Finanzen

Deutsche Vorzeigeunternehmen gibt es auch in der zweiten Reihe

Viele Privatanleger konzentrieren sich im deutschen Aktienmarkt allein auf den DAX. Dabei gibt es gerade in der zweiten Reihe viele Unternehmen, die über eine deutlich höhere Qualität verfügen und die mit mehr Weitblick geführt werden.
25.12.2023 10:30
Aktualisiert: 25.12.2023 10:30
Lesezeit: 4 min

Anleger, die vor einem Jahr einen DAX-ETF gekauft haben, können sich durchaus glücklich schätzen. Sie haben gegenüber einem Käufer des MSCI World nicht verloren! In der langfristigen Betrachtung sieht das ganz anders aus. In den vergangenen zehn Jahren hat der DAX-Anleger nach Gebühren rund 63 Prozent gewonnen, während es beim MSCI World 177 Prozent waren.

Laut Handelsblatt lag die EBIT-Marge ohne Berücksichtigung von Banken und Versicherungen, im Jahr 2022 bei den DAX-Konzernen im Durchschnitt bei 8,5 Prozent. Das ist das Verhältnis des Gewinns vor Steuern und Zinsen im Verhältnis zum Umsatz. Das ist kein schlechter Wert, in einer Welt von Gewinnmaschinen wie Apple, Microsoft oder Alphabet aber zu wenig, um die globale Investorengemeinde anzulocken.

Selbst etablierte DAX-Konzerne stehen vor erheblichen internen Herausforderungen. Das zeigen missglückte und wertvernichtende Übernahmen wie im Fall von Bayer oder Siemens Energy, die notwendige Transformation der deutschen Automobilindustrie oder der zunehmende Wettbewerbs- und Margendruck bei ehemaligen Vorzeigeunternehmen wie Adidas oder Henkel. Häufig ist das Management nur an der Optimierung seiner kurzfristigen Interessen interessiert, entsprechend kurzsichtig werden Entscheidungen getroffen und die langfristige Unternehmensentwicklung aus den Augen verloren.

Was Unternehmen aus der zweiten Reihe besser machen

Unternehmen aus der zweiten Reihe wie Fielmann, Hermle und Rational stehen zwar deutlich weniger im Rampenlicht als ihre DAX-Kollegen, weisen aber wesentliche Qualitätsmerkmale auf. Sie verfügen über solide Bilanzen, hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital und eine hohe Profitabilität. Dies ist möglich, weil sich die Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und eine klare strategische Ausrichtung haben. In ihrer Nische sind sie dann oft Marktführer mit klaren Wettbewerbsvorteilen.

Dabei profitieren diese Firmen von der engen Verbindung zu den Gründerfamilien, die nach wie vor maßgeblich an den Firmen beteiligt sind. Dieser Rückhalt ermöglicht es dem Management, sich auf langfristige Erfolgsfaktoren zu konzentrieren und nicht die Kennzahlen für den nächsten Quartalsbericht optimieren zu müssen. So können Rational, Hermle und Fielmann kräftig in Zukunftstechnologien, Produkte und die Internationalisierung investieren können. Diese Gewinner-Unternehmen von heute können daher auch die Gewinner von morgen sein.

Rational AG (ISIN: DE0007010803) - Gastronomie von morgen schon heute

Rational ist mit einem Marktanteil von ca. 50 Prozent in den beiden Produktgruppen Kombidämpfer und multifunktionale Gargeräte klarer Marktführer im Bereich der Großküchengeräte. Das Marktpotenzial ist aber noch riesig, denn über 75 Prozent der potenziellen Kunden arbeiten heute noch mit traditionellen Geräten. Dabei bieten die Geräte von Rational klare Vorteile nach der Anschaffung. Sie sparen erheblich Platz, Strom und Wasser und durch die hohe Automatisierung der Prozesse steigt die Produktivität und dem Fachkräftemangel kann wirksam begegnet werden.

Dieses Jahr feierte Rational sein 50-jähriges Bestehen und der CEO Peter Stadelmann konnte anlässlich der Feierlichkeiten spannende Produktneuheiten vorstellen. Mit dem iCareSystem AutoDose bietet das Unternehmen ein autonomes Reiningungssystem an, bei dem nur noch die Kartuschen gewechselt und die Reinigungszeiten eingestellt werden müssen. Mit einer Schnittstelle zu Warenwirtschaftssystemen, automatischer Datenanalyse für die Kunden und technischen Service und einer Pro-Version der Software zum Hygiene Management bietet Rational neue digitale Lösungen, die Mehrwert für die Kochsysteme liefern. Darüber hinaus wird das Unternehmen im ersten Quartal 2024 eine neue Produktkategorie einführen, in der die drei Energiearten Heißluft, Dampf und Mikrowelle kombiniert werden.

