Unternehmen

Demografie, Pandemie, Energie: Deutsche Wirtschaft auf Dauer gelähmt

Das Kieler IfW erwartet für die deutsche Wirtschaft auch mittelfristig nur ein minimales Wachstum. Daher drohe Deutschland nun eine "Phase zunehmender Verteilungskonflikte".
08.09.2023 14:25
Aktualisiert: 08.09.2023 14:25
Lesezeit: 1 min

Die Wachstumsaussichten für Deutschland bleiben nach Prognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) auch auf mittlere Sicht mau. Die Produktionsmöglichkeiten der heimischen Wirtschaft könnten in den nächsten Jahren spürbar sinken und im Mittel dann nur noch Steigerungsraten von jährlich 0,4 Prozent zulassen, wie das IfW am Freitag zu seiner Mittelfristprognose mitteilte.

Das wäre weniger als ein Drittel des langjährigen Durchschnitts von 1,3 Prozent. Eine alternde Gesellschaft und damit der Verlust von Arbeitskräften hemmten ebenso wie die Folgen der Corona-Pandemie und der Energiekrise.

"Wachstum ist kein Schicksal", sagte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. "Es gilt jetzt wirtschaftspolitisch diejenigen Standortfaktoren zu stärken, die man selbst in der Hand hat – Stichwort Bildung, Infrastruktur, Bürokratie, Abgabenquote – und so auch für ausländische Fachkräfte attraktiver zu werden."

In diesem und im nächsten Jahr dürfte die Anzahl der Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, bei 47,1 Millionen Erwerbspersonen stagnieren. Ab 2025 dürften dann mehr Menschen aus dem Arbeitsleben ausscheiden, als neue hinzukommen - etwa 200.000 pro Jahr. Dabei unterstellt das IfW bereits eine Nettozuwanderung von rund 200.000 Erwerbspersonen aus dem Ausland, was im historischen Vergleich als eher hoch gilt.

"Deutschland steht mit seiner demografischen Entwicklung nicht allein", sagte Kooths. In weiten Teilen der Weltwirtschaft stellten sich ähnliche Probleme. "Der Wettbewerb um die Talente der Welt wird damit härter – umso wichtiger wird eine wachstumsstärkende Politik, die den Standort für qualifizierte Zuwanderung und Investitionen attraktiver macht", so der Konjunkturchef. Ganz wesentlich seien hier eine funktionierende Infrastruktur und ein attraktives Wohnungsangebot in Städten, weil dort die produktivsten Unternehmen angesiedelt seien.

"Ohne neue Wachstumsimpulse droht Deutschland eine Phase zunehmender Verteilungskonflikte", sagte Kooths voraus. "Denn weniger Wachstum engt immer auch die Verteilungsspielräume ein, und die Zahl der Menschen steigt, die im Alter Ansprüche auf Sozialleistungen haben." Für das laufende Jahr erwartet das Kieler Institut einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent, dem 2024 ein Wachstum von 1,3 Prozent folgen soll. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Politik
Politik Eskalation am Golf: Iran erklärt Straße von Hormus für gesperrt
11.06.2026

Trotz einer offiziellen Waffenruhe eskaliert der Konflikt zwischen den USA und dem Iran massiv. Als Reaktion auf erneute US-Luftangriffe...

DWN
Politik
Politik Neues Heizgesetz: Chancen für die Wärmewende oder Kostenfalle?
11.06.2026

Die Debatte um das neue Heizgesetz spaltet die Politik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht im...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schwarz-Gruppe wächst: 300 neue Standorte für Lidl und Kaufland
11.06.2026

Die Schwarz-Gruppe treibt ihr Wachstum weiter voran. Im Geschäftsjahr 2025/26 vergrößerten Lidl und Kaufland ihr Filialnetz weltweit um...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB reagiert auf Iran-Krieg: Erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren
11.06.2026

Wegen des inflationstreibenden Ölpreisschocks infolge des Iran-Kriegs hebt die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder an. Der wichtige...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Wer wird Weltmeister? Prognosen widersprechen sich deutlich
11.06.2026

Spanien, Frankreich, England, Argentinien, die Niederlande? Während die Wettmärkte auf die bewährten Favoriten setzen, erwarten einige...

DWN
Technologie
Technologie Frequenzstreit: Aus für das Antennenfernsehen ab 2031?
11.06.2026

In wenigen Jahren enden zentrale Nutzungsrechte für Funkfrequenzen. Telekommunikationskonzerne fordern diese schon heute vehement ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Selbst die Chinesen waren erstaunt, wie schnell diese Fabrik errichtet wurde
11.06.2026

Wir haben uns die Produktion des elektrisch angetriebenen BMW iX3 angesehen, die auf 400 Hektar ehemaliger Ackerflächen am Rande der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tante Enso greift bei Tegut zu
11.06.2026

Die Supermärkte von Tegut stehen zum Verkauf. Für einen Teil davon ist die Zukunft nun geklärt. Das Bundeskartellamt hat grünes Licht...