Unternehmen

Neuer Habeck-Plan verstört deutsche Export-Wirtschaft

Ein neuer Vorstoß aus dem Bundeswirtschaftsministerium sorgt in den Reihen der Industrie für komplettes Unverständnis. Minister Robert Habeck will nun seine Ökovorstellungen in die Welt hinaustragen und Exporte und Auslandsinvestitionen nur noch dann fördern, wenn sie klimafreundlich sind.
Autor
21.09.2023 17:18
Aktualisiert: 21.09.2023 17:18
Lesezeit: 3 min
Neuer Habeck-Plan verstört deutsche Export-Wirtschaft
Neuer Habeck-Plan entsetzt deutsche Export-Wirtschaft (Foto: dpa) Foto: Moritz Frankenberg

Die neueste Initiative aus dem Hause Habeck sieht vor, die Exportkredit- und Investitionsgarantien des Bundes an die Erfüllung sogenannter klimapolitischer Sektorleitlinien zu koppeln. Das heißt konkret, dass deutsche Auslandsinvestitionen und Exporte nur noch in vollem Umfang für solche Geschäfte vergeben werden, die den klimapolitischen Vorstellungen der Bundesregierung entsprechen.

Mit den sogenannten Hermesbürgschaften flankiert die Bundesrepublik ihre Exportwirtschaft, indem Geschäfte mit dem Ausland gegen politische und wirtschaftliche Risiken abgesichert werden. Damit können sich Firmen mit bis zu 95 Prozent der Investitionssumme über eine staatliche Bürgschaft absichern. Im vergangenen Jahr hatte der Bund mit Exportkreditgarantien, den sogenannten Hermesdeckungen, Auslandsgeschäfte in Höhe von 14,9 Milliarden Euro abgesichert.

Habecks neuer Plan

Künftig soll es bei der Förderung nach dem Willen Habecks drei Kategorien geben: eine positive grüne, eine neutrale weiße und eine schädliche rote Kategorie. Demnach sollen Exporte, die als klimaförderlich eingestuft werden und damit in die grüne Kategorie fallen, mit bis zu 98 Prozent der Investitionssumme abgesichert werden. Für Investitionen der weißen, also neutralen Kategorie, werde sich künftig nichts ändern. Jedoch sollen alle Geschäfte, die als klimaschädlich eingestuft werden und damit in die rote Kategorie fallen, nicht mehr abgesichert werden.

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, ist von dieser Idee wenig angetan und hat in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Habeck appelliert, die Sektorleitlinien nicht vorschnell zu verabschieden, „sondern in wichtigen Punkten nachzubessern“. Russwurm fürchtet, dass die Initiative Habecks der deutschen Exportwirtschaft schade. Sollten die Leitlinien, wie geplant umgesetzt werden, „drohen der exportorientierten deutschen Industrie erhebliche Nachteile“, so Russwurm in seinem Schreiben. Dabei weist der BDI-Präsident darauf hin, dass nach seiner Einschätzung die Hermesbürgschaften im internationalen Wettbewerb eine immer größere Rolle spielten. Dabei müssten sich die deutschen Unternehmen nach den Wünschen ihrer internationalen Kunden richten und könnten es sich kaum leisten, deutsche Standards in die Welt zu exportieren: „Die Anforderungen der Sektorleitlinien müssen erfüllbar und so attraktiv sein, dass ausländische Geschäftspartner deutsche Finanzierungsangebote auch weiterhin in Betracht ziehen.“

