Politik

Spanien: Massenproteste nach Wiederwahl von Pedro Sanchez

Die Separatisten haben Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez zur Wiederwahl verholfen. Wegen der daran geknüpften Amnestie gibt es erneut Massenproteste.
16.11.2023 15:39
Lesezeit: 2 min
Spanien: Massenproteste nach Wiederwahl von Pedro Sanchez
In Spanien drohen nach der Wiederwahl von Pedro Sanchez neue Massenproteste. (Foto: dpa) Foto: Eduardo Parra

In Spanien hält sich der geschäftsführende Ministerpräsident Pedro Sanchez mit Hilfe katalanischer Separatisten im Amt. Für den Generalsekretär der sozialistischen PSOE als Regierungschef stimmten am Donnerstag in Madrid 179 der insgesamt 350 Abgeordneten. Die Wiederwahl von Sanchez ist landesweit umstritten, da daran eine Amnestie für Separatisten aus Katalonien geknüpft ist. Die Parteien Junts und ERC aus der nordostspanischen Region verlangen Straffreiheit für rund 1400 ihrer Anhänger. Mit dem Parlamentsvotum endet vorerst eine vier Monate lange Hängepartie, in der die Parlamentsparteien Mehrheiten nach der Wahl im Juli ausloteten.

Kern der neuen Regierung ist eine Koalition der PSOE mit der linksgerichteten Partei Sumar. Neben den katalanischen Parteien Junts und ERC stimmten auch die baskischen Parteien PNV und EH Bildu, die galicische BNG und die Kanarische Koalition für Sanchez. Bundeskanzler Olaf Scholz gratulierte ihm zur Wiederwahl auf X, ehemals Twitter: "Gut, dass wir weiter Seite an Seite arbeiten können. Denn auf viele Herausforderungen in der Welt schauen wir aus einem sehr ähnlichen Blickwinkel." Er freue sich auf enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Spanien und in Europa.

Gegen die geplante Amnestie für katalanische Separatisten demonstrieren seit Tagen Tausende Spanier im ganzen Land. Oppositionsführer Alberto Nunez Feijoo von der konservativen PP hat bereits zu Massenprotesten am kommenden Samstag aufgerufen.

Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Straffreiheit gibt es auch in der EU. Das Europäische Parlament wird nach Angaben der Europäische Volkspartei (EVP) kommende Woche die Frage debattieren, ob die Amnestie die Unabhängigkeit der spanischen Justiz gefährde. Auch EU-Justizkommissar Didier Reynders hat bereits ebenso wie das oberste Aufsichtsgremium der spanischen Gerichtsbarkeit, der Consejo General del Poder Judicial, Zweifel an dem Vorhaben angemeldet.

COMEBACK FÜR SEPARATISTEN-CHEF PUIGDEMONT

Ein Nutznießer der Amnestie wäre der ehemalige Regierungschef in Katalonien, Carles Puigdemont. Er hatte die Region 2017 nach einer umstrittenen Volksabstimmung für unabhängig erklärt und sich damit von Spanien losgesagt. Die Zentralregierung in Madrid warf ihm daraufhin Rebellion und Veruntreuung öffentlicher Gelder vor, entmachtete die katalanische Regionalregierung, ordnete Neuwahlen an und schrieb Puigdemont zur Fahndung aus. Er setzte sich daraufhin ins Ausland ab.

Puigdemont und andere Separatisten haben deutlich gemacht, dass sie am Ziel der Abspaltung Kataloniens vom übrigen Spanien festhalten. Dies lehnt die PSOE ab, will aber Wege für eine Lösung des Konflikts suchen. Das in Madrid ansässige Institut Thinking Heads erklärte, Sanchez werde bei der Verabschiedung wichtiger Gesetze von den regionalen Parteien abhängig sein. Das werde "ständige Verhandlungen und die strikte Einhaltung der Vereinbarungen, insbesondere im Fall der katalanischen Separatisten" erfordern.

Sanchez führt seit 2020 eine Minderheitsregierung an. Seine PSOE hatte bei der Parlamentswahl im Juli zwar weniger Sitze erhalten als die PP unter Feijoo. Dieser verfehlte im Parlament jedoch die für eine Regierungsbildung erforderliche Mehrheit. Daraufhin nahm Sanchez Verhandlungen auf und schmiedete das Bündnis, das ihn nun wiederwählte. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lebensmittelhersteller Völpel insolvent: Hohe Energiekosten belasten Familienunternehmen
03.11.2026

Die Völpel GmbH aus Königsmoos in Bayern ist auf die Herstellung von Trockenkräutern, Tees, Trockengemüse und Kräutersalz...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger US-Diplomat: Trumps Regierung wird von persönlichen Interessen angetrieben
03.11.2026

Der frühere US-Diplomat George Kent erwartet auch nach den Zwischenwahlen keinen Kurswechsel von Donald Trump. Er wirft der Regierung vor,...

DWN
Technologie
Technologie Energiefresser Rechenzentren: KI-Boom lässt Strombedarf drastisch steigen
03.11.2026

Schon 2026 verbrauchen deutsche Rechenzentren so viel Strom wie rund 6,5 Millionen Haushalte. Bis 2035 könnte der Bedarf nochmals stark...

DWN
Finanzen
Finanzen Soll ich mein Geld in ein Auto ohne Fahrer stecken?
03.11.2026

Die Uber-Aktie ist in diesem Jahr deutlich gefallen. Das Unternehmen läuft operativ gut, doch seine Zukunft wird davon abhängen, wie es...

DWN
Politik
Politik Stromumlage ab 2031: Damit sollen neue Gaskraftwerke finanziert werden
03.11.2026

Elf Kraftwerksprojekte erhalten Geld dafür, Strom für Dunkelflauten bereitzuhalten. Die Kosten sollen auf alle Stromverbraucher umgelegt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schaeffler-Aktie rutscht ab: Autozulieferer Schaeffler streicht Tausende Jobs und schließt Werke
03.11.2026

Die Krise in der deutschen Industrie setzt sich fort: Der Autozulieferer Schaeffler will vier deutsche Standorte schließen und Tausende...

DWN
Politik
Politik Die Amerikaner haben uns bislang erfolgreich gespalten
03.11.2026

Russland gilt seit Jahren als Meister der Einflussnahme auf Europa. Doch inzwischen richtet sich der Blick zunehmend auf Washington. Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell um 3.900 Dollar: Edelmetallpreise rutschen ab – Warnsignal für die Weltkonjunktur?
03.11.2026

Beim Goldpreis gerät die leichte Erholung vom Wochenbeginn am Dienstag mächtig ins Stocken. Zinsrisiken und Inflationssorgen drücken...