Politik

SPD und Grüne gegen Schuldenbremse, FDP weiter dafür

Die Ampel streitet über den Bundeshaushalt 2024. Allein die FDP will an der Schuldenbremse festhalten. Daher setzen SPD und Grüne auf eine Reform mit der Union.
28.11.2023 09:39
Aktualisiert: 28.11.2023 09:39
Lesezeit: 2 min

Unmittelbar vor der Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz zur Haushaltspolitik haben SPD und Grüne ihre Forderung nach einer Reform der Schuldenbremse bekräftigt. "Wir können nicht Krisenbewältigung aus dem normalen Haushalt stemmen", sagte die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken am Dienstag im ZDF und verwies auf einen hohen Investitionsbedarf. "Wir wollen die Schuldenbremse modernisieren", kündigte auch die Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen, Katharina Dröge, im ZDF an. Dagegen lehnte FDP-Fraktionschef Christian Dürr im "stern" eine Änderung ab.

Dröge setzt bei einer Reform auf die Unions-Länderchefs. "Es gibt jetzt viele Ministerpräsidenten der Union, die signalisiert haben, dass sie sich solch ein Reform vorstellen können, und dann sollten wir miteinander darüber sprechen, ob wir hier nicht zu einer Lösung kommen können", sagte sie in Anspielung etwa auf die CDU-Länderchefs etwa in Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Würde man jetzt nicht in Infrastruktur investieren, hinterließe man der nächsten Generation auch Schulden, dann in Form von kaputten Brücken, maroden Schulen, langsamem Internet oder einer eskalierenden Klimakrise. Die Regierung benötigt für eine Reform der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat. Sowohl CDU-Chef Friedrich Merz als auch der CSU-Vorsitzende Markus Söder haben eine Reform am Montag aber abgelehnt.

AMPEL WEITER UNEINS ÜBER HAUSHALT 2024

Die Ampel-Koalition hat sich nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts auf einen Nachtragshaushalt 2023 geeinigt, sie muss aber noch einen Haushalt 2024 aufstellen. Dabei gibt es Konflikt zwischen SPD, Grünen und FDP, etwa bei der Frage, ob die Schuldenbremse erneut ausgesetzt wird, indem man eine "Notlage" feststellt. Grünen-Fraktionschefin Dröge ließ das offen. "Wir werden das jetzt sehr genau prüfen", sagte sie Eine Begründung könnte die anhaltende Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland sein. "Deswegen werden wir das miteinander diskutieren, ob das ein Weg ist." SPD-Chefin Esken forderte eine erneute Aussetzung.

Dem widersprach FDP-Fraktionschef Christian Dürr. "Man kann nicht einfach so eine Notlage beschließen, sondern muss sie sachlich gut mit einer Ausnahmesituation begründen, die neu aufgetreten ist", sagte er dem "stern". Eine solche Ausnahmesituation "sehe ich derzeit nicht". Die wirtschaftliche Lage sei zwar herausfordernd. "Aber sie ist keine neue Ausnahmesituation", betonte er.

Laut einer neuen Umfrage glaubt nur gut ein Drittel der Deutschen daran, dass eine unionsgeführte Bundesregierung die Haushaltskrise besser lösen könnte als die Ampel-Regierung. Auf eine entsprechende Frage bei einer Forsa-Umfrage für die RTL-Gruppe antworteten 59 Prozent mit "Nein", 35 Prozent mit "Ja". Nur sechs Prozent der Grünen- und 18 Prozent der SPD-Wähler trauen CDU/CSU ein erfolgreicheres Krisenmanagement zu. Bei der FDP glauben daran 39 Prozent. Bei den Unions-Anhängern sind 68 Prozent überzeugt, dass mit einer von CDU/CSU-geführten Regierung eine bessere Politik gemacht würde, ein Viertel bezweifelt dies. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Politik
Politik Robert Habeck warnt vor Putins nächster Falle: „Wir dürfen nicht wieder wegsehen“
01.11.2026

Europa hat die Gefahr durch Putin lange unterschätzt. Der frühere Wirtschaftsminister Robert Habeck fürchtet, dass sich dieser Fehler in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Logistikkonzern C.H. Robinson verblüfft mit KI-gestütztem Gewinnsprung: So ist das gelungen!
01.11.2026

28 Prozent weniger Mitarbeiter, über 60 Prozent mehr Produktivität und Frachtangebote in nur 31 Sekunden: Der US-Logistikkonzern C.H....

DWN
Technologie
Technologie Millionen Hackerangriffe wegen PHP-Sicherheitslücke: Wie sicher sind Websites noch und was ist zu tun?
01.11.2026

Millionen Hackerangriffe innerhalb weniger Stunden, abgeschaltete Regierungswebsites und eine PHP-Sicherheitslücke, die seit mehr als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quantum-Systems-Chef in Litauen: Drohnen kann man nicht im Lager anhäufen, Bedrohungen verändern sich
01.11.2026

Quantum Systems baut seine Präsenz in Litauen aus und wird dort die Bundeswehr-Brigade unterstützen. Produktionspläne hängen jedoch von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...