Politik

Rechnungshof verurteilt Finanzpolitik der Bundesregierung

In einem Gutachten, das in seiner Sprache an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglässt, geht der Bundesrechnungshof mit der Politik des Bundesfinanzministeriums ins Gericht: Durch immer neue und größere „Sondervermögen“ werde der Haushalt „entkernt“, das parlamentarische Budgetrecht gefährdet.
Autor
30.08.2023 09:30
Aktualisiert: 30.08.2023 09:30
Lesezeit: 2 min

Hintergrund des Berichts des Bundesrechnungshofes ist die nach seiner Ansicht ausufernde Praxis der Einrichtung von „Sondervermögen“. In dem Gutachten weist der Rechnungshof deutlich darauf hin, dass der Begriff „Sondervermögend“ irreführend sei. Vielmehr handele es sich dabei um Sonderschulden.

Gegenwärtig gibt es beim Bund 29 „Sondervermögen“, das älteste stammt aus dem Jahre 1951 und hat den Titel „Treuhandvermögen für den Bergarbeiterwohnungsbau“. Mit einem „Sondervermögen“ nimmt der Staat in aller Regel Kredite auf, um bestimmte Vorhaben zu finanzieren, die nach seiner Meinung nicht durch den normalen Haushalt abgebildet werden können.

Teure Fonds

Tatsächlich ist gerade in den vergangenen Jahren die Praxis zur Errichtung immer umfangreicherer „Sondervermögen“ erheblich ausgeweitet worden. So hat der Bund allein in den Jahren 2011 (Klima- und Transformationsfonds), 2020 (Corona-Wirtschaftsstabilisierungsfonds) und 2022 (Sondervermögen Bundeswehr) zusätzlich am Regelhaushalt vorbei zusätzliche Schulden in Höhe von 555 Milliarden Euro aufgenommen und diese dann als „Sondervermögen“ deklariert. Damit hat sich also der Umfang der Schulden, die nicht im Regelhaushalt abgebildet werden, auf insgesamt 780 Milliarden Euro erhöht. Damit haben allein diese Schattenhaushalte fast das doppelte Volumen eines gesamten regulären Bundeshaushalts.

In seinem Bericht geht der Bundesrechnungshof damit scharf ins Gericht. Mit dieser Praxis, so der Rechnungshof in seinem aktuellen Bericht, werde das parlamentarische Budgetrecht und die Wirksamkeit der Schuldenregel unterhöhlt. „Das Parlament (aber auch die Öffentlichkeit) droht den Überblick und damit auch die Kontrolle zu verlieren“, warnt der Rechnungshof.

Schwierige Haushaltslage

Nüchtern stellt der Rechnungshof dabei fest, dass der Haushalt der Bundesrepublik Deutschland „aus den Fugen“ geraten sei. Die Begründungen des Bundesfinanzministeriums, dass nur durch die Errichtung sogenannter „Sondervermögen“ die anstehenden Aufgaben zu bewältigen seien, lässt der Rechnungshof nicht gelten und erklärt: „Zwecke, die zu den Kernaufgaben des Staates gehören, sind aus dem Kernhaushalt zu finanzieren.“ Auch die Begründungen, dass nur auf diesem Wege ressortübergreifende und mehrjährige Vorhaben wie beispielsweise der Klimaschutz haushaltstechnisch abzubilden wären, hält die Behörde für nicht überzeugend. Das geltende Haushaltsrecht böte nach Meinung der Rechnungsprüfer genügend Möglichkeiten, diese auch in den regulären Haushalten darzustellen.

Zwar begrüße der Rechnungshof die Absicht der Bundesregierung und des Bundesfinanzministers, Zahl und Umfang der „Sondervermögen“ zu reduzieren. Jedoch reichten die geplanten Maßnahmen bei weitem nicht aus, um den Bundeshaushalt zum wahren Ausweis der Bundesfinanzen zu machen.

Mit dem Bericht des Bundesrechnungshofes wird deutlich, dass die Finanzlage der Bundesrepublik deutlich angespannter ist, als bisher öffentlich verkündet wurde. Der Bundesrechnungshof empfiehlt in seinem Gutachten vor allem die großen „Sondervermögen“, wie vor allem den Klima- und Transformationsfonds in den Blick zu nehmen und die Eignung und Erforderlichkeit dieser Fonds zu überprüfen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Ich überlege schon, mein Portfolio für Weihnachten einzukaufen
22.10.2026

Seit längerer Zeit beobachte ich einen bestimmten Sektor und warte geduldig auf den richtigen Zeitpunkt zum Kaufen. Vielleicht ist er...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin vs. Gold: Zwei Antworten auf das Misstrauen ins Geldsystem
22.10.2026

Gold oder Bitcoin – was schützt Vermögen besser, wenn Märkte unter Druck geraten? Der Vergleich zeigt, warum beide auf dieselben...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Investitionsflaute im Mittelstand: Jeder dritte Betrieb verschiebt Projekte
22.10.2026

Deutschlands Mittelstand hält sich bei Investitionen weiter zurück. Nur 40 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen setzten 2025...

DWN
Technologie
Technologie Fracking in Deutschland: Rettung für die Industrie oder teurer Irrweg?
22.10.2026

Russland, der Iran-Krieg und ein unberechenbarer US-Präsident zeigen, wie verwundbar Deutschlands Energieversorgung ist – zugleich...

DWN
Politik
Politik Trumps Verrat wird weitergehen
22.10.2026

Trump nähert sich Putin an, während Russland seine Angriffe auf die Ukraine ausweitet und nach Darstellung des Autors sogar die NATO...

DWN
Politik
Politik Heizkosten-Schock in Polen: Droht deutschen Haushalten ein ähnlich teurer Winter?
22.10.2026

In Polen warnen Wohnungsgenossenschaften ihre Bewohner bereits vor hohen Heizkosten. In einzelnen Fällen verschlingt die Wärmeversorgung...

DWN
Technologie
Technologie Fitness-Tracking im Alltag: Warum wir ständig unsere Daten kontrollieren und welche Risiken lauern
22.10.2026

Schritte, Schlaf, Kalorien oder Trinkmenge: Apps und Wearables machen den eigenen Alltag messbar wie nie zuvor. Für viele vermittelt das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX mit Milliardengewinn: Elon Musk plant die größte Fusion aller Zeiten
22.10.2026

Elon Musk meldet einen Milliardengewinn bei SpaceX und denkt bereits über den nächsten historischen Schritt nach. Eine Fusion mit Tesla...