Politik

Tarifverhandlungen gescheitert - Bahnreisenden drohen neue Streiks

Lesezeit: 2 min
24.11.2023 13:37  Aktualisiert: 24.11.2023 13:37
Bahnreisende müssen sich auf weitere Streiks der Lokführergewerkschaft GDL einstellen.
Tarifverhandlungen gescheitert - Bahnreisenden drohen neue Streiks
Bei der Bahn hat die Gewerkschaft GDL neue Streiks angekündigt. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Bahnreisende müssen sich auf weitere Streiks der Lokführergewerkschaft GDL einstellen. Die GDL erklärte am Freitag die Verhandlungen für gescheitert und kündigte ausgeweitete Arbeitskämpfe an.

Die Deutsche Bahn sei nicht auf Kernforderungen der Gewerkschaft eingegangen. "Das macht die Findung eines Kompromisses unmöglich," sagte GDL-Chef Claus Weselsky. "Wir werden deshalb, nachdem wir die Verhandlungen jetzt scheitern lassen haben, als nächstes jetzt den Arbeitgeber weiter unter Druck setzen."

Kein Datum der Streiks genannt

Einen Zeitpunkt für neue Streiks nannte er nicht. Offen blieb auch, wie die Tarifgespräche weitergeführt werden sollen. Eine Schlichtung lehnte Weselsky ab. Die Bahn äußerte Unverständnis: "Die GDL will mit dem Kopf durch die Wand", kritisierte Personalvorstand Martin Seiler. Er forderte, den Reisenden zumindest über Weihnachten Sicherheit zu geben.

Bei der jüngsten Tarifrunde waren am Donnerstagmorgen die gegensätzlichen Positionen noch einmal deutlich geworden. Die GDL hatte zum Auftakt die Forderung einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich sowie eine Ausdehnung der GDL-Tarifverträge auf Netz- und Instandhaltungssparte der Bahn betont.

"Wenn man mit einem Arbeitgeber nicht über diese Elemente verhandeln kann, ist man nicht in der Lage, Kompromisse zu finden", sagte Weselsky. "Wir sehen keine Möglichkeiten, mit diesem Arbeitgeber Kompromisse zu finden und bedauern außerordentlich, dass wir die Fahrgäste, die Kunden der Deutschen Bahn weiter beeinträchtigen müssen."

Die Lokführergewerkschaft hatte bereits vor einer Woche einen 20-stündigen Streik gestartet, woraufhin die Bahn die parallel geplanten Verhandlungen absagte. Die Gewerkschaft hat zudem eine Urabstimmung zu einem unbefristeten Streik eingeleitet, das Ergebnis soll um Weihnachten vorliegen. Laut Weselsky soll allerdings über die Weihnachtstage die Arbeit nicht niedergelegt werden. Genauer wurde der Zeitraum nicht eingegrenzt.

Die Bahn kritisierte, die Aussagen der GDL seien ohne konkretes Datum für die Reisenden nichts wert. Die meisten führen vor oder nach den Weihnachtstagen.

Unverständlich sei auch, dass die GDL die Verhandlungen bereits nach zwei Terminen für gescheitert erklärt habe. Noch am Donnerstag habe man in sachlicher Atmosphäre gesprochen. "Wir hätten gerne weiter an dem gearbeitet, was möglich ist. Denn wir sind bereit für Kompromisse und Lösungen", betonte Personalvorstand Seiler.

Die Bahn lehnt allerdings die verlangte Arbeitszeitverkürzung wegen der Knappheit von Arbeitskräften ab. Würde man die GDL-Forderung erfüllen, müssten 10.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, was auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt unmöglich sei.

Ebenfalls abgelehnt wird eine Ausdehnung der Tarifverträge der GDL auf weitere Sparten. Kerngebiet der GDL sind Lokführer und Zugbegleitpersonal. Laut Bahn verhandelt die GDL so für insgesamt 10.000 Beschäftigte. Dies sei auch gesetzlich so definiert, da die GDL in anderen Betrieben der Bahn keine Mehrheit hat. Für diese hat die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandelt.

Die GDL fordert für Schichtarbeiter eine Arbeitszeitverkürzung von 38 auf 35 Stunden, dazu 555 Euro mehr im Monat sowie eine Inflationsausgleichsprämie von 3000 Euro. Die Bahn hat elf Prozent mehr Lohn und Gehalt bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von 32 Monaten geboten. Das hatte die GDL bereits als völlig unzureichend abgelehnt.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik "Zeit läuft davon": Wirtschaft fordert von Scholz schnelle Entlastungen und Reformen
01.03.2024

Die deutsche Wirtschaft klagt über hohe finanzielle Belastungen und andere Wachstumshemmnisse. Der Forderungskatalog der Verbände an den...

DWN
Panorama
Panorama CO2-Speicherung: Norwegen wird europäisches Drehkreuz – Deutschland ändert seine Haltung
01.03.2024

Auf der norwegischen Insel Blomoyna entsteht Europas größtes Projekt zur CO2-Abscheidung. Auch Deutschland, als größter...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch in greifbarer Nähe - DAX erneut mit Bestmarke
01.03.2024

Der deutsche Leitindex DAX hat im Freitagshandel das siebte Rekordhoch in Folge erobert - und auch der Goldpreis ist von seinem Allzeithoch...

DWN
Panorama
Panorama Die 4-Tage-Arbeitswoche: Steigert sie die Produktivität um 40 Prozent?
01.03.2024

Der allgemein verbreitete Wunsch deutscher Arbeitnehmer könnte zur Realität werden: Viele mittelständische Unternehmen testen schon...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX vor 18.000 Punkten - ist es an der Zeit, aus dem Markt auszusteigen?
01.03.2024

Der deutsche Leitindex nähert sich der Marke von 18.000 Punkten. Der Bullenmarkt hat Dimensionen erreicht, die irrational wirken. Ist es...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russlands Wirtschaft geht es prächtig
01.03.2024

Trotz oder gerade wegen des anhaltenden Krieges in der Ukraine läuft Russlands Wirtschaft immer besser. Die Sanktionen des Westens...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft US-Magazin Bloomberg: „Deutschlands Tage als industrielle Supermacht sind gezählt“
01.03.2024

Das führende US-Wirtschaftsmagazin Bloomberg gibt eine niederschmetternde Prognose für die Zukunft Deutschlands ab: Deutschlands Tage als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie rutscht ab: Volkswagen steckt viel Geld in Technik und China
01.03.2024

Die VW-Aktie ist zum Wochenschluss mächtig unter Druck geraten. Der Grund: Der Volkswagen-Konzern rechnet in diesem Jahr mit einem hohen...