Politik

Wasserstoff-Pipeline soll Nordafrika und Süddeutschland verbinden

Deutschland und Italien planen den Bau von Wasserstoff-Infrastrukturen über das Mittelmeer hinweg. Darüber hinaus sollen die Beziehungen auch in anderen Bereichen vertieft werden.
22.11.2023 09:39
Aktualisiert: 22.11.2023 09:39
Lesezeit: 2 min
Wasserstoff-Pipeline soll Nordafrika und Süddeutschland verbinden
Zwischen Süddeutschland und Nordafrika sollen neue Wasserstoff-Pipelines gebaut werden. (Grafik: istockphoto.com/y-studio) Foto: y-studio

Die Regierungen von Deutschland und Italien wollen den Bau einer Wasserstoff-Pipeline von Nordafrika bis Süddeutschland vorantreiben. Das geht aus dem "Deutsch-italienischen Aktionsplan für die strategische bilaterale und EU-Zusammenarbeit" hervor, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

Kanzler Olaf Scholz und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wollen ihn am Mittwoch am Rande der gemeinsamen Regierungskonsultationen in Berlin unterzeichnen. Darin wird betont, dass die beiden großen EU-Staaten die Diversifizierung der Energieversorgung vorantreiben und den Bau neuer Erdgas- und Wasserstoffpipelines zwischen Deutschland und Italien (über Österreich und/oder die Schweiz) erreichen wollen.

Dies betrifft insbesondere den "South Central Hydrogen Corridor" (SCHC), der die südlichen Teile Deutschlands und Italiens mit Nordafrika verbindet.

Das Ziel des SCHC besteht darin, die grenzüberschreitende Gaspipeline-Infrastruktur auszubauen und den Import von zehn Millionen Tonnen Wasserstoff bis 2030 zu ermöglichen. "Der Korridor bietet außerdem enorme Möglichkeiten für den Import von erneuerbaren Energien aus Nordafrika und verbindet die Nachfragezentren in Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz miteinander und trägt so zur Entstehung eines größeren europäischen Wasserstoffnetzes bei", heißt es in der deutsch-italienischen Erklärung.

Um dieses Ziel zu erreichen, wollen Deutschland und Italien auch die Produktion von erneuerbaren Energien, Erdgas und Wasserstoff in Nordafrika fördern. Die Produktion müsse aber im Einklang mit sozioökonomischen und ökologischen Standards stehen. Scholz und Meloni hatten über das Projekt bereits im Juni bei dem Besuch des Kanzlers in Rom gesprochen.

Beziehungen sollen vertieft werden

In dem Papier werden zudem regelmäßigere Konsultationen in den Bereichen Verteidigungs-, Außen-, Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie Migration zwischen Deutschland und Italien vereinbart. Auch bei Rüstungsprojekten streben beide Regierungen mehr Kooperationen an.

Meloni reist mit einigen Kabinettsmitglieder nach Berlin, wo sie zusammen mit Scholz auch an der virtuellen Schalte der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) teilnehmen wird.

Die Regierungskonsultationen und der Aktionsplan sollen die Beziehungen zwischen beiden großen EU-Staaten ungeachtet politischer Differenzen festigen. Allerdings hatte die Bundesregierung mit der zweitägigen deutsch-französischen Kabinettsklausur vor wenigen Wochen deutlich gemacht, dass Paris für Berlin der engste Partner in der EU ist.

Bei der Migration befürworten beide Länder die Reform des EU-Asylsystems mit einer größeren Solidarität bei der Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der Union sowie einem besseren Außengrenzschutz.

Eine engere Abstimmung soll es auch bei der "Zusammenarbeit der EU mit Herkunfts- und Transitdrittländern" geben. Italien hatte zuletzt ein Abkommen mit Albanien über die Einrichtung eines Flüchtlingslagers abgeschlossen, in dem Asylverfahren durchgeführt werden sollen.

Beide Regierung drängen auf schnellere Genehmigungen der EU-Kommission für Investitionsentscheidungen. Dies soll vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gelten, die die Wirtschaftsstruktur beider Staaten prägen.

Zudem wird ein bilaterales makroökonomisches Forum eingerichtet, in dem regelmäßig Finanz- und Wirtschaftsfragen besprochen werden sollen. Eine engere Zusammenarbeit wird in der Raumfahrt- und Digitalpolitik angestrebt. Erst am Wochenende hatten Deutschland, Frankreich und Italien eine gemeinsame Position zur Regulierung der Künstlichen Intelligenz vorgelegt.

Bekenntnis zu europäischer Rüstungspolitik

Deutschland und Italien bekennen sich zu einer europäischen Rüstungskooperation. Als potenzielle künftige Bereiche der Zusammenarbeit werden etwa das geplante Hauptbodenkampfsystem (MGCS), das Panzergrenadiersystem (AICS) und Langstreckenartillerie genannt.

Damit wird angedeutet, dass Italien zu dem von Deutschland und Frankreich geplanten MGSC-Projekt dazustoßen könnte, das etwa wegen Differenzen zwischen der deutschen und französischen Rüstungsindustrie nicht vorankommt. "Bewährte, erfolgreiche Akteure aus der Industrie sollen die Führung übernehmen und geeignete Auftragnehmerkonsortien bilden", heißt es allgemein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street steigt, da KI-Optimismus Tech-Aktien beflügelt
27.10.2026

Technologie-Schwergewichte und wichtige Quartalszahlen bringen Bewegung in die US-Märkte – erfahren Sie, welche Entwicklungen die...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Claude-Entwickler lockt mit Wachstum und warnt zugleich vor enormen Kosten
27.10.2026

Das Anthropic-IPO könnte zu einem der wichtigsten Börsengänge des Jahres werden. Der Claude-Entwickler meldet explosives Umsatzwachstum,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ingenieurmangel trotz Rekordarbeitslosigkeit: Warum Deutschlands Technikarbeitsmarkt gespalten ist
27.10.2026

Mehr offene Stellen, aber gleichzeitig ein neuer Höchststand bei der Arbeitslosigkeit: Deutschlands Ingenieur- und IT-Arbeitsmarkt sendet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Temu und Shein werden teurer: EU kassiert ab November zusätzlich
27.10.2026

Ein paar günstige Produkte aus China bestellen und dabei kräftig sparen? Das könnte sich für deutsche Verbraucher bald weniger lohnen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
27.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Microsoft-Aktie im Fokus: US-Konzern bietet 60.000 Mitarbeitern Abfindungen an
27.10.2026

Der US-Softwarekonzern Microsoft bietet rund 60.000 Beschäftigten in vier Ländern einen freiwilligen Abschied gegen eine Abfindung an....

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Technology-Aktie zwischen KI-Boom und China-Risiko: Was Anleger jetzt beachten sollten
27.10.2026

Nach heftigen Kursschwankungen steht die Micron-Aktie erneut im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Der Speicherchiphersteller profitiert...

DWN
Politik
Politik EZB-Zinsentscheid: Bleiben die Zinsen stabil oder deutet Lagarde schon die nächste Erhöhung an?
27.10.2026

In dieser Woche stehen zwei Zinsentscheidungen an. Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed, am Donnerstag folgt der EZB-Zinsentscheid.