Finanzen

Raus aus den Schulden – Wie mit Kreditkarten-, Immobilien- und Konsumschulden umgehen?

Gerade in der aktuellen Wirtschaftslage steigt für viele Menschen das Risiko einer Überschuldung enorm, da Zinsen steigen, Arbeitsplätze bedroht sind und die Lebenshaltungskosten wachsen. Doch wie kommt man aus den Schulden wieder heraus? Und von welchen Verbindlichkeiten sollten Sie sich danach fernhalten?
02.12.2023 17:38
Aktualisiert: 02.12.2023 17:38
Lesezeit: 3 min
Raus aus den Schulden – Wie mit Kreditkarten-, Immobilien- und Konsumschulden umgehen?
Es gibt “gute” als auch “schlechte” Schulden. (Foto: istockphoto.com/Ridofranz) Foto: Ridofranz

2022 lagen, laut einer Erhebung von Statista, die durchschnittlichen Schulden der Privatpersonen in Deutschland bei 30.300 Euro. Dies ist nicht gerade wenig, bedenkt man den deutschen Brutto-Durchschnittsverdienst von 48.000 Euro für Vollzeit-Arbeitnehmer. Doch als wäre diese Situation nicht kritisch genug, droht sie sich jetzt sogar nochmals zu verschlimmern, denn durch die steigenden Zinsen wachsen auch die Schuldenberge auf Kreditkarten, Immobilien oder Plattformen wie Klarna & Co.

Wie mit Kreditkarten-, Immobilien- und Konsumschulden umgehen?

Folglich überrascht es nicht, dass sich immer mehr Privatpersonen fragen müssen: Wie gehe ich mit meinen Schulden um? Und wie komme ich wieder aus der Schuldenfalle raus?

Dazu ist zunächst wichtig zu verstehen, dass es sowohl vergleichsweise „gute“ als auch „schlechte“ Schulden gibt. Damit ist gemeint, dass es positive Schulden gibt, die einen Return liefern. Klassische Beispiele dafür wären Bildungsschulden für eine Ausbildung zu einem Beruf mit besseren Gehaltsaussichten oder das Darlehen für die vermietete bzw. selbstgenutzt Immobilie. Dem gegenüber stehen die negativen Schulden. Dies sind Verbindlichkeiten für Konsumobjekte, die keinen langfristigen Mehrwert bieten und nur bestimmte Bedürfnisse erfüllen. Exempel dafür sind Autokredite, über kreditkartenfinanzierte Urlaube oder ausstehende Klarna-Rechnungen für exzessives Online-Shopping. Während die positiven Schulden also dazu da sind dem Schuldner eine langfristige Rendite einzubringen, sind negative Schulden das komplette Gegenteil und führen meist nur zur Verarmung.

Aus diesem Grund sollten Sie stets Konsum-, Kreditkarten-, Autoschulden & Co. vermeiden. Diese Verbindlichkeiten sind dabei zumeist nur ein Indikator dafür, dass man über seinen Verhältnissen gelebt hat oder im Fall einer Krise nicht genügend Rücklagen hatte. Weiterhin sind Kredite dieser Art auch wesentlich höher verzinst als etwa das Darlehen für ein Haus, da hier, anders als bei einer Grundschuld, keine Sicherheit außer die persönliche Haftung zugrunde liegt.

Welche Methoden es gibt, um aus der Schuldenfalle herauszukommen

Sollten Sie aber dennoch in die Verlegenheit geraten sein Konsumschulden zu haben, dann heißt es jetzt handeln, bevor die Zinsen ernsthaften Schaden anrichten können. Denn wenn Sie beispielsweise eine Kreditkartenschuld von 10.000 Euro halten, dann zahlen Sie bei der in Deutschland aktuell durchschnittlichen Verzinsung von 15 Prozent allein ca. 125 Euro an Zinsen jeden Monat, ohne auch nur einen Cent zu tilgen. Dementsprechend aggressiv sollten Sie an der Tilgung dieser Schulden arbeiten. Haben Sie mehrere offene Posten, dann sollten Sie diese nach Höhe des Zinssatzes versuchen sonderzugtilgen, während auf die restlichen Kredite nur die monatliche Standardtilgung entfällt. Auch eine Umschuldung zu günstigen Konditionen bei längerfristig aufgelaufenen Zinsen kann übrigens Sinn ergeben.

