Wirtschaft

Deutsche Firmen: China ist attraktiver als der Standort Deutschland

Deutschland verliert laut einer Umfrage deutlich an internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Hingegen bieten China und Ostasien sowie zunehmend auch die USA Potenzial für die Zukunft.
21.08.2023 11:26
Aktualisiert: 21.08.2023 11:26
Lesezeit: 2 min
Deutsche Firmen: China ist attraktiver als der Standort Deutschland
China ist bei deutschen Firmen äußerst beliebt. (Bild: istockphoto.com/NanoStockk) Foto: NanoStockk

Viele deutsche Industriefirmen beurteilen China attraktiver als den heimischen Standort. Jedes zweite Unternehmen im produzierenden Gewerbe hält das asiatische Land für attraktiv - über Deutschland sagen das nur 38 Prozent, wie am Montag aus einer Kantar-Umfrage für die Unternehmensberatung FTI-Andersch hervorgeht. Demnach wollen nur 40 Prozent der Firmen, bei denen konkrete Planungen bereits begonnen haben, in ihr Produktionsnetzwerk in Deutschland investieren. Bei denjenigen, wo nicht unmittelbar ein Ausbau ansteht, kann sich nur ein Drittel weitere Investitionen in der Heimat vorstellen.

Das asiatische Jahrhundert hat begonnen

Die größte Gruppe derjenigen, die jetzt außerhalb Deutschlands planen zu expandieren, wollen dies in Asien tun - insgesamt 40 Prozent, 15 Prozent direkt in China. Es folgen mit je 35 Prozent Ost- sowie Mittel- und Westeuropa und mit 32 Prozent Nord-, Mittel- und Südamerika – davon zwei Drittel direkt in den USA.

"Der Standort Deutschland hat für viele Unternehmen deutlich an Attraktivität verloren", sagte Mike Zöller, Vorstand von FTI-Andersch. Grund seien etwa viel zu hohe Energiepreise und die Verfügbarkeit von Energie als Folge der Energiewende, das immense regulatorische und bürokratische Umfeld sowie der Fachkräftemangel.

Auch weltweit gebe es Verschiebungen. China sei nach wie vor für die Mehrheit deutscher Unternehmen ein attraktiver Standort. Dies gilt nicht nur wegen der schieren Größe im mit Indien bevölkerungsreichsten Land der Welt. Firmen profitieren nach eigenen Angaben in China auch von flexibleren Arbeitszeitgesetzen und finden zudem oft leichter geeignetes Personal als in Deutschland.

Lesen Sie dazu: Wendejahr 2020: China zieht erstmals die höchsten Direktinvestitionen an

China ist für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ein extrem wichtiger Absatzmarkt und zugleich größter Handelspartner für Importe. In der neuen China-Strategie der Bundesregierung werden die Firmen allerdings aufgefordert, ihre Risiken und Abhängigkeiten im China-Geschäft abzubauen. Hierauf dringen vor allem die Grünen, die sich damit geopolitisch an der US-Regierung orientieren, welche seit 2018 einen Wirtschaftskrieg gegen das Reich der Mitte führt.

Trotz aller politischer Strategien in Berlin: Rund 84 Prozent der jetzt schon in China tätigen Firmen wollen der Umfrage zufolge auch dort bleiben. Etwa 73 Prozent schließen aus, Teile ihres Produktionsnetzwerks aus China zu verlagern – gut jeder Fünfte will in Asien künftig stärker diversifizieren und arbeitet gerade an einem dezentraleren Produktionsnetzwerk. Insgesamt 58 Prozent der Unternehmen arbeiten daran, ihr Lieferantennetzwerk auch in anderen Ländern Asiens auszubauen, 50 Prozent wollen ihre europäischen Lieferketten verbessern.

Massive Subventionen in den USA

Außerhalb Asiens gelten derzeit vor allem die USA als extrem attraktiv. Rund 21 Prozent der Betriebe wollen dort jetzt investieren. Ganz konkret haben zwölf Prozent damit begonnen, diese Planungen umzusetzen, hieß es. Jedes vierte Unternehmen arbeitet an neuen Kooperationen oder Zukäufen mit Zugang zum US-Markt. "In den USA finden die Unternehmen ein Land mit großem Absatzmarkt, niedrigeren Energiekosten sowie mit liberaler Marktwirtschaft", sagte Florian Warring, Experte für Einkauf und Lieferketten bei FTI-Andersch.

Denn mit dem "Inflation Reduction Act" verfüge die US-Regierung inzwischen über ein beträchtliches Subventionsprogramm für ausländische Direktinvestitionen. Die Milliardenzuschüsse knüpft Washington an Investitionen im eigenen Land, weshalb zunehmend deutsche und europäische Unternehmen neue Werke oder Forschungsreinrichtungen in den Vereinigten Staaten - und nicht mehr zuhause - aufbauen.

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