Politik

Steuereinnahmen steigen deutlich, aber Geld ist schon verplant

Die Steuereinahmen von Bund und Ländern lagen im August knapp 9 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Doch dies ist in der Haushaltsplanung schon berücksichtigt.
21.09.2023 10:16
Aktualisiert: 21.09.2023 10:16
Lesezeit: 1 min

Die Steuereinahmen von Bund und Ländern sind im August deutlich gestiegen. Sie lagen mit 58,85 Milliarden Euro um 8,6 Prozent über dem Vorjahresniveau, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums hervorgeht. Das Ministerium verwies wegen der steuerlichen Hilfen im Zuge der starken Energiepreissteigerungen auf eine geringere Vergleichsbasis im August 2022. Dies führte jetzt zu einem deutlichen Plus bei Lohn-, Umsatz- , Energie- und Kapitalertragssteuer.

Ökonomen warnten davor, den deutlichen Anstieg überzubewerten.

"Die Vorjahresmonate sind von den ad-hoc- Maßnahmen während der Energiekrise geprägt", sagte der Steuerschätzer Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) der Nachrichtenagentur Reuters. Entsprechend solle der merkliche Anstieg im August nicht dahingehend fehlgedeutet werden, dass hier zusätzliche Spielräume in den öffentlichen Haushalten angezeigt werden. Im September dürfte der Zuwachs sogar noch kräftiger ausfallen. "Das spätsommerliche Plus ist bereits in der Haushaltsplanung berücksichtigt", sagte Boysen-Hogrefe. "Eine positive Überraschung ist das also leider nicht."

In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres wuchsen die Steuereinnahmen insgesamt nur um 1,1 Prozent auf knapp 528 Milliarden Euro. Experten rechnen im Gesamtjahr mit einem Plus von knapp drei Prozent auf 838 Milliarden Euro.

Die jüngsten Konjunkturindikatoren deuteten weiterhin auf eine schwache Dynamik hin, nachdem die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal stagnierte, heißt es zudem im Monatsbericht. "Impulse für die weitere Entwicklung sind eher aus der Entwicklung des privaten Konsums zu erwarten, da der Arbeitsmarkt weiterhin robust ist." Zwar gehe die konjunkturelle Flaute nicht mehr spurlos am Arbeitsmarkt vorbei, die Arbeitslosigkeit sei aber weiter auf einem niedrigen Niveau. Die Inflationsrate in den kommenden Monaten dürfte noch hoch bleiben, aber zumindest rückläufig sein.

Neue Prognosen der Bundesregierung zur wirtschaftlichen Lage werden am 11. Oktober erwartet. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen verliert an Dynamik
17.03.2026

Die Transformation der deutschen Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit verliert an Dynamik. Politische Unsicherheit und schwache...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Unicredit-Übernahme: Banken-Poker spitzt sich zu – Commerzbank-Aktie haussiert
16.03.2026

Jetzt wird es ernst um die potenzielle Commerzbank-Unicredit-Übernahme: Die italienische Großbank UniCredit will das zweitgrößte...

DWN
Politik
Politik Zoff um Oligarchen: EU hat Kompromiss zu Russland-Sanktionen
16.03.2026

Die EU hat wegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Sanktionen gegen etliche kremlnahe Oligarchen verhängt. Um zwei von ihnen...

DWN
Panorama
Panorama Kirchenaustritte in Deutschland: Mehr als 600.000 Menschen traten 2025 aus Kirchen aus
16.03.2026

Die beiden großen Kirchen verlieren weiter in schnellem Tempo Mitglieder. Auch 2025 haben wieder Hunderttausende Katholiken und...

DWN
Politik
Politik CO2-Ziel 2030 wackelt: Wie es um den Klimaschutz in Deutschland steht
16.03.2026

Die Klimabilanz zeigt: Deutschland hat noch viel zu tun. Die größten Sorgenkinder bleiben der Verkehrs- und der Gebäudesektor....

DWN
Finanzen
Finanzen Humanitäre Hilfe: EU schickt über 450 Millionen Euro Hilfe in den Nahen Osten
16.03.2026

Mehr als 450 Millionen Euro aus Brüssel sollen Hunger lindern, Kinder unterrichten und Leben retten. Nicht nur wegen der aktuellen Krise.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wiederholt sich die Finanzkrise von 2008?
16.03.2026

Die US-Börsen reagieren bislang überraschend ruhig auf den Krieg im Iran und den Ölpreisschock. Einige Strategen sehen jedoch bereits...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Macht der Gewerkschaften: Verdi ruft erneut zu ÖPNV-Warnstreiks in mehreren Bundesländern auf
16.03.2026

Der nächste Warnstreik im Nahverkehr: In mindestens sechs Bundesländern sollen am Donnerstag die Fahrzeuge in den Depots bleiben....