Ratgeber

Aktive ETFs: Ist eine Überrendite drin?

Aktive ETFs haben enormen Zulauf. Schaffen es die aktiv gemanagten ETFs, eine Überrendite gegenüber den passiven Pendants zu erzielen?
Autor
23.08.2023 09:50
Aktualisiert: 23.08.2023 09:50
Lesezeit: 3 min
Aktive ETFs: Ist eine Überrendite drin?
Aktive ETFs betreiben Stock-Picking und Market-Timing, um eine Outperformance zu erzielen. (Foto: iStock.com/ Ratana21) Foto: Ratana21

Die meisten Anleger verstehen unter ETF einen Fonds, der einen Index abbildet. Doch tatsächlich bezeichnet ETF (Exchange Traded Fund, zu deutsch börsengehandelter Fonds) bloß einen Fonds, der über einen Zwischenhändler – den Market-Maker – an den Börsen handelbar ist.

Bei normalen Fonds gibt die Kapitalverwaltungsgesellschaft einmal täglich Anteile zu einem festen Preis aus und nimmt diese zurück. Der zentrale Unterschied ist also die Preisfeststellung an der Börse über einen Market-Maker.

Daher gibt es auch aktive ETFs, bei denen ein Fondsmanager entscheidet und kein Index nachgebildet wird. Dabei reicht das Spektrum von ETFs, bei denen der Fondsmanager vollkommen frei entscheidet bis hin zu Dach-ETFs, die bloß die Gewichtung der Anlageklassen im Zeitablauf verändern und die einzelnen Anlageklassen über indexbasierte ETFs abbilden.

Wie intensiv der Fondsmanager handelt, lässt sich über Kennzahlen wie Active Share oder Tracking Error ablesen. Ein bekannter aktiver ETF ist etwa der Tech-lastige „Ark Innovation ETF“ der US-Investorin Cathie Wood.

Aktive ETFs gewinnen schnell Marktanteile

Laut dem ETF-Anbieter ishares werden aktive ETFs immer beliebter. Demnach betrug der Anteil am globalen verwalteten ETF-Vermögen im Jahr 2019 noch 2,4 Prozent. Bis zum zweiten Quartal 2023 stieg die Zahl auf 5,3 Prozent.

Besonders in den USA sind aktive ETFs populär. Seit dem Jahr 2020 waren 63 Prozent aller neu lancierten ETFs aktiv gemanagt, wie ishares berichtet. In Deutschland sind laut der Börse Frankfurt 103 aktive ETFs zugelassen. Das entspricht zahlenmäßig etwa 0,5 Prozent (von insgesamt 1972 ETFs).

Experten sind gleichwohl kritisch. Etwa würde der Honorar-Finanzanlagenberater Thomas Vollkommer nicht dazu raten, wie er auf DWN-Anfrage erklärt. Aktives Management bringe in effizienten Märkten nachweislich keinen Mehrwert, sondern eher das Gegenteil. „Darüber hinaus fallen unnötig hohe Kosten an.“ Allenfalls nach festen Regeln investierende Faktor-ETFs seien sinnvoll, die aber nach seinem Verständnis keine aktiven ETFs seien.

Auch Gerasimos Rompotis mahnt zur Vorsicht. Der Finanzwissenschaftler der Kapodistrias-Universität Athen hat in den vergangenen 15 Jahren mehrere Studien zur Performance von aktiven ETFs veröffentlicht. „Aktive ETFs sollten nur von risikofreudigen Privatanlegern gewählt werden, die eine höhere Wahrscheinlichkeit eines Performanceausfalls und eine erhöhte Kostenbasis tolerieren können“, erklärt er schriftlich gegenüber DWN.

Die Forschung habe gezeigt, dass aktive ETFs häufig nicht mehr Chancen auf höhere Renditen eröffneten als die passiven Pendants. Auch im Vergleich zu Benchmarkindizes und passiv gemanagten ETFs blieben die Fonds hinter den Erwartungen zurück, erklärt Rompotis.

Nach DWN-Beobachtung bescheinigen die meisten Studien aktiven ETFs eine Performance, die unter dem Marktschnitt liegt. Manche Autoren finden aber auch Hinweise auf eine Outperformance.

Mehrere Studien finden keine Outperformance

Rompotis verglich in einer Studie aus dem Jahr 2022 insgesamt 50 aktive US-Aktien-ETFs mit dem Index S&P 500. Die Daten reichten über einen Zeitraum von vier Jahren (von 2018 bis 2021). Demnach konnten die meisten aktiven ETFs den Index nicht schlagen. „Die Manager von aktiven ETFs scheinen nicht über herausragende Market-Timing-Fähigkeiten zu verfügen“, berichtet Rompotis.

Forscher der Universität Auburn untersuchten einen etwas längeren Zeitraum von 2008 bis 2019. Dabei verglichen sie 53 aktive ETFs mit 427 indexbasierten ETFs.