Zwar gingen die Umsatzerlöse im dritten Quartal 2023 leicht um 1,9 Prozent zurück, das wurde aber aufgrund der starken Vergleichsbasis aber so erwartet. In den ersten neun Monaten wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um 14 Prozent. Mit einer EBIT-Marge von 24 Prozent hat Rational wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. In den letzten Quartalen hat das Unternehmen den Rekord-Auftragsbestand weitgehend abgearbeitet und sieht zumindest annähernd wieder ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Auftragseingang und Umsatz. In den nächsten Jahren soll wieder ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich erreicht werden.

Fielmann (ISIN: DE0005772206) - Die nächste Generation übernimmt

Die jüngste Vergangenheit von Fielmann steht ganz im Zeichen der Vision 2025 von Marc Fielmann, CEO und Sohn des Gründers Günther Fielmann. Im Mittelpunkt stehen die Digitalisierung und die Internationalisierung des Familienunternehmens. Die hohen Investitionen in Verbindung mit den Belastungen durch Corona und Inflation haben das Ergebnis in den letzten Jahren belastet. Dank der Preisführerschaft konnte das Unternehmen seine Marktanteile in dieser Phase sogar ausbauen. Im Jahr 2022 stammten 53 Prozent aller verkauften Brillen von Fielmann.

Langfristig sprechen die zunehmende Bildschirmzeit bei Jugendlichen und die Alterung der Bevölkerung für eine steigende Nachfrage nach Brillen. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren seine Internationalisierung, deutlich vorangetrieben, teilweise durch anorganisches Wachstum durch Akquisitionen. Mittlerweile erwirtschaftet Fielmann 29 Prozent des Konzernumsatz im Ausland. Mit dem Markteintritt durch zwei Übernahmen in den USA hat Fielmann in diesem Jahr den nächsten großen Schritt gemacht. Auch bei der Digitalisierung kommt das Unternehmen voran, wobei derzeit noch das Omnichannel-Erlebnis im Vordergrund steht.

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres stieg der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 13,7 Prozent. Besonders erfreulich ist, dass insbesondere das organische Wachstum mit zehn Prozent im dritten Quartal maßgeblich zu dieser starken Entwicklung beigetragen hat und das Ergebnis vor Steuern mit einem Plus von 25 Prozent überproportional gestiegen ist. Mit einer EBT-Marge von 11,5 Prozent ist Fielmann trotz der erhöhten Aufwendungen für die Vision 2025 auf dem besten Weg zu alter Stärke.

Hermle (ISIN: DE0006052830) - Mit Automatisierung vom Fachkräftemangel

Hermle ist Technologieführer bei CNC-Fräsmaschinen, wie sie in der Metallbearbeitung benötigt werden. Dabei profitiert das Unternehmen vom Trend zur Miniaturisierung, der immer präzisere Maschinen erfordert. Doch vor allem der Fachkräftemangel und der zunehmende Kostendruck der Kunden, treibt das Geschäft von Hermle im besonderen Maße an. Schließlich verzeichnete das Unternehmen in den letzten Quartalen eine starke Nachfrage vor allem im Bereich der Automation, für das Hermle einen kompletten Baukasten für alle Automatisierungsgrade mit unternehmenseigenen Digitalisierungskomponenten anbietet.

Mit ca. 20 Mio. Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände in den ersten neun Monaten hat Hermle schon fast den Rekordwert aus dem Jahr 2020 erreicht. Dabei stehen besonders die Fertigungsstandorte im Fokus. So wurde an einem der Fertigungsstandorte eine Photovoltaik-Anlage installiert, die deutlich mehr als die Hälfte des rechnerischen Stromverbrauchs in dem Werk deckt. Während andere produzierende Untenrehmen über hohe Energiekosten klagen, kann Hermle seine Eigenkapitalquote von 70 Prozent nutzen, um proaktiv zu handeln.

Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Umsatz in den ersten neun Monaten um 20 Prozent gesteigert werden. Der Auftragseingang lag in den ersten neun Monaten nahezu auf dem Niveau des Umsatzes. Das Betriebsergebnis ist im bisherigen Jahresverlauf nach Angaben des Unternehmens überproportional zum Umsatz gestiegen. Eine weitere Verbesserung der Marge, die im vergangenen Jahr bereits bei 21 Prozent lag, ist daher nicht auszuschließen, auch wenn das Unternehmen bei seiner Schätzung für das Gesamjahr noch vorsichtig bleibt.

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