volvo will den Weg aus der Krise schaffen und setzt dabei wieder verstärkt auf Verbrenner. Neue Fahrzeugmodelle sollen dem schwedischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerkschaftsstudie: Gesenkte Gastronomie-Mehrwertsteuer bringt Gästen keine Preisvorteile
17.09.2026

Seit Jahresbeginn gilt für Restaurantspeisen der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Trotzdem verzeichnen Verbraucher...