Bei den aktiven ETFs, die in globale Aktien und Aktien aus Industrieländern investierten, konnten sie keine signifikant bessere Performance feststellen. Bei den 33 aktiven ETFs, die sich auf US-Aktien beschränkten, war die risikobereinigte Rendite sogar zwischen 1,8 und 2,8 Prozent pro Jahr geringer.

Die beiden US-Wissenschaftler fanden außerdem Hinweise darauf, dass die meisten aktiven ETFs sehr indexnah investieren und daher Closet Indexer sein könnten. Dazu untersuchten sie den Tracking Error. Dieses Maß gibt an, wie sehr sich die Performance des ETF von einem Vergleichsindex unterscheidet. „Wir stellen fest, dass aktive ETFs nicht aktiv sind, obwohl sie den Anlegern höhere Kostenquoten in Rechnung stellen“, heißt es in der Studie aus dem Jahr 2021.

Gegenüber DWN führt Gerasimos Rompotis die Underperformance nicht nur auf die höheren Verwaltungsgebühren zurück. „Anlagetechniken, die sich hauptsächlich auf den Kauf erfolgreicher Aktien konzentrieren, schränken die Diversifizierungsvorteile von ETFs ein. Mit den Top-Performern in einem Portfolio ist es nicht einfach, den gesamten Markt zu schlagen“, erklärt er.

Zweifel am Nutzen von aktivem Management

Laut Finanzexperten bringt aktives Management in informationseffizienten Märkten keinen Vorteil. „Je aktiver ein Manager umschichtet und je stärkere Wetten gegen den Markt er eingeht, umso schlechter ist im Durchschnitt seine Rendite“, erklärte etwa der Portfoliomanager Andreas Beck gegenüber DWN.

Wer sich seinen Kunden verantwortlich fühle, der entferne sich nicht allzu weit vom Markt. „Das gilt natürlich nur für Basisanlagen, als Beimischung auf exotische Aktienkörbe etc. zu setzen ist ein anderes Spiel, das kann man natürlich machen“, schreibt Beck weiter.

Auch Markus Schuller vom Finanzdienstleister Panthera Solutions, der Fondsmanager weiterbildet, rät Privatanlegern von aktiven Fonds bei gelisteten Aktien und Anleihen aus entwickelten Ländern ab. „Als Privatanleger sollte man nicht in aktive Fonds investieren, solange in Märkte mit relativ hoher Effizienz alloziert wird“, erklärte er.

Elias Huber

Elias Huber arbeitet als freier Journalist und Honorar-Finanzanlagenberater. Der studierte Volkswirt schreibt vor allem über die Themen Wirtschaft und Geldanlage. 

DWN
Technologie
Technologie Meta: WhatsApp-Inkognito-Modus kommt für KI-Unterhaltungen
25.05.2026

Meta erweitert WhatsApp um neue KI-Funktionen und verspricht dabei mehr Datenschutz. Nutzer sollen künftig inkognito mit der Meta AI...

DWN
Politik
Politik US-Politikwissenschaftler: Der Schwerpunkt der NATO verlagert sich nach Osten, nur Europa hat das noch nicht begriffen
24.05.2026

Die NATO verändert ihre innere Geografie und Polen rückt ins Zentrum der europäischen Sicherheit. Dahinter steht das Ende eines...

DWN
Panorama
Panorama Elon Musk als Technokönig: Warum Muskismus mehr ist als Tesla und SpaceX
24.05.2026

Elon Musk ist längst mehr als ein Unternehmer. Eine neue Analyse beschreibt Muskismus als Projekt, das Technologie, Macht und...

DWN
Technologie
Technologie Handynutzung: Prepaid-Handys kommen in Deutschland aus der Mode
24.05.2026

Wie viele Minuten waren das? Wer früher bei der Handynutzung sparsam sein wollte, der hielt Telefonate kurz. Prepaid-Karten konnten...

DWN
Politik
Politik Kann Europa Weltmacht werden? Eine Analyse
24.05.2026

Die alte Weltordnung bricht weg, und Europa steht plötzlich allein zwischen den streitenden Machtblöcken. Jetzt entscheidet sich, ob der...

DWN
Technologie
Technologie Rekordabsatz bei Wärmepumpen: Fast jede zweite neue Heizung läuft elektrisch
24.05.2026

Der Markt für neue Heizgeräte erholt sich schneller als erwartet: Im ersten Quartal 2026 stieg der Gesamtabsatz um 16 Prozent....

DWN
Politik
Politik EU-USA-Abkommen: Brüssel bekommt nicht, was es wollte, aber was es braucht
24.05.2026

Bernd Lange, Chef des Ausschusses für den Außenhandel des Europäischen Parlaments, glaubt, dass die EU ein Sicherheitsnetz gegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neuer EQT-Vorsitzender Salata: „Mit Geld kommt Verantwortung“
24.05.2026

Der chilenische Milliardär Jean Eric Salata hat nun den Vorsitz bei der schwedischen Private-Equity-Gesellschaft EQT übernommen....