Doch natürlich bedeutet ein aggressiver Schuldenabbau auch einen Einschnitt im persönlichen Leben, denn wie bereits erwähnt geraten vorrangig Menschen, die zuvor über ihren Verhältnissen gelebt haben, in die Schuldenfalle. Um aus dieser wieder herauszukommen, heißt es also Opfer zu bringen. Ein erster Schritt dazu ist sich einen klaren Plan über seine monatlichen Aus- und Einnahmen zu verschaffen und anschließend ein Budget aufzusetzen. Ist man wirklich arg in Schulden geraten, dann sollte dieses Budget auch im schlimmsten Fall keine nicht lebensnotwendigen Ausgaben wie Urlaub, Streaming-Abos oder Restaurantbesuche enthalten. Auch eigene liquide Vermögensgegenstände wie Aktien, Tagesgeld oder Fonds sollten bis auf einen Notgroschen zur Tilgung der Schulden verkauft werden, da deren durchschnittliche Rendite weit unter den zu zahlenden Zinsen liegt. Selbst die Aufnahme zusätzlicher beruflicher Tätigkeiten oder bezahlter Überstunden sollten in Erwägung gezogen werden

Bei positiven Schulden hingegen müssen Sie es jedoch nicht so extrem angehen lassen. Dies liegt primär an deren häufig deutlich niedrigeren Verzinsung. Allerdings sollten Sie auch hier versuchen durch Sondertilgungen & Co. die Last an Verbindlichkeiten frühzeitig abzuzahlen, da unvorhergesehene Ereignisse wie Krankheit oder Jobverlust immer noch dazu führen können, dass sie nicht in der Lage sind die Zahlungen zu bedienen.

Was passiert, wenn ich meine Schulden nicht mehr bedienen kann?

Denn wenn man einmal nicht mehr in der Lage ist zu zahlen, dann droht nach einigen Mahnungen schnell eine Zwangsvollstreckung und Privatinsolvenz. Das hat nicht nur eine Menge unangenehme emotionale Effekte, sondern führt auch zum Wegfall jedweder Kredibilität. Dies kann auch den Verlust der Wohnung, des Arbeitsplatzes etc. zur Folge haben. Außerdem droht die Pfändung bzw. Veräußerung von Einnahmen oder Sachgegenständen wie Teilen des Gehalts, Autos oder sogar Immobilien zur Befriedigung der Ansprüche des Gläubigers.

Da es allerdings bereits zu spät ist, wenn der Gerichtsvollzieher bei Ihnen daheim klingelt, sollten Sie frühzeitig eine Schuldenberatung in Anspruch nehmen. Diese kann auch anonym erfolgen und Ihnen einen Überblick über Ihre individuellen Möglichkeiten verschaffen.

Fazit: Mit Schulden ist nicht zu spaßen!

Es ist also eindeutig: Schulden sind ein ernstes Thema und selbst „positive“ Schulden für eine Immobilie o. Ä. können in den finanziellen Ruin führen. Aus diesem Grund sollte die Aufnahme von Krediten sehr gut überlegt sein und nicht aus der Zahlung mit der Kreditkarte hier und der Online-Klarna-Rechnung da bestehen. Prüfen Sie deshalb im Vorfeld, was Sie sich wenn nötig an Schulden leisten können und ob eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Abzahlung besteht. Das bedeutet natürlich grundsätzlich auch, dass Sie nicht über Ihren Verhältnissen leben sollten, da dies eines Tages zwangsläufig zum Ruin in der Schuldenfalle führt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Trumps widersprüchliche Signale im Iran-Krieg: Märkte schwanken zwischen Hoffnung und Risiko
11.03.2026

Die widersprüchlichen Signale aus Washington und Teheran sorgen an den Finanzmärkten für große Unsicherheit über den weiteren Verlauf...

DWN
Politik
Politik Tanken in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Steigende Spritpreise lassen Interesse an E-Autos steigen
11.03.2026

Hohe Benzinpreise lenken den Blick vieler deutscher Autokäufer auf Elektro-Modelle. Onlineplattformen registrieren spürbar mehr Anfragen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uniper-Dividende: Bund darf sich auf viele Millionen freuen
11.03.2026

Nach staatlicher Rettung und Dividendenstopp hat Uniper seine Rückkehr an den Kapitalmarkt fest im Blick. Erstmals seit vier Jahren soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Zu wenig Verdienst und zu hohe Kosten: Ein Viertel der Haushalte ohne Ersparnisse
11.03.2026

In einer Zeit, in der das Gesamtvermögen der deutschen Privathaushalte Rekordhöhen erreicht, zeigt eine aktuelle Umfrage, dass fast ein...

DWN
Panorama
Panorama Zwischen Alltag und Angriffen: So erleben Israelis den Krieg
11.03.2026

Mal Espresso, dann wieder Sirenengeheul: In Tel Aviv kämpfen die Menschen darum, ein Stück Normalität zu bewahren. Eindrücke aus einer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise im Fokus: Wie der Iran-Krieg die Weltwirtschaft belastet
11.03.2026

Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran erhöht weltweit die Nervosität an den Energiemärkten. Könnte ein...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg eskaliert weiter
10.03.2026

Die Angriffe im Iran eskalieren weiter, während Trump ein baldiges Kriegsende signalisiert. Gleichzeitig spitzt sich die Lage für die...