Ein fragwürdiges Verfahren

Doch nicht nur das Vorhaben selbst stößt in den Reihen der Wirtschaft auf Unverständnis. Abermals hat es Bundeswirtschaftsminister Habeck mit einem fragwürdigen Verfahren geschafft, die Vertreter der Wirtschaft vor den Kopf zu stoßen. Lange Zeit ließ nämlich das Bundeswirtschaftsministerium die Wirtschaft im Ungewissen, wie die angekündigte Überarbeitung der Förderrichtlinien im Detail aussehen soll, um dann, ziemlich überraschend, ihr am 25. Juli einen Entwurf zur Stellungnahme vorzulegen. Die Frist, die das Bundeswirtschaftsministerium für die Abgabe von Einwänden setzte, war äußerst knapp bemessen. Denn nur bis zum 25. August hatten die Vertreter der Wirtschaft Zeit, den Entwurf aus dem Hause Habeck zu prüfen. Es falle schwer, so ein Wirtschaftsvertreter gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten, an Zufall zu glauben: Zum einen setzte Habeck der Wirtschaft eine ungewöhnlich kurze Frist und dann verschickte er den Entwurf auch noch mitten in den Sommerferien als viele Sachverständige im Urlaub waren. Vertreter der Wirtschaft vermuten, dass Habeck dieses Projekt unbedingt durchziehen wolle und er noch so fundierte Bedenken der Wirtschaft nicht hören wolle.

Tatsächlich hat der neue Habeck-Vorstoß nicht nur das Zeug dazu, die Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft zu erschweren, sondern auch der Wirtschaft neue bürokratische Lasten aufzubürden. So ist es den Vertretern der Wirtschaft bislang immer noch nicht wirklich klar, wie die Prüfung der Umweltverträglichkeit einzelner Projekte funktionieren soll. Jedoch schwant ihnen, dass auf die Unternehmen neue bürokratische Lasten zukommen werden, so sie eine Exportförderung beantragen. Nach bisherigem Stand soll der Exportbürge Hermes über die Umweltgüte eines Vorhabens befinden. Es sei aber, so fürchten Wirtschaftsvertreter, schon jetzt absehbar, dass es bei den Unternehmen am Ende hängenbleibe, den Nachweis zu führen, ob ihr Projekt umwelttauglich sei und damit in den Genuss der Bürgschaft komme. Und somit sei die Bundesregierung abermals dabei, der Wirtschaft neue bürokratische Lasten aufzulasten, nachdem sie kurz zuvor den Abbau derselben versprochen hatte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Unternehmen
Unternehmen ZF schreibt Milliardenverlust: Schulden bleiben hoch, Nachfrage stagniert – wie geht es weiter?
19.03.2026

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen kämpft weiter mit den Folgen von Umbau und Marktschwäche. Trotz Verbesserungen im operativen...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell mächtig unter Druck: Ölpreis sorgt für neue Unsicherheit
19.03.2026

An der Börse aktuell dominieren Unsicherheit und Verluste: Der DAX-Kurs fällt deutlich, während der Ölpreis weiter steigt. Inflation...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IMK warnt: Neue Inflation in Deutschland durch Ölpreisschock
19.03.2026

Die Inflation könnte schneller zurückkehren als viele erwarten. Der Iran-Krieg treibt Energiepreise nach oben und setzt Haushalte unter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft CDU-Wirtschaftsrat fordert Fracking in Deutschland – Risiken für Umwelt und Klima
19.03.2026

Deutschlands Rohstoffstrategie steht unter Druck: Der Ruf nach mehr Eigenförderung wird lauter. Fracking rückt dabei wieder in den Fokus...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis im Aufwind: Nordseesorte Brent reagiert auf Eskalation im Irankrieg
19.03.2026

Ein Raketenangriff auf Katars Gasinfrastruktur sorgt für Turbulenzen am Energiemarkt und lässt den Ölpreis steigen. Während der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BDI warnt vor Eingriffen bei Spritpreisen: Streit um Kartellrecht eskaliert
19.03.2026

Steigende Spritpreise setzen Politik und Wirtschaft unter Druck. Während die Bundesregierung das Kartellrecht verschärfen will, wächst...

DWN
Panorama
Panorama Forsa-Umfrage: Deutsche fordern mehr Förderung für grüne Technologien
19.03.2026

Nachhaltige Technologien gewinnen für Deutschlands Wirtschaft zunehmend an Bedeutung. Viele Bürger sehen darin große Chancen für die...

DWN
Politik
Politik Kampf gegen hohe Spritpreise: Österreich will Steuer senken
19.03.2026

Schon jetzt ist die Mineralölsteuer in Österreich niedriger als in Deutschland. Nun möchte die Regierung die Preise weiter senken, um...