Politik

Förderprogramm „Wohneigentum für Familien“: Neue Wege zum Eigenheim?

Das Förderprogramm „Wohneigentum für Familien (WEF)“ des Bauministeriums soll einkommensschwächeren Familien den Weg zum Wohneigentum ermöglichen. Bis zu 75 Prozent der deutschen Haushalte könnten antragsberechtigt sein, um zinsvergünstigte Kredite zu erhalten. Doch es gibt einen entscheidenden Haken am Programm, der Herausforderungen mit sich bringt.
07.11.2023 14:36
Aktualisiert: 07.11.2023 14:36
Lesezeit: 3 min
Förderprogramm „Wohneigentum für Familien“: Neue Wege zum Eigenheim?
Klara Geywitz (SPD), Bundesministerin für Bau und Wohnen, äußert sich bei einer Pressekonferenz vor dem Start des neues Förderprogramms „Wohneigentum für Familien“ (WEF) des Bundesbauministeriums. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Baukosten haben die Realisierung dieses Traums für viele unerschwinglich gemacht. In Reaktion auf diese Herausforderungen hat das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) das Förderprogramm „Wohneigentum für Familien (WEF)" ins Leben gerufen.

Gestartet am 1. Juni 2023 und ab dem 16. Oktober 2023 verbessert, zielt dieses Programm darauf ab, den Weg zum Wohneigentum für Familien mit bescheidenem bis durchschnittlichem Einkommen zu erleichtern. Laut dem BMWSB könnten 75-Prozent der deutschen Haushalte förderberechtigt sein.

Bundesbauministerin Klara Geywitz betont die Bedeutung dieses Programms: „Für viele war der Wunsch nach den eigenen vier Wänden wegen der höheren Zinsen in weite Ferne gerückt. Mit unserem Neubau-Förderprogramm (WEF) unterstützen wir gezielt Familien mit geringen und mittleren Einkommen, um sich den Traum vom Wohneigentum auch unter schwierigeren Bedingungen leisten zu können. WEF entlastet durch die zinsverbilligten Kredite Familien schon vor Beginn des Bauvorhabens. Das neue Programm ist für Eigentümer und Eigentümerinnen eine verlässliche finanzielle Stütze und macht damit Bauprojekte plan- und bezahlbar."

Vorteilhafte Konditionen für Familien

Das WEF-Programm bietet Familien unter bestimmten Bedingungen zinsgünstige Darlehen zwischen 170.000 Euro bis maximal 270.000 Euro über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Durch bessere Konditionen können sie bis zu 35.000 Euro sparen, verglichen mit nicht staatlich geförderten Darlehen. Der aktuelle Zinssatz beträgt weniger als 1-Prozent pro Jahr, und die Kreditlaufzeit kann bis zu 35 Jahre betragen, mit einer Zinsbindung von zehn Jahren. Die Zinssätze sind unabhängig von der Bonität der Antragsteller, sie gelten für jeden Förderberechtigten.

Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind könnten die Förderung erhalten, wenn ihr zu versteuerndes Jahreseinkommen 90.000 Euro nicht überschreitet. Wenn sie zusätzliche minderjährige Kinder im Haushalt haben, erhöht sich diese Einkommensgrenze um weitere 10.000 Euro pro Kind.

Ein Beispiel der KfW-Bank zeigt: Für einen Kredit über 170.000 Euro mit einer Laufzeit von 25 Jahren, bei dem im ersten Jahr keine Tilgung erforderlich ist und der Zinssatz für zehn Jahre festgeschrieben ist, würden nur 0,45 Prozent Zinsen anfallen.

Das klingt äußerst günstig, zumal die Fördermittel sämtliche Baukosten, einschließlich technischer Ausstattung, Fachplanung, Bauüberwachung und Nachhaltigkeitszertifizierung umfassen. Im Falle von Eigenleistungen könnten sogar die Materialkosten förderfähig sein.

Hindernis auf dem Weg zum Wohneigentum

Doch es gibt es einen wichtigen Haken! Das WEF-Programm beschränkt sich ausschließlich auf Neubauten mit höchstem energetischem Standard. Um förderberechtigt zu sein, müssen diese Neubauten als Effizienzhäuser 40 (EH 40) errichtet werden. Dies sind „nahezu-Null-Energie-Gebäude", die strenge Grenzwerte für Treibhausgasemissionen einhalten müssen. Die höchsten Förderungen erhalten Gebäude mit Nachhaltigkeitszertifizierung gemäß dem „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG)".

Das Problem: Solche energetisch optimierten Neubauten sind teuer, denn die Bauanforderungen liegen über den gesetzlichen Mindeststandards des Gebäudeenergiegesetzes. Die Baukosten für ein Effizienzhaus 40 fallen laut Einschätzung des Bauratgebers ibau bis zu 25-Prozent höher aus, als beim Bau weniger energieeffizienter Gebäude.

Ein Grund, weshalb das WEF-Programm für viele Familien ins Leere laufen könnte. Insbesondere für diejenigen in Ballungszentren, wo Baukosten und Grundstückspreise auffallend hoch sind. In München, Hamburg und Berlin bewegen sich die Grundstückspreise beispielsweise zwischen 600 bis 1000 Euro je Quadratmeter. Gesamtbaukosten von mindestens 750.000 Euro für das Neubauvorhaben inklusive Grundstück wären keine Seltenheit.

Es wäre utopisch, anzunehmen, einkommensschwächere Familien könnten solche Summen bezahlen. Viele Familien werden wahrscheinlich nach günstigeren Neubauten oder Bestandsimmobilien Ausschau halten, die nach den WEF-Richtlinien nicht förderfähig sind. Alles andere ist für die meisten nicht finanzierbar.

Die Hürden für den Traum vom Eigenheim

Auch Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland Westfalen rechnet nicht damit, dass die meisten Haushalte mit den zinsgünstigen WEF-Darlehen die Baukosten finanzieren können. „Das wird so nicht gelingen – so gut die Idee der sehr niedrigen Zinsen grundsätzlich ist“, stellt er fest.

In einer Zeit steigender Baukosten, hoher Grundstückspreise und hoher Zinsen wäre zusätzlich erhebliches Eigenkapital erforderlich. Selbst bei maximaler Ausnutzung der staatlichen Förderung bestünden große Finanzierungslücken, die für viele Familien unüberwindbar bleiben.

Der Erfolg des WEF-Programms könnte daher begrenzt sein, obwohl die Bundesregierung die Anzahl der Wohneigentümer signifikant erhöhen und mehr Menschen den Erwerb von Eigenheimen ermöglichen will. Allerdings stehen im staatlichen Fördertopf nur 350 Millionen Euro zur Verfügung. Auch dies lässt nicht darauf schließen, dass viele Familien von den zinsgünstigen Krediten profitieren werden. Höchstens 2.058 deutsche Haushalte könnten aus diesem Budget Gelder erhalten, ausgehend von der niedrigsten Darlehensstufe im Programm von 170.000 Euro.

Insgesamt erscheint das WEF-Programm daher eher als optimistisches „Werbeversprechen" der Politik, dessen konkreter Nutzen für Familien fraglich bleibt. Es bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung das Programm weiterentwickelt, um mehr Familien den Erwerb von Wohneigentum zu ermöglichen. Praxisnahe Lösungen, ein höherer staatlicher Fördertopf und überdachte Bauauflagen könnten Schlüsselmaßnahmen sein, um dem steigenden Wohnraummangel effektiv zu begegnen und finanzielle Erleichterungen für Familien zu schaffen.

Trotzdem sollten Bauwillige alle verfügbaren Informationen prüfen, um ihren Traum vom Eigenheim zu realisieren. Weiterführende Informationen zum WEF-Programm und zur Antragstellung finden sich auf der Website der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Zudem sollten angehende Bauherren in ihrem jeweiligen Bundesland prüfen, ob es auf Landesebene weitere Fördermöglichkeiten gibt.

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Anika Völger

Freie Wirtschaftsjournalistin, Autorin, Bankkauffrau, Verwaltungswirtin, Dozentin für Recht. Anika Völger verbindet juristisches und wirtschaftliches Fachwissen mit journalistischer Klarheit. Die Hannoveranerin ordnet wirtschaftliche und politische Entwicklungen ein, analysiert rechtliche Zusammenhänge und erklärt Wirtschafts-, Finanz-, Technologie- und Kryptothemen für ein breites Publikum. Sie schreibt u. a. für die Deutschen Wirtschaftsnachrichten, für Kanzleien sowie für Finanz- und Technologieunternehmen